Sprechstunde

"There is no Evil" - Ein Film macht Politik

Oberflächlich betrachtet klingt "There is no Evil" nach einem simplen Episodenfilm: Vier iranische Protagonist*innen werden begleitet, wie sie ihre eigene schicksalsschwere Entscheidung treffen müssen. Der Regisseur Muhammad Rasoulof erzählt eine Geschichte junger Liebe, oder eine vom häuslichen Leben. Doch alltäglich ist der Film keineswegs. Er zeigt vier Existenzen, die zutiefst politisch sind.

Alle Hauptfiguren kommen früher oder später mit der Todesstrafe in Berührung. Der Iran gehört zu den Staaten mit den meisten Hinrichtungen pro Jahr. Das Regime lässt dabei Willkür walten, faire Prozesse gibt es kaum. Ein Film über die ethischen und moralischen Fragen dieser Thematik zu drehen, ist im Iran ein Tabu. Muhammad Rasoulof bricht dieses bewusst, womit er sich der der willkürlichen Rechtssprechung des Regimes vollkommen aussetzt.

Von der westlichen Filmgilde wird sein Werk hoch geschätzt. Zum zweiten Mal gewann er Anfang des Jahres den Hauptpreis an der Berlinale, den "Goldenen Bären." Da es ihm verboten war an die Preisübergabe zu reisen, schickte er seine Tochter Ranan Rasoulof. Das Leben des Regisseurs spiegelt seinen neusten Film: Es spiegelt, wie es sich in einem ungerechten System leben lässt, ohne dabei seine Würde oder sein Gewissen zu verlieren. Nun kommt "There is no Evil" auch in die Schweizer Kinos.

Welchen Trick Muhammad Rasoulof angewendet hatte, um die staatliche Zensur des Films zu umgehen, das gibt es im Beitrag zu hören:

"There is no Evil" von Muhammad Rasoulof läuft bis am 4. November täglich im Stattkino Luzern.

Bilder: Trigon Film


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