Sprechstunde

Raketen und Rentiere

Alles beginnt beinahe weihnachtlich. Niina ist im verschneiten Wald mit ihren Kindern, um einen Tannenbaum zu holen. Bei der Rückfahrt löst sich der Anhänger vom Auto, rollt einen Hang hinunter und landet im Fenster einer Lokalzeitung. Statt einen hohen Schadenersatz zu zahlen, verpflichtet sich Niina, für die Zeitung zu schreiben. 

Nur gibt es nicht viel, worüber sie schreiben könnte. Im Schnee steckengebliebene Traktors, exzellent exekutiertes Krapfengebäck. Es ist 1984 in Lappland, und nicht viel ist los. Dies ändert sich jedoch, als Niina einen riesigen Knall hört. Als sie zu forschen beginnt, erhält sie zunächst nicht viel Information. Es scheint die Anwohnenden nicht zu beschäftigen, selbst die nationalen Nachrichten bleiben schwammig und fehlerhaft. 

Aber Nina gibt nicht auf: nach und nach stellt sich heraus, dass es hinter dem Knall eine sowjetische Rakete stecken könnte. Diese könnte sogar mit einer Atomwaffe ausgestattet sein. Diese Geschichte will Niina unbedingt in der Zeitung, für die sie schreibt, veröffentlichen. Doch ihr Umfeld nimmt sie entweder gar nicht erst ernst, oder rät ihr vom Schritt in die Öffentlichkeit ab, aus Angst vor heftigen Reaktionen seitens der Sowjetunion.

Also lernt Niina, für die Geschichte und ihr Interesse einzustehen. Unermüdlich forscht sie weiter. Dieser Prozess lehrt sie, nicht nur für ihre Arbeit einzustehen, sondern auch für sich selbst. So bringt sie am Ende des Filmes die Kraft auf, sich gegen ihren gewalttätigen Ex-Mann, der wieder aufgetaucht ist, zu wehren. 

1984, Lappland, sowjetische Rakten. "The Missile" scheint ein Film zu sein, der weit von unserer aktuellen Lebensrealität entfernt ist. Auf der Gefühlsebene spricht der Film aber ein Thema an, das nach wie vor aktuell und berührend ist: wir beobachten in Niina eine Frau, die wieder und wieder nicht ernst genommen wird, und das Dagegen Ankämpfen erst erlernen muss. So wird einerseits Ninas Entwicklung im journalistischen, aber auch im persönlichen Bereich dargestellt. 

Die Filmemacherin Miia Tervo hat den Film "The Missile" inspiriert von einer wahren Begebenheit gemacht. 1984 landete tatsächlich eine sowjetische Rakete im finnischen See Inari. Diese war jedoch nicht mit atomaren Waffen bepackt, die Sowjetunion entschuldigte sich für das Verletzen des Luftraumes schon Tage später. 

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