Pamir

Organs made of Organs - Sieben bahnbrechende Orgelkünstlerinnen!

Zwei Stunden Sound direkt aus der Kirche! Wir stellen dir sieben Musiker*innen vor, welche in ihrer Musik die majestätischen Klänge der Pfeifenorgel inkorporieren. Verzerrte, dröhnende Gitarren treffen auf die ehrwürdigen Klänge jahrhundertalter Instrumente. Mehr über das Spannungsverhältnis zwischen den nihilistischen Klängen von Doom Metal und Drone und den religiös aufgeladenen Kirchenorgeln erfährst du in der ganzen Sendung:

Zwischen Altar und Abgrund

Die Orgel erlebt gerade einen massiven Aufschwung. In den letzten Jahren brachten bahnbrechende Künstlerinnen wie Ellen Arkbro, Anna von Hausswolff oder Kali Malone ihre völlig eigenen kreativen Visionen in das Instrument. Für Orgelfans ist gerade die Schweiz ein Ort von grossem Interesse. So sagt Kali Malone im Interview mit 3FACH: There is no better place for organ lovers. Nirgends findet mensch so viele gut erhaltene historische Instrumente, gestimmt in längst verworfenen Temperamenten, wie in der Schweiz.

Bei ihrem letztwöchigen Konzert in der Pauluskirche in Basel wird Malone begleitet von ihrem Partner Stephen O’Malley, selbst ein visionär minimalistischer Komponist. Was sich bei Kali Malones langsamen Orgelkompositionen wie eine meditative Entschleunigung anfühlt, wird im Werk von O’Malleys Band Sunn O))) zum Frontalangriff. Inspiriert von den dröhnenden Gitarrenrückkopplungen des „fellow-Seattleites“ und Earth-Frontmanns Dylan Carlson schafft er zusammen mit Bandkollege Greg Anderson auditive Rituale, die sich jeglichen Kategorisierungen entziehen. Trotz der überwältigenden Klangkeulen wirkt ihr Sound auf dem Album Life Metal fein, elegant und kontrolliert, düster und lichtdurchflutet zugleich. Auf dem Track Troubled Air werden die Gitarrendröhnungen von Anderson und O’Malley begleitet vom Klang der historischen Pfeifenorgel der Stuttgarter Schlosskapelle, eingespielt vom Komponisten Anthony Pateras. Das Profane trifft auf die Eleganz der Königin der Instrumente.

Säkulare Klänge, Sakrale Ängste

Für ihr fünftes Album All Thoughts Fly tourt Anna von Hausswolff 2021 durch Europa. Dabei tritt die Organistin überwiegend in Kirchen auf. Als katholische Fundamentalistinnen in Nantes vom Auftritt einer „Metal-Musikerin“ erfahren, blockieren sie kurzerhand den Kircheneingang. Später muss auch ein Auftritt in Paris aus Sicherheitsgründen abgesagt werden, Demonstrantinnen singen und beten vor der Kirche. Von Hausswolff bezeichnet die Vorfälle als traurig und beängstigend. Während Veranstalterinnen und Politikerinnen die Künstlerin schützen und betonen, dass ihre Musik keine satanistischen Inhalte habe, sondern lediglich experimentelle Orgelklänge mit Post-Metal-Einflüssen verbinde, haben es die Protestierenden sichtlich auf Anna von Hausswolffs gesellschaftliches Engagement für Frauenrechte und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Klimakrise abgesehen.

Auf ihrem Album Dead Magic nutzt von Hausswolff die Pfeifenorgel als Instrument der Erhabenheit: Sie schafft riesige, kathedralartige Räume, die Schwere und Majestät ausstrahlen. Dabei schafft sie zugleich einen Resonanzraum für intime Gefühle des Verlusts, der Erneuerung und der Selbstbefreiung. Von Hausswolffs Stimme ist dramatisch, dunkel gefärbt und emotional aufgeladen – verletzlich und kraftvoll zugleich.

Playlist

Kali Malone – Prisoned On Watery Shore
Sunn O))) – Troubled Air
Hampus Lindwall – Brace for Impact
Anna von Hausswolff – The Mysterious Vanishing of Electra
Anna von Hausswolff – The Marble Eye
Anna von Hausswolff und Diskurs über entweihte Orgeln und säkuläre Musik
Anna von Hausswolff – Ugly and Vengeful
PANTHEIST – O Solitude (Live at Organic Doom, Vol. I)
Burial In The Woods – Growing Shadows
Quercus – A Canticle for the Pipe Organ

Weitere Beiträge

Alle Beiträge anzeigen →
Wir verwenden Cookies um die Performance unserer Website zu messen. Möchtest du diese Cookies akzeptieren?