Mit grosser Wahrscheinlichkeit bist du schon mal dem IFV über den Weg gelaufen. Der Iranische Flüchtlingsverein setzt sich für die Iranische Revolution ein, sammelt Spenden, klärt auf und organisiert Demos. Vor einem halben Jahr unterschrieb ich eine Petition. Durch ein Telefonat mit Azar, einer Person, die im IFV aktiv ist, wurde ich wieder auf die Situation aufmerksam. Da bei solch grossen politischen Themen es schnell passieren kann, in ein Gefühl der Hilflosigkeit zu fallen, ergriff ich meine Chance, dir das Thema etwas näher zu bringen.
Kontext der krank macht
Das iranische Volk ist im Kampf. Seit Jahren gibt es Aufstände, Protestanten und Widerstandskämpfer, die sich für die Menschenrechte im Iran einsetzen. Um das Ausmass auch einordnen zu können, schauen wir zurück in die siebziger Jahre. 1979 wurde die iranische Monarchie und deren Herrscher Schah Reza Pahlavi gestürzt. Daraufhin gründete sich die Islamische Republik Iran geriet in den neunziger Jahren in eine Reihe von politischen Auseinandersetzungen, was auch dazu beitrug, dass eine Reform angestossen wurde. Die 2005 durch den Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad zurückgedrängt wurde. Mahmoud gewann die Wiederwahl 2009, was zu Protesten und brutaler Unterdrückung der iranischen Gesellschaft führte. Über fünfzehn Jahre später kam der konservative Politiker Ebrahim Raisi an die Macht.
Solidarität: mehr als ein Haarschnitt
Dann ist schon der Zeitpunkt gekommen, als der Scheinwerfer auf Iran strahlte: 2022, du scrollst durch deinen Feed der Wahl, du siehst Menschen aus der ganzen Welt, die sich die Haare abschneiden. Dies hat nichts mit einem neuen Haarstyle-Trend zu tun, sondern wurde als Statement zur Solidarisierung insbesondere von Frauen und unterdrückten Gruppen im Iran genutzt. Im Gespräch mit Neda Amani stellte sich heraus, dass dies kein Ausnahmefall ist. In politischen Krisen und Solidaritätsfragen werden oft Symboliken benutzt. Dies bringt den Menschen Hoffnung und Aufmerksamkeit, jedoch hat dies keine direkten Auswirkungen auf das iranische Regime. Dies kann auch ein Gefühl von Ohnmacht auslösen: Man sieht Posts auf Social Media und alles, was man machen kann, ist, diese zu reposten. Aufmerksamkeit ist ein wichtiger Aspekt, der Menschen im Iran am Leben hält. Durch den erschwerten Informationsaustausch durch den Internetunterbruch wird es auch für Medien erschwert, an aktuelle Informationen zu kommen. Es lässt sich erwarten, dass, sobald die Vernetzung wieder vorhanden ist, eine Welle an Informationen einprasseln wird. Der Kontaktunterbruch hat direkten Einfluss auf die iranische Gesellschaft. Letztes Jahr hat Iran einen traurigen Rekord geknackt: Rund 2000 Menschen wurden im Iran hingerichtet. Die iranische Gesellschaft und der Widerstand haben klare Forderungen gestellt. Auch die Schweiz hätte Möglichkeiten, sich stärker für die Krise im Iran einzusetzen. Es gibt vereinzelte Sanktionen, die aber dem Regime als Ganzem nicht schaden. Man müsste alle Verbindungen zum iranischen Regime kappen und es als Organ subventionieren.
Dies ist aber nicht das einzige Ventil zur Solidarisierung. Vereine wie IFV (iranischer Flüchtlingsverein) setzen sich durch die Organisation von Spendensammlungen, Demos und Infoanlässen ein Sie suchen den direkten Bezug zur Zivilgesellschaft, sie reisen durch die ganze Schweiz, um Aufklärung im Namen des iranischen Volkes zu betreiben. Doch bei der Zivilgesellschaft bleibt es nicht, auch institutionelle Aufklärung ist Teil ihrer Arbeit. So schaffen sie sich ein Gehör und bewirken eine breitflächige, persönliche Aufklärung. Doch der IFV (iranischer Flüchtlingsverein) gibt nicht nur der Schweizer Gesellschaft Halt, sie bieten auch iranischen Flüchtlingen einen Safe Space.
Seelen Sprache
Verstanden zu werden, die gleiche Sprache zu sprechen, dies nicht auf der verbalen Ebene, sondern der seelischen Vielen Flüchtlingen bieten Vereine wie IFV oder auch IYAIS einen Lichtblick, einen Hoffnungsschimmer Es ist ein Ort, an welchem man sich verstanden fühlt, ohne sich erklären zu müssen. Geteiltes leid ist halbes leid, wie auch andere flüchtlingen ist auch der drang zurück in seine Heimat zurückkehren bei iranischen flüchtlings personen präsent. Die Vereine bieten Personen mit einer Flucht- und Migrationsgeschichte einen Zugang zu ihrer Heimat Auch wenn diese so fern scheint, bringt das Miteinander die Schönheit des Irans in die Schweiz Das iranische Volk hat eine unglaubliche Ausdauer erlangt. Durch das Engagement von Privatpersonen geht die Hoffnung nicht unter.
Helfen statt Hilflosigkeit
Auch du kannst auch selbst direkt den Menschen, die unter dem iranischen Regime leiden, helfen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du dich solidarisieren kannst. Jede*r Schweizer Bürger*in hat die Möglichkeit, einen Unterschied für das Leben der Iranerinnen zu machen. Nicht nur durch Reposts auf Social Media kannst du deine Solidarität kundtun, auch durch direkte Kontaktaufnahme mit dem Aussenministerium, jeweilige Vertreter der Kantone, Nationalrat und Ständerat. Wenn du für E-Mails und Telefonate keine Zeit findest, gibt es immer noch die Möglichkeit, durch Spenden und Mund-zu-Mund-Informationsvermittlung deinen Beitrag zu leisten.
Neda Amani
Ich durfte mit Neda Amani sprechen. Sie ist Historikerin, Menschenrechtsaktivistin, ein aktives Mitglied der Women's Human Rights International Association (WHRIA) und selbst Gründerin der „Iranian Youth Association in Switzerland“. Auch Neda hat selbst eine iranische Migrationsgeschichte. Ihr Vater war im Widerstand tätig und erlebte die erbarmungslosen Auswirkungen des iranischen Regimes an erster Hand. Dies bewegte auch Neda Amani, die hier geborene Iranerin. Seit ihrer Jugend ist sie ebenfalls im Widerstand tätig und setzt sich für das iranische Volk ein.
