Stromstoss

Labellupe: Central Processing Unit

29.06.2019

Das Label Central Processing Unit wurde 2012 in der britischen Stadt Sheffield gegründet. Chris Smith, der mittlerweile über 40 Jahre alt ist, ist der Gründer des Labels.

Aber zuerst vielleicht etwas über Sheffield: Aus Sheffield kommen einige der bekanntesten Tracks aus der elektronischen Musik. In den 70ern entstanden New Wave Bands wie Cabaret Voltaire oder später dann Pop Bands wie The Human League. Nachdem die 80er so gut wie vorbei waren, fand in Sheffield dann Acid House und Techno ein Zuhause. 1989 wurde in Sheffield das Label «Warp» gegründet. Sie hatten Legenden wie LFO unter Vertrag. Der gleichnamige Track «LFO» wurde fast 200'000 mal verkauft.

Sheffield war in den 90ern zum Epizentrum der elektronischen Tanzmusik geworden, mit legendären Klubs wie «Gatecrasher». Elektronische Musik war in Sheffield deshalb so beliebt, weil die Industriestadt damals zunehmend an Lebensqualität verlor und die Jugend vor einer trostlosen Zukunft stand.

In diesem Szenario wuchs der Gründer des Labels Central Processing Unit auf - Chris Smith fängt mit CPU diese Stimmung wieder auf und bietet eine Mischung aus Elektro, IDM und Ambient Techno der 90er Jahre, auch nachdem Warp Records ein Ende fand. Musikalisch besteht aber nicht der Anspruch, dass alle Tracks aus der Nähe von Sheffield oder gar Grossbritannien kommen müssen. So findet man auf CPU ProduzentInnen aus aller Welt - Amerika, Osteuropa, Südeuropa und so weiter.

Auch optisch orientiert sich CPU an seinem Vorbild Warp. So findet man auf den Plattencovers von CPU weder ein Bild des Künstlers oder der Künstlerin, sondern nur ein einheitliches Design mit einer Nummer.

Gründer Chris Smith will damit eine Art «Mythologie» rund um die Veröffentlichungen bilden. Als KäuferIn weiss man auf den ersten Blick aufs Cover nicht, was einem erwartet und auch als KünstlerIn muss man damit leben können, dass nicht mal der eigene Name auf dem Cover steht. So kommt es, dass jedes Cover von CPU Records praktisch gleicht aussieht.

Ich habe mich trotzdem durch den Jungel der CPU Bandcamp-Seite durchgeschlagen und die folgenden Tracks aus sieben Jahren herausgepickt. Wenn du nicht jeden einzelnen Track durchklicken magst, dann kannst du auch hier die ganze Sendung nachhören:

 

Cygnus

So wie viele MusikerInnen, die auf CPU veröffentlicht werden, hat Gründer Chris Smith Cygnus nicht persönlich, sondern über Internet-Foren kennengelernt. Cygnus heisst bürgerlich Philip Washington und kommt aus den USA. Sein Album Newmark Phase ist die erste Platte, die im Jahr 2012 auf CPU veröffentlicht wurde.

Private Feelings (Newmark Phase LP, 2012)

Strange Hyper (Tesseracter LP, 2014)

Radical User Interfaces (Radical User Interfaces EP, 2015)

 

Fah

Auch den Holländer Fah hat Chris Smith durch das Internet kennengelernt, er war auch einer der ersten, der bei CPU unterschrieben hat. Fahzers Set to Earth ist ein Track, der vor allem durch seine Arpeggio Variationen in der Bass Line im Gehör bleibt.

Fahzers Set To Earth (Fahzers Set To Earth LP, 2013)

 

Plant43

Einer, der wie Chris Smith aus Grossbritannien kommt ist Plant43. Er ist schon seit den 80er Jahren von elektronischer Musik angefressen, Ende 90er hat er dann angefangen in London Elektro-Events zu promoten. Gleichzeitig ist Plant43 auch noch Migründer des Labels Bleep43, welches Tracks veröffentlicht, Podcast online lädt, Events organisiert und ein Musikblog betreibt.

Flight Without Sound (Radiant Flux, 2013)

 

Automatic Tasty

Jonny Dillon, oder auch Automatic Tasty kommt aus der irischen Stadt Wicklow. Seit 2007 macht er elektronische Musik, inspiriert vom Acid der 90er. Zu seinem musikalischen Setup gehören Instrumente wie die Roland SH 101, oder die TR 606.

Window Funk (Sentimentalist’s Choice EP, 2013)

The Parish Hotline (The Life Parochial EP, 2015)

 

Carbo Flex

Carbo Flex’s erster und einziger Release auf CPU war im Jahr 2014. Das Album Trifolium kam vor allem bei denen, die es auf Bandcamp gekauft haben, besonders gut an. So schrieb einer, dass er eines Tages das Album mit Kopfhörern gehört hatte, darauf hin eingeschlafen ist und dabei noch nie so realistische Träume gehabt habe. Der Track Quelque überzeugt mit komplexen Perkussionen und eingängigen Melodien. Ich kann gut verstehen, wieso die kommentierende Person so lebendige Träume hatte.

Quelque (Trifolium LP, 2014)

 

DMX Krew

DMX Krew, das klingt nach einer riesigen Gruppe. Dahinter ist aber der britische Musiker Ed Upton ganz allein. Er hat seine Musik schon auf dem Label Rephlex von Aphex Twin veröffentlicht und natürlich auf seinem eigenen Label Breakin’ Records, welches es schon sein den 90er gibt. Auch auf dem Sheffielder Label CPU veröffentlichte DMX Krew als einer der Ersten.

Crawl Space (A New Life EP, 2014)

Re-Invasion (Space Cucumbers EP, 2016)

 

Morphology

Matti Turunen und Michael Diekmann, diese Namen sind nicht wirklich geografisch einfach zuzuordnen. Matti und Michael produzieren unter dem Namen Morphology Elektro und das aus Finnland. Sie haben zusammen mehrere male auf CPU veröffentlicht.

Floating Point (Intercal EP, 2014)

Molecular Hydrogen (Mirror Comparator EP, 2016)

 

Scape One

Scape One aus Grossbritannien hat schon in den frühen 2000er Jahren mit seinen Chicago House, Italo Disco und Euro Synth Tracks auf sich aufmerksam gemacht. Sein Interesse für elektronische Musik geht aber weit in die 80er zurück. Auch heute braucht er noch die Instrumente von früher, trotzdem findet man in seinem Setup auch ab und zu neue Geräte wieder. Und das Resultat lässt sich sehen, so auch seine EP Recombination aus dem Jahr 2015, welches er auf CPU veröffentlicht hat. Der achtminütige Track «Five Hundred Eyes» wird nie langweilig, auch wenn die Melodie sich praktisch unverändert durch den ganzen Track zieht.

Five Hundred Eyes (Recombination EP, 2015)

 

Koova

Koova ist Teil des Kollektivs London Modular Alliance. Sie machen zu dritt Musik mit modularen Synths, ohne Computer natürlich, dafür aber mit reichlich Patch Kabeln. Ihre Auftritte sind immer live improvisiert, doch solo schafft es Koova auch Improvisiertes in einen Formfaktor einer EP zu packen. Der Track «This Is Not My Future» von der gleichnamigen EP ist eine gelungene Mischung aus verschiedenen Einflüssen.

This Is Not My Future (This Is Not My Future EP, 2015)

 

Jensen Interceptor

Jensen Interceptor ist nicht nur ein schnittiger Sportwagen eines britischen Autoherstellers, sondern auch der Künstlername eines Australiers. Er bekommt Support von verschiedensten Produzenten wie The Hacker oder Gesaffelstein. An den Sound des Letzteren erinnert auch der von Jensen Interceptor: dramatisch und intensiv.

Mynox (M LP, 2016)

 

Blixaboy

Mwanza Dover wohnt in der texanischen Wüste und macht von dort aus unter dem Namen Blixaboy eine Mischung von Techno und Elektro. Früher war er aber noch in Krautrock, Funk, Shoegaze und Post Punk Bands aktiv. Als ihm das dann zu langweilig wurde, stieg er auf elektronische Musik um und das mit gutem Erfolg.

Masque (Humanoid X LP, 2016)

 

Mikron

Ein weiteres irisches Duo im Repertoire des Labels CPU ist Mikron. Die Brüder Michael & Ciaran Corcoran leben mittlerweile aber in Australien. Sie haben auch schon auf dem Label ZONE von Gesaffelstein & The Hacker releast, zwei Jahre später dann auch auf CPU.

Re-Entry (Warning Score LP, 2016)

 

Microlith

Microlith war ein Musiker aus Malta. Mit seinen Produktionen feierte er seit 2014 guten Erfolg in der Techno und IDM Szene. Leider ist er im Jahr 2017 im Alter von 24 Jahren an einem Verkehrsunfall gestorben. Vorher kamen sein Album Dance With Me und zwei EP’s auf dem Sheffielder Label CPU heraus.

Leave Now (Dance With Me LP, 2016)

 

214

214 hat schon auf duzenden Labels releast und das seit dem Jahr 2002. Seine EP Fuel Cells bringt klassischen Elektro.

Overbridge (Fuel Cells EP, 2016)

 

B12

Das Label CPU schliesst an das Konzept des Labels Warp an - ein Duo, welches in den 90ern bei Warp unter Vertrag war ist B12. Steven Rutter und Michael Golding hatten bei Warp fast einen Vertag für sechs Alben unterschrieben, entschieden sich schlussendlich aber trotzdem dagegen. Schlussendlich war das ein Fehler, denn mit dem Erfolg, den B12 in den 90er hatte, hätten sie durchaus das Potential gehabt, mit Warp gutes Geld zu verdienen. Vor einigen Jahren haben sie auf CPU ihre Tracks veröffentlicht.

Play With Me (All Abandon All EP, 2016)

 

Tryphème

Tiphaine Belin so heisst «Tryphème» mit bürgerlichem Namen. Die Pariserin hat ihr erstes Album, Online Dating, auf CPU veröffentlicht. Auf dem LYL Radio hat sie ebenfalls eine Show mit dem Namen «Dame de Coeur».

Idem (Online Dating LP, 2017)

 

Alek Stark

Der Spanier Alek Stark hat schon sehr jung angefangen mit Kassettenrekordern Radioprogramme aufzunehmen. In seiner Jugend lief vor allem Hip Hop und Elektro in den Radios. Letzteres inspiriert ihn bis heute. 1997 hat er sein erstes Album veröffentlicht. 2001 gründete er dann sein eigenes Label Star Whore Records. Trotzdem schreckt er natürlich nicht davor zurück, auch auf anderen Labels als sein eigenes zu veröffentlichen.

NGC 4192 (Blueshifted People EP, 2017)

 

Neil Landstrumm

Neil Landstrumm ist vieles, zum einen Techno Produzent und zum anderen erfolgreicher Grafiker. So arbeitet er auch bei MTV und Rockstar Games (GTA) als Grafiker. Neil Landstrumm macht seit gut 20 Jahren Musik. In dieser Zeit hat er auf zahlreichen Labels veröffentlicht, darunter auch Tresor Records, Sonic Groove und natürlich auch auf CPU.

Chrome and Ferric (A Death, a Mexican and a Mormon EP, 2017)

 

Maëlstrom

Mael Péneau, so heisst Maëlstrom eigentlich. Er kommt aus Frankreich und hat sein Debüt Album 2017 veröffentlicht. Zwar nicht auf Central Processing Unit, sondern auf dem Label RAAR, welches er mitgegründet hat. Letzten Februar hat er dann doch auf CPU veröffentlicht und zwar das Album «Who Else Is Reading» - im Oktober 2018 dann die EP «Fragment».

Who Else Is Reading (ALPH4 LP, 2018)

Utility Shift (Fragment EP, 2018)

 

Fleck E.S.C.

Wie schon gesagt, hat CPU nicht den Anspruch Musik zu veröffentlichen, welche nur in Grossbritannien veröffentlicht wurde. Die meisten ProduzentInnen findet Gründer Chris Smith über das Internet, so auch Fleck E.S.C.. Der gebürtige Franzose lebt mittlerweile in Tokio. Auch Fleck E.S.C ist nicht ausschliesslich Musiker, seine Liebe zum Film hat ihn zu einem Kamera Assistenten gemacht.

Little Man (Discrete Option EP, 2018)

 

Yuri Urano

Auch Yuri Urano lebt in Japan, anders als Fleck E.S.C. ist sie aber dort geboren worden. Ihre Musik bekommt momentan in der japanischen Techno Szene sehr viel Aufmerksamkeit, doch in der letzten Zeit hat sie auch angefangen durch Europa zu ziehen, so dass Yuri Urano nun mehr und mehr internationale Bekanntheit erlangt hat.

Massio (Autline EP, 2018)

 

Djedjotronic

Ein weiterer Franzose im Repertoire von Central Processing Unit ist Djedjotronic. In den 2000ern hat er seine Indie Band aufgegeben, seine Gitarre verkauft und hingegen eine MPC gekauft. Von da an produziert Djedjotronic spannende Tracks.

Celular (Cruising EP, 2018)

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