Trojaner

Gesichtserkennung als Überwachungsinstrument

10.11.2020

Angefangen hat sie als praktisches, harmloses Anwendungsgebiet der künstlichen Intelligenz: Die Gesichtserkennung. Social Media Plattformen wie Facebook sahen schnell den Mehrwert der neuen Technologie und markierten damit automatisch ihre Mitglieder auf hochgeladenen Bildern. Datenschutztechnisch war das ein Albtraum. Es dauerte deshalb auch nicht lange, bis viele Plattformen wieder zurückkrebsten und das Feature nur mit Zustimmung des Benutzers aktivieren.

Heute findet man Gesichtserkennung in den verschiedensten Ländern und Städten. Nicht etwa als cooles Feature einer App, sondern völlig unbemerkt an Bahnhöfen, Flughäfen und auf öffentlichen Strassen. Sie sind Teil einer Überwachungsinfrastruktur, die gesuchte Personen innert kürzester Zeit identifizieren und lokalisieren soll.

Die New York Times berichtete im Sommer über einen Fall in der US-Stadt Detroit, bei welchem ein Familienvater auf Grund einer fehlerhaften Übereinstimmung verhaftet und mehrere Stunden verhört wurde. Der Bericht brachte frischen Wind in die Diskussion über die Grenzen der elektronischen Überwachung. Insbesondere deshalb, weil die Systeme nachweislich fehlerbehaftet sind und die Art ihrer Verwendung kaum kontrolliert werden kann.

Die Argumente der Gesetzeshüter sind einfach: Gesichtserkennung ist ein Quantensprung bei der Suche nach Kriminellen und der normale Bürger hat ja nichts zu verbergen. Trotzdem stösst das Thema in Europa bisher auf wenig Begeisterung und die Pläne, Gesichtserkennung in der Londoner Innenstadt oder an Deutschen Bahnhöfen zum Standard zu machen, wurden harsch kritisiert. Nun liegt es an den Gesetzgebern, einen vernünftigen Rahmen für den Einsatz dieser neuen Überwachungsinstrumente zu schaffen.



In der Digitaldosis bearbeiten und erklären die Studenten Reto Stadelmann und Lukas Huwyler von der Hochschule Luzern Informatik aktuelle und relevante technische Neuerungen und Entwicklungen. Die richtige Dosis digital, einfach und verständlich erklärt.    

Bild: Pixabay

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