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Fela Kuti - Alles über den Afrobeat-Pionier

Diesen Sommer jährte sich der Tod des Afrobeat Pioniers Fela Kuti zum 25. Mal. Das haben wir uns zum Anlass genommen, zwei Stunden in sein Leben und Schaffen einzutauchen.




Fela Kuti wurde 1938 in Lagos, Nigeria, in eine wohlhabende Familie geboren. Als Sohn eines klavierspielenden Pastors und einer passionierten Frauenrechtlerin spielte für Fela Kuti Musik und politischer Aktivismus schon früh eine Rolle. Nach dem Schulabschluss in seiner Heimat Nigeria schickten ihn seine Eltern nach London, um Medizin studiere. Der rebellische Kuti brach das Studium aber schon nach einigen Tagen ab und wechselte auf Musik. Während seiner Zeit in London schloss er eine lebenslange Freundschaft mit Cream-Drummer Ginger Baker und spielte mit ersten Bands in den Nachtklubs von London. Es gibt nur noch wenige Aufnahmen von der Musik aus Kutis Studiumszeit. Auf den wenigen Recordings die noch zu finden sind, hört man einen für den König des Afrobeats sehr untypischen Sound. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen dem nigerianischen Highlife, dem von der Windrush-Generation in England popularisierten trinidadischen Calypso und herkömmlichem westlichem Lounge-Jazz.



1963 kehrte Kuti ins frisch unabhängige Nigeria zurück, wo er mit seiner Band Koola Lobitos musizierte und nebendran als Radioproduzent arbeitete. 1967 reiste die nigerianische Band auf der Suche nach einem neuen Klang ins benachbarte Ghana. Kuti nannte den neuen Stil Afrobeat eine Mischung aus Highlife, Jazz, Funk und der traditionellen Musik der Yoruba. Doch zementierte sich dieser neue Sound erst 1969 nach einer Reise nach Los Angeles. Dort lernte Fela Kuti Sandra Izsadore, eine Partisanin der sogenannten Black Panther Party kennen. Inspiriert von ihrem politischen Aktivismus und ihrem Kampf für die Rechte von POC wurden auch Kutis Texte politischer. Er benannte seine Band in Africa 70 um und gründete in Nigeria aus Protest gegen die Militärregierung in seinem Zuhause die sogenannte Kalakuta-Republic, eine Kommune, die unabhängig vom nigerianischen Staat funktionieren sollte und in der bald auch viele Familienmitglieder, Freunde und Bandmembers von Kuti ein Zuhause fanden. In Kalakuta befand sich nicht nur reichlich Wohnraum, der Gebäudekomplex besass auch ein kleines Spital und natürlich auch Aufnahmestudios. 1977 nahm Kuti in den Kalakutastudios, den legendären Song "Zombie" auf. Typisch für Kuti startet das Lied mit einem ausgedehnten, groovigem Instrumental. Erst nach etwa fünf Minuten ist Kutis Stimme zu hören. Im für afrikanische Musik typischem Call-and-Response-Pattern singen Kuti und seine Bandmitglieder über die Soldaten der nigerianischen Militärregierung. Sie bezeichnen diese als gehirnlose Zombies, die keinen Willen haben und blind ihren Vorgesetzten folgen. Nach dem Release des Songs stürmte das nigerianische Militär mit tausend Soldaten das Grundstück der Kalakuta-Republic und setzte dies in Brand. Kuti selbst überlebte den Angriff, seine Mutter aber starb. Aus Protest lies Fela Kuti den Sarg seiner Mutter vor das Haus des nigerianischen Präsidenten stellen.



Das musikalische Genie und der rebellische politische Aktivist Fela Kuti, hat aber nicht nur Schoggiseiten. Verschiedenen Berichten zu Folge war Kuti ein stark neurotischer Mann mit einem ausgeprägten Machtkomplex. Er unterbrach ganze Konzerte, wenn auch nur ein*e Musiker*in seiner Band einen Ton verfehlte und übte verbale und physische gegenüber seinen Freunden und Familienmitgliedern aus. Kuti welcher offen gegenüber seiner Polygamie war, heiratete zeit seines Lebens über 30 Frauen. Während er dies selber als eine Bereicherung und finanzielle sowie rechtliche Absicherung für die betroffenen Frauen bezeichnete, wurde dem Sohn einer feministischen Aktivistin immer wieder Frauenfeindlichkeit vorgeworfen.

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