Queerness war schon immer allgegenwärtig, auch wenn sie von der Gesellschaft oft marginalisiert wurde und noch wird. So ist es auch im vermeintlich machoiden, heteronormativen Punk. Eine Bewegung, welche sich eigentlich zum Ziel genommen hat, autoritätskritisch und rebellisch bürgerliche Normen anzugreiffen, sich jedoch immer wieder selbst in hasserfüllten Abgründen wiederfand. Deshalb eine Geschichte über die vergessenen queeren Punk-Held*innen des 20. Jahrhunderts. Mehr erfährst du in der ganzen Sendung:
Man enough to be a woman!
1947 in Dallas geboren, lebte Jayne County schon früh gendernonkonform. Im konservativen Süden hinterfragte sie schon im Kindesalter Geschlechterbilder. In den 60er-Jahren folgte der Umzug nach New York, wo sich Jayne in der etablierten LGBTIQ+ Community ein Zuhause machte. Auch bei der Auseinandersetzung zwischen Queer-Aktivist*innen und der Polizei bei den sogenannten Stonewall-Riots, schrie Jayne mit erhobener Faust: «Gay Power!». Sie schloss Freundschaften in der New Yorker Kunstszene rund um Andy Warhol und gründete im Umfeld seiner Factory erste Bands. Mit ihrer Band The Electric Chairs wurde Jayne schließlich Mitte der 70er Jahre zu einer frühen Pionierin des Punks.
Laut und hässig
Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre brodelt es auch am anderen Ende der USA. In der Punkszene von Los Angeles kristallisiert sich eine neue Generation von besonders lauten, rebellischen Bands heraus. An vorderster Front mit dabei war auch der junge Darby Crash mit seiner Band Germs. Mit gerade 22 Jahren stirbt er und die Band löst sich auf. Die Germs gelten heute als wegweisende Band für den amerikanischen Hardcore, Gitarrist Pat Smear wird später ein Mitglied von Nirvana und den Foo Fighters. Parallel zu den Germs machten Key Tupperware du Plenty und Tommy Gear mit ihrer Band The Screamers auf sich aufmerksam. Wilder, ungehemmter Elektropunk. Mit einem ähnlichen Sound unterwegs waren Nervous Gender. Mit dabei war auch Phranc, die später als Solosängerin unterwegs ist und sich als All American Jewish Lesbian Folksinger vermarktet.
The Birth of Queercore
Mitte der 80er Jahre kommt immer häufiger das Verlangen auf, queeren Themen im Punk ein Ventil zu bieten. Junge queere Künstler*innen sollen vereint werden in ihrem Kampf gegen Diskriminierung und Marginalisierung. 1985 gründen die beiden kanadischen Künstler G.B. Jones und Bruce LaBruce das Magazin J.D’s. Dieses wurde schnell zur Stimme der aufquellenden Queercore-Bewegung. Zu den ersten Bands dieser neuen Bewegung gehörten Tribe 8. Eine Gruppe aus lesbischen Punkerinnen, welche den Fall des Patriarchats ungeduldig zu beschwören versuchten. Aktiv in San Francisco fanden sie auch schnell Anerkennung vom wohl größten lokalen Punker. Jello Biafra, Texter und Frontmann der Dead Kennedys, nahm sie bei seinem Label Alternative Tentacles unter Vertrag.
Playlist:
Wayne County & The Electric Chairs - Wonder Woman
Wayne County & The Electric Chairs - Night Time
Jayne County - If You Don't Want To Fuck (F*** Off)
Wayne County & The Electric Chairs - I Had Too Much to Dream Last Night
Tom Robinson Band - Glad to Be Gay
Buzzcocks - You Say You Don't Love Me - 2001 Remastered Version
Buzzcocks - Ever Fallen in Love (With Someone You Shouldn't've?) - 1996 Remastered Version
Pete Shelley - Homosapien
Nervous Gender - Monsters
Germs - We Must Bleed
The Screamers - Peer Pressure
Tribe 8 - Lezbophobia
Tribe 8 - Tranny Chaser
Tribe 8 - Wrong Bathroom
Dicks - Dicks Hate The Police
Dicks - Lifetime Problems
Dicks - Saturday Night At The Bookstore
Team Dresch - Fagetarian and Dyke
Team Dresch - She's Crushing My Mind
Team Dresch - Fake Fight
Team Dresch - Growing Up in Springfield
The Butchies - The Galaxy Is Gay
The Butchies - To Be Broadcast Live
The Butchies - Ellen D.
The Butchies - No You Don't Even Know (STS)
Against Me! - Transgender Dysphoria Blues
Against Me! - True Trans Soul Rebel
Against Me! - Black Me Out