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40 Jahre Sedel

Letzten Samstag hat der Sedel (coronabedingt ein Jahr verspätet) seinen vierzigsten Geburtstag gefeiert. Das haben wir uns zum Anlass genommen die besten Songs aus den letzten 40 Jahren Sedelgeschichte herauszusuchen.


Für die einen ist der Sedel heute ein Ort, um harte, energiegeladene Punkkonzerte zu hören, für die anderen ist er ein Ort der absoluten kreativen Freiheit. Doch mit Freiheit hatte das Sedelgebäude nicht immer so viel am Hut. Nachdem die Stadt Luzern das Gebäude 1838 vom Frauenkloster Rathausen abgekauft hatten, wurde es ab 1884 als kantonale Strafanstalt gebraucht. Das Gefängnis im Sedel blieb bis ins Jahr 1971 im Betrieb. Dann wurde es von verschiedenen Amtsstellen als Lagergebäude gebraucht. Als Anfang der 80er-Jahren in Zürich mit den Opernhauskrawallen eine schweizweite Jugendprotestwelle begann, fürchtete sich auch die Stadt Luzern vor möglichen Jugendprotesten. Dem Anliegen der Jugendbewegung nach alternativem Kulturraum wollte die Stadt Luzern so schnell wie möglich entgegenkommen, bevor das scheinheilige Image des innerschweizer Tourismusmekkas durch Proteste befleckt werden konnte. Die aufgebrachten Jugendlichen hatten schon eine erste Demonstration angekündigt, als die Stadt Luzern im Frühjahr 1981 den Sedel (zuerst erst den Osttrakt, 1983 das ganze Gebäude) offiziell als kulturellen Freiraum freigab. Aus der geplanten Demonstration wurde dann kurzerhand eine Dankensveranstaltung der Jungen Kulturschaffenden an die Stadt Luzern. So wurden aus den Zellen des ehemaligen Gefängnisses Bandräume und Atelliers für luzerner Künstler*innen. Später wurde dann auch in der ehemaligen Gefängnisskantine ein Club eingerichtet, in welchem seither zahlreiche Gigs von kleinen und grossen Interpret*innen aus der ganzen Welt stattfinden. Die Mitglieder der luzerner Band Crazy spielten in der Anfangszeit des Sedels eine führende Rolle. Auf dem Song «Ech will frei si» gelingt es den Musikerinnen von Crazy wie keiner anderen Sedel-Band zuvor oder nachher, den Zeitgeist der späten 70ern und frühen 80ern festzuhalten.


Seit 1981 waren viele legendäre Bands Teil vom Sedel-Abenteuer. So auch die luzerner Band «mittageisen». Mit ihrem dunkeln Synthesizersound distanzierten sie sich klar vom Sedel-typischen Punksound und orientierten sich eher am Klang von britischen New-Wave und Post Punk Bands wie Siouxsie and the Banshees oder Joy Division. Nach dem Release ihrer ersten LP im Jahr 1983 gehörten sie neben «Grauzone» zu den vielversprechendsten schweizer Dark-Wave Bands. 1985 gelang der Single «automaten» sogar den Weg zu John Peel ins Studio von BBC Radio 1. Die Radiolegende lobte den Song in seiner Show und schon schnell wurde «mittageisen» in der ganzen Welt bekannt. 1986 löste sich die Gruppe aber leider aufgrund von «musikalischen Differenzen» auf.


Willst du mehr über die Geschichte und die Musik hinter dem legendären luzerner Kulturhaus erfahren, dann kannst du dir hier die ganze Sendung nachhören:

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