Intravinyl

Zwischen Ost und West - Soundtrack eines getrennten Landes

Die dort drüben

Seit mehr als dreissig Jahren gehört der Realsozialismus in Deutschland der Vergangenheit an. In der heutigen Ausgabe Intravinyl widmeten wir uns aber genau dieser Vergangenheit und warfen einen Blick auf Songs über und aus einem entzweiten Deutschland. In einem ersten Teil warfen wir den Blick auf Songs von westdeutschen Künstler*innen, welche über die nahe, aber dennoch so ferne DDR schrieben und sangen. Die Texte reichten von überromantischen, zum Teil überspitzt naiven Darstellungen der kommunistischen Gesellschaft bis zu brutalen und fast schon propagandistisch anti-kommunistischen Mahnliedern. Ein westdeutscher Künstler, welcher wohl wie kein anderer den Ost-West-konflikt geprägt hat, war Udo Lindenberg. In Songs wie Mädchen aus Ostberlin (1973) oder Sonderzug nach Pankow (1983) verarbeitet er die Trennung Deutschlands und prangert den Ostdeutschen Polizei- und Überwachungsstaat an. Bei einem Staatsbesuch Erich Honeckers in Westdeutschland übergab Udo diesem eine Gitarre mit dem Schriftzug «Gitarren statt Knarren».

Jenseits des Stacheldrahts

In einem zweiten Teil sprangen wir auf die andere Seite des Eisernen Vorhangs und beleuchteten Interpret*innen aus der DDR. Wir legten dabei ein Augenmerk auf staatskritische Texte, welche freiheitlich Werte versuchten zu propagieren. Ähnlich wie in der Literatur, Film oder Theater verarbeiteten Künstler*innen subversives Gedankengut auch in der Musik in versteckter, verschlüsselter Form, es galt Gemeintes anzudeuten, ohne als Staatsverräter*innen im Fadenkreuz der Staatssicherheit zu stehen. In der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre lockerte sich aber die Zensur von staatskritischen Texten und selbst das staatseigene Label Amiga veröffentlichte Songs, welche Missstände innerhalb der DDR verarbeiteten. So singt die Ostdeutsche Band Pankow 1987 auf ihrem Lied Langeweile: «Dasselbe Land zu lange geseh’n, dieselbe Sprache zu lange gehört, zu lange gewartet, zu lange gehofft, zu lange die alten Männer verehrt.»

Freiheit

Im dritten und letzten Teil der Sendung widmeten wir uns ganz dem Mauerfall 1989 und der Auflösung der DDR und der anschliessenden Wiedervereinigung Deutschlands 1990. Wir schauten an, welche Lieder in der Friedlichen Revolution der späten 80er-Jahren zu Hymnen der Wiedervereinigung mutierten. Was im Westen Wind Of Change von Scorpion oder Freiheit von Westernhagen war, war in der DDR 1989 der Song Das Eis taut von Petra Zieger. Im Song singt sie: «Will keine Augen, die nicht durchsehn, Keine Augen die überhör’n, Will keine Türen, die nicht aufgehn, Grad Wenn wir Einlass begehr’n.»

Auch noch nach dem Fall der DDR war die Ost-West Hürde ein grosses Thema in der Musik. Im Song Erfurt und Gera singt Nina Hagen von einem ostdeutschen Mann, welcher nach der Wende nicht auf den neuen, beschleunigten Alltag des Kapitalismus nicht klar kommt und schliesslich auf der Autobahn seinen Tod findet. Im Lied Ich such die DDR singt die ostdeutsche Band Feeling B (übrigens die Vorgängerband von Rammstein) in einem sarkastischen Tod nach der Sehnsucht, die DDR zurückzuhaben.

Playlist

Udo Jürgens – Tausend Fenster

Georg Kreisler, Barbara Peters - Wo der Pfeffer wächst

Udo Lindenberg - Sonderzug nach Pankow

Udo Lindenberg - Mädchen aus Ost-Berlin (Wir wollen doch einfach nur zusammen sein)

Lilli Berlin – Ostberlin – Wahnsinn

Rational Youth - Dancing On The Berlin Wall

Ideal - Erschiessen

John F., Die Gropiuslerchen - Berlin, Berlin

U2 - Zoo Station

Nena - 99 Luftballons

Silly - Verlorene Kinder

Karat - Der blaue Planet

Pankow - Langeweile

Die Zöllner - Käfer auf'm Blatt

City- Halb und halb

Sandow - Born in the GDR

Herbst In Peking - Bakschischrepublik

Petra Zieger & Band - Das Eis taut

Westernhagen - Freiheit

David Bowie - Heroes

Scorpions - Wind Of Change

Feeling B – Ich such die DDR

Erfurt & Gera - Nina Hagen

Advanced Chemistry - Fremd im eigenen Land

Rocko Schamoni - Mauern



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