Queertopia

Die Unterschiede der Schweizer Pride Paraden

So wie vieles in der föderalistischen Schweiz, unterscheiden sich auch unsere Prides von Kanton zu Kanton. Wo es vor einigen Jahren ausschliesslich die grossen Prides in Zürich und Genf gab, kommen jetzt immer mehr kleine Städte dazu. Mit ihnen auch neue Ansichten, wie eine Pride aussehen sollte. Wir haben bei vier verschiedenen Städten und Organisationen nachgefragt.

Hier kannst du die ganze Sendung mit allen Städten nachhören:


Zürich

Die Zürich Pride ist mit abstand die grösste und geschichtsträchtigste Pride der Schweiz. Jährlich versammeln sich rund 50'000 Menschen und ziehen durch die Zürcher Innenstadt. Früher noch als Christopher Street Day, heute als Pride, geht die Geschichte ins Jahr 1994 zurück.

Doch der aller erste CSD (gar in Europa) fand schon viel früher in Zürich statt. 1978 gab es europaweit beim Platzspitz die erste Demonstration im Zusammenhang mit den Stonewall-Protesten New Yorks. Die damalige S.O.H. (Schweizer Organisation der Homophilen) wollte nicht nur auf die Ungerechtigkeiten in New York, sondern auch auf Missstände in der Schweiz aufmerksam machen und protestierte gegen das Homoregister.

In den gut 30 Jahren, in der es die Pride nun regelmässig in Zürich gibt, hat sich vieles verändert. Der Verein ist intern professioneller geworden, immer mehr Menschen kommen an die Pride und der Leitsatz eine möglichst grosse Pride zu veranstalten entwickelt sich stetig weiter.

«Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolges»

Das sagt uns Alexander Wenger, einer der 40 Freiwilligen, die die Pride in Zürich veranstalten. Mit dem Wachstum der Pride steigen auch vermehrt die Anforderungen und Wünsche der Gemeinschaft an die Pride. Doch wie stark soll die Pride in Zürich noch wachsen? Das ist eine der vielen Fragen, mit welchen sich die Veranstalter*innen ständig beschäftigen.

Die Bühne an der Pride in Zürich. (Bild: zuerich.com)Die Bühne an der Pride in Zürich. (Bild: zuerich.com)

Möglichst viel Visibilität schaffen ist eines der Leitziele der Zürcher*innen. Dazu gehört auch die riesige Marketingkampagne, die die Pride Zürich jährlich auffährt. Zahlreiche Plakate in der Zürcher Innenstadt, die Titelseite der 20 Minuten, ein eigener Podcast und vieles mehr gehört zum Image der Pride. Dieses Image soll in der breiten Gesellschaft Anklang finden und «Mehrheitsfähig» sein, sagt Alexander Wenger. Radikale, oder gar schockierende Kampagnen gehören nicht zur Philosophie der Züricher Pride. Um politischen Einfluss zu nehmen hat die Schweiz starke Dachverbände, sagt Alexander Wenger.

Wie jedes Jahr hat die Pride auch 2022 ein Motto. Dieses Jahr ist es «trans - Vielfalt leben». Zum ersten Mal haben die Organisator*innen die Social Media Community nach Ideen für das Motto gefragt und mit einer Arbeitsgruppe aus zehn Trans-Personen umgesetzt. Ganz unglimpflich verlief die Bekanntgabe des Mottos jedoch nicht. Die mehrheitlich cis-geschlechtlichen Organisator*innen der Zürcher Pride haben beim Erarbeiten des Mottos viel lernen müssen, sagt Alexander Wenger im Podcast.


Bulle

Eine Art «Wander-Pride» gibt es in der Romandie. Abgesehen von der Genfer Pride, welche alle zwei Jahre stattfindet, haben die Romands eine jährliche Pride, die immer in einer anderen Stadt stattfindet. Dieses Jahr vom 24.-26. Juni im 17'000-Seelen-Städtchen Bulle in Fribourg.

«Pride ist immer ein Protest»

Sagt Emile, einer der Freiwilligen bei der Pride in Bulle. Jahr für Jahr sucht das Haupt-Komitee vor Ort Menschen, die mithelfen. Danach läuft die Organisation mehr oder weniger immer gleich ab. Der Knackpunkt bei der Pride in der Romandie ist, dass man immer wieder die Anwohner*innen der Städte auf die Pride gefasst machen muss. 2001 fand in Sion zum ersten Mal eine solche Pride satt. Nach einer queerfeindlichen Aussage eines lokalen Bischofs gab es in der Gemeinschaft einen grossen Aufschrei. Schlussendlich wurde Sion aus Solidarität mit queeren Menschen überrennt und es waren mehr Protestierende vor Ort, als bei der Zürcher Pride im selben Jahr.

Die berühmt berüchtigte Pride in Sion 2001. (Bild: RTS)

Wegen diesem Konzept ist die Pride in der Romandie meist eher klein und sehr Dialog-orientiert. Ihr Motto «parlons nous», also sprich mit uns, zielt darauf ab in den kleinen Städten mit den Menschen zu reden und so eine Veränderung vor Ort anzureissen.

Ausserdem werden so lokale queere Menschen unterstützt, die sich ansonsten nicht trauen würden, oder nicht das nötige know-how haben, eine Pride zu veranstalten, sagt Emile im Podcast.


Chur

Auch für Chur war 2022 das erste Mal. Am vergangenen Samstag haben sich über 1000 Personen für die erste «Khur Pride» versammelt. Schon letztes Jahr haben die Organisator*innen im Juni mehrere Events in Chur organisiert. Eine richtige Parade hat der Kanton jedoch noch nie gesehen.

«Vor vier Jahren hätte ich mich noch nicht getraut»

Sagt Nic, eine der sieben Personen, die die Pride in Chur mitorganisiert hat. Im dünn besiedelten Kanton Graubünden gibt es praktisch keine Events für queere Personen, sagt Nic. Und dann gleich eine Pride zu organisieren, erfordert viel Mut. Man stelle sich als Gesicht für die ganze Gemeinschaft hin, sagt Nic. Denn: in Chur kennt jede* jede*n. Erst durch das Wegziehen von Graubünden und das Kennenlernen von anderen queeren Personen, entstand der Mut, im Heimatkanton eine Pride zu machen. Anfangs mit drei, dann mit sieben Organisator*innen zwischen 18 und 30 Jahren.

Und so wie das auch beim «ersten Mal» ist, hatten die Organisator*innen der Khur Pride grosse Anforderungen. In Sachen Inklusion, Awareness, Barrierefreiheit, Diversität und in der ewigen Sponsorenfrage, sagt Nic im Podcast:


Zentralschweiz

Dieses Jahr soll es endlich so weit sein, die Zentralschweiz bekommt eine eigene Pride! Eine ganze Woche lang wird demonstriert und gefeiert. Jedoch nicht wie gewohnt im Juni, sondern im August und September. Eine Idee, die schon lange in den Köpfen der Zentralschweizer*innen schwirrt.

«Wir wollen alle in der Zentralschweiz miteinander verbinden»

Zwar findet die erste Zentralschweizer Pride hauptsächlich in Luzern statt. Doch auch sie soll wandern, sagt Pascal Graber vom Organisationskomitee. 

So wie viele queere Events in der Zentralschweiz, soll auch die Pride klein, aber persönlich ausfallen. Den Organisator*innen wollen zeigen, was verschiedene queere Organisationen in der Zentralschweiz bewegen, sagt Pascal Graber im Podcast.


Und natürlich gabs auch diese Woche neue Musik von queeren Artists. Abonniere unsere Playlist.

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