Sprechstunde

"Das darfst du nie vergessen" - Ronya Othmann, "Die Sommer"

Anhand einer jungen Protagonistin zeigt Ronya Othmann in "Die Sommer" auf, welche persönlichen Folgen Ereignisse haben, die man hierzulande nur aus den Nachrichten kennt.

Leyla ist Deutsche. Leyla ist aber auch Kurdin. Genauer gesagt, jesidische Kurdin. Je nachdem, wer fragt, nennt sie eine andere Nationalität. Ihre jesidische Verwandtschaft kennt sie aus den Sommern, die sie in Nordsyrien verbringt. Von ihr lernt sie Kochen, Haare flechten, die jesidischen Gebete, und am wichtigsten: das Erinnern.

Als verfolgte Minderheit eint und stärkt die gemeinsame Geschichte die Jesid*innen. Leyla muss ihren Platz in dieser Gemeinschaft erst noch finden. Die Leser*innen lernen die jesidische Kultur gemeinsam mit Leyla kennen.

Immer wieder weist der Roman auf Ereignisse hin, die man aus Geschichtsbüchern oder Zeitungsberichten kennt. Die Erzählung bleibt jedoch dabei immer ganz nahe an ihren Protagonist*innen. Sensibel geht der Text um mit den persönlichen Geschichten der Figuren, die zusammen einen grossen Teil der Geschichte eines Volkes ergeben. Nach der Lektüre dieses Romans weiss man nicht nur mehr über die jesidische Geschichte als ein Dok-Film vermitteln könnte - man hat auch einen Eindrück der Gefühle, welche die Geschichte bei den Betroffenen auslöst.

Mit welchen andauernden Problematiken die jesidische Gemeinschaft heute konfrontiert ist, gibt es im Beitrag zu hören.

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