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00:41TOUCH: In The End
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00:30e.m.m.a.: Bijoux de Diama
00:27Savant: The Shining Hou
00:23Max Graef & Glenn Astro: Money $ex Theme
00:18IVVVO: Darkness In My
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Turbo Mate + Kalaschnikow = GeilerAsDu 2016

turbo-mate-kalaschnikow

GeilerAsDu sind “dick im cho” – so die Luzerner Lokalmatadoren 2008 auf ihrem gleichnamigen Erstling. Mit ihrem dritten Longplayer Turbo Mate & Kalaschnikow sind Mike, Luzi und LUi G nun angekommen und – so abgedroschen und kopiert es auch klingen mag – erwachsen geworden.

Vor sage-und-schreibe zehn Jahren, zu ihrem Rap-Debut, traf man die heute drei, damals vier Herren um GeilerAsDu noch an der Kanti Alpenquai – in Baggy Pants, rosarotem T-Shirt oder mit Ed Hardy-Cap auf dem Kopf und Lines wie “mir sind dick im cho, sexy, frösch und geil und so.” Dabei dachte sich wohl manch einer, dass diese Rap-Combo nichts weiter als eine prollige Eintagsfliege sein würde, die eher früher als später – LU-Rapper wie Steven Egal oder 3-Sächser machten es vor – wieder von der Bildschirmfläche verschwinden würden.

gad-turbo

Rap in Luzern – man mag argumentieren in der Schweiz – befand sich damals auf dem absteigenden Ast. Breitbild und Chlyklass waren Geschichte, Gimma im Koma und Bligg endgültig auf der seichten Popschiene angekommen. GeilerAsDu nahm mit ihrem Erstling aber erst richtig Fahrt auf und löste mit ihrem Schaffen nicht nur die Lucerne-Rock-City ab, sondern inspirierte vielmehr eine ganze Generation: 041 war geboren.

Aber eben: “Die gliche Lüt, wo glacht hend, bi Deck Im Cho, sind die gliche, wo jetzt chömed mit de riise Props,” drückt’s Rapper Mike heute auf “Chueche” sehr treffend aus. Und dem wollen wir uns anschliessen. Wir müssen, denn GeilerAsDu reiften bereits mit der 2010er EP “Revoluzion” (mit ersten ansatzweise gesellschaftskritischen Regio-Hits wie Trampolin) und schliesslich definitiv mit ihrem Nachfolge Album “Flöchted” und dem Zweitprojekt Moskito, in ungeahnte Sphären, zeigten durch Kollaborationen mit Alvin Zealot, Heidi Happy oder zuletzt Hanreti ihr wahres Profil.

Mit ihrem Tatendrang und ihrer kontinuierlichen Metamorphose hin zu einer der ernstzunehmensten Adressen im CH Hip Hop, ihrer Zündkerzen-Funktion für die 041-Szene sind GeilerAsDu auch entscheidend mitverantwortlich für das Emporkommen von weiteren Namen aus der Region, wie beispielsweise Nummer-1 Rapper Mimiks oder Marash & Dave, die heute beide auf einem Major-Label veröffentlichen. Dass GeilerAsDu trotz ihrem eigenen Erfolg auf dem Luzerner Goldon Records von Guido Röösli geblieben sind, macht uns die Combo noch symphatischer.

Hinter GeilerAsDu liegt dann auch ein langer Weg der Selbstfindung. Und der Ort, an dem sich GAD heute widerfindet, beschäftigt die Drei hörbar  auf ihrem neusten Album. Während sich genannte Namen – das Rapbiz im Allgemeinen – mittlerweile vor allem über die Abgrenzung gegenüber anderen Rapper definieren (man höre auch Mimiks Part auf «Insomnia»), besinnen sich GeilerAsDu auf Turbo Mate & Kalaschnikow fast ausschliesslich auf sich selbst und «geben einen Fick auf das Biz.» Das zeigt sich nicht zuletzt auch im, auf einen ersten Blick dem soeben beschriebenen eventuell etwas konträr entgegenstehenden, trivial anmutenden Albumtitel.

Wir zeigen uns mit Turbo Mate, Party und Leistung beschäftigt, währendem anderenorts die Kalaschnikows wüten. “Du diskutiersch mit de Kollege öber d’ Problem uf dere Wält ond ergendwenn chonsch ane Punkt, wo’d hald eifach no en Shot nimsch, ond am nögschte Morge esch trotzdem alles no s’glich,” so Rapper Mike bei uns im Interview. Dem Ohnmachtsgefühl, das dieser Feststellung folgen mag, widmet sich GeilerAsDu textlich und stimmungsmässig auf dem gesamten Album. Vorbei die Zeiten und Zeilen, wo es noch um Sinnfindung im eigenen, juvenilen Leben ging, Angriff auf die Gedanken der Zuhörer, so kommt es einem vor, heisst es nun. GeilerAsDu sind zu erwachsenen Ideologen geworden.

Bereits im Featuring für Hanreti, endete Mike in «One» mit einer klaren «Message: Refugees Welcome!» Die Fortsetzung davon findet sich auf dem Prerelease «8-Kilometer» und «Mia Khalifa», in denen sich Walker die scheinheilige Mentalität Europas gegenüber Flüchtlingen vorknöpft. Dies währenddem Luzi auf «Coke Zero» treffend mit den Problemen der Generation Z abrechnet, die nur noch darauf hofft, «dass die zwöi chline Högge blau wärded» und alles andere ausblendet – passend mischt LUi G dazu auch das Dylan-Sample von «All the Tired Horses» in den Song.

Die Generation Y fährt der Generation Z an den Karren und therapiert sich dabei selbst. Luzi, besuchte Gesangsstunden und macht das beispielsweise auf «Mittelpunkt» neu auch singend – tänzelt ansonsten in gewohnt unerreichten Höhen in Sachen Text. (Textmässig gehören GAD dabei schon seit längerem zum Besten, was die Schweiz zu bieten hat, bemerkte unlängst auch die Luzerner Zeitung.) Mike’s Parts fallen dabei, nebst dem bereits gekannten, eindrücklichen Flow, auch insbesondere durch den ungeheuren Druck und erhöhter Stimmlage auf, bestes Beispiel dazu das Intro «Boys Don’t Cry.» – geradezu hässig.

Beatmässig hören wir auf dem dritten Album von GAD auch den Einfluss von Moskito Mann Flu, insbesondere auf «5 Minuten», ansonsten kommen viele Tracks klassisch modern daher, teilweise tönt’s nach Kackmusikk (“Insomnia”), teilweise trap/southsidemässig (“Godzilla”), man zügelt sich aber um eine Line zu haben. Eine Homage an alte Zeiten gibt es – zumindest durch LUi G’s Teppich – auf dem letzten Track des Albums.

Turbo Mate & Kalaschnikow klingt rund, hat etwas zu sagen. GeilerAsDu richten sich damit an ihr Publikum, sind erwachsene Mahner, reflexieren sich für ihre Zuhörer selbst, haben Weltschmerz. Der gehört mittlerweile ja auch schon fast zum guten Ton in der Rap-Szene. Das nervt uns teilweise auch etwas.

Doch da wir die Herren nun schon seit zehn Jahren kennen, mindestens seit acht Jahren sehr schätzen und seit zirka fünf Jahren zu unseren Freunden zählen, wissen wir auch, dass es ihnen mit ihrer Message ernst ist. Die Gleichung “Turbo Mate + Kalaschnikow = GAD 2016” stimmt. Das sind keine Floskeln, hinter diesem Weltschmerz stecken lange mit sich herumgetragene Überlegungen, es sind, wie gesagt Selbstherapiestunden, die nun an die Öffentlichkeit getragen werden. Und das ohne Rücksicht auf Markt- oder Genretauglichkeit – dafür Chapeau – kaufen und an einem kalten Sonntagnachmittag durchhören!

Und zu guter Letzt bieten GAD vielleicht auch eine Lösung an: «Reset» – ganz gemäss den auf dem Albumcover abgebildeten, scheinbar zur Explosion bereitstehenden Gasflaschen?

– Samuel Konrad, Programmleitung –

Hinweis: GeilerAsDu werden in der nächsten Woche Gast der Sendung “Reimstunde” (MI 20-22 Uhr) sein, tune in!


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