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Angela Rosengart: Die Sammlerin, nicht die Muse

Mit 17 wünschte sich Angela Rosengart kein Ballkleid. Stattdessen wollte sie eine Zeichnung von Paul Klee. Kurz darauf gab sie ihren Monatslohn für ein weiteres Werk des Künstlers aus: X-chen. Während andere in ihrem Alter von Kleidern oder Reisen träumten, begann Rosengart eine Leidenschaft, die sie ihr ganzes Leben begleiten sollte.

Vor einigen Tagen ist Angela Rosengart im Alter von 93 Jahren gestorben. Mit ihr verliert Luzern eine Frau, die das kulturelle Leben der Stadt über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Doch wer ihren Namen in der vergangenen Woche in den Medien gelesen hat, ist schnell auf einen anderen Namen gestossen: Pablo Picasso.

Dabei ist das zunächst gar nicht überraschend. Die Sammlung Rosengart zählt zu den wichtigsten Picasso-Sammlungen Europas. Viele Menschen kommen genau deshalb nach Luzern. Auch Rosengart wusste, welche Bedeutung sein Name hatte. Picasso war wichtig für die Sammlung und half sicher auch dabei, Besucher*innen anzuziehen. Schade ist aber, dass dadurch oft Rosengart selbst in den Hintergrund rückt. 


Mehr als «Picassos Muse» 

Rosengart wurde 1932 in Luzern geboren und arbeitete schon früh in der Galerie ihres Vaters Siegfried Rosengart. Dort lernte sie Künstler wie Picasso oder Marc Chagall persönlich kennen. Mit der Zeit trat sie aus dem Schatten ihres Vaters heraus und machte sich selbst einen Namen in der Kunstwelt. 

Trotzdem sorgte vor allem ihre Freundschaft mit Picasso für Schlagzeilen. Der Künstler porträtierte sie mehrfach, und bis heute wird Rosengart auf ihre Rolle als Muse reduziert. Immer wieder wurde über eine Affäre spekuliert. Gerüchte, die Rosengart selbst mehrfach klar zurückwies.

Dabei stellt sich für mich eine andere Frage: Warum wird die Geschichte einer der bedeutendsten Kunstsammlerinnen der Schweiz so oft über ihre Beziehung zu einem Künstler erzählt? Warum sprechen wir häufiger darüber, ob zwischen ihr und Picasso mehr gewesen sein könnte, als über ihr Wissen, ihr Gespür für Kunst und ihre jahrzehntelange Arbeit? 


Ihr grösstes Werk war die Sammlung

Rosengarts grösste Leistung war nicht ihre Freundschaft zu Picasso, sondern das, was sie für Luzern geschaffen hat.

1978 schenkten Siegfried und Angela Rosengart der Stadt Luzern zum 800-Jahr-Jubiläum acht Meisterwerke von Pablo Picasso. Die Schenkung bildete die Grundlage für das Luzerner Picasso-Museum, das ein Jahr später eröffnet wurde.

1992 gründete Rosengart die Stiftung Rosengart. Ihr Ziel war klar: Die Sammlung sollte erhalten bleiben und dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Im Jahr 2000 kaufte Rosengart das ehemalige Gebäude der Schweizerischen Nationalbank an der Pilatusstrasse. Zwei Jahre später eröffnete dort die Sammlung Rosengart ihren heutigen Ausstellungsort. 

Mit diesen Entscheidungen schuf Rosengart weit mehr als eine bedeutende Kunstsammlung. Sie sorgte dafür, dass Werke von Picasso, Paul Klee, Marc Chagall, Claude Monet, Paul Cézanne, Henri Matisse und vielen weiteren Künstlern bis heute mitten in Luzern für alle zugänglich sind.

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, Rosengarts Geschichte neu zu erzählen. Picasso hängt an den Wänden. Rosengarts Handschrift steckt in der ganzen Sammlung.

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