Reimstunde

...und durch die Risse scheint ein Licht!

Zwischen verletzlicher Selbstreflexion, verträumten Lo-Fi-Klangwelten und hyperaktiven Rap-Experimenten! Heute hören wir in die Avantgarde des Hip-Hop rein. Künstlerinnen, die das inzwischen über 50-jährige Genre aus der Midlife-Crisis holen und mitten ins 21. Jahrhundert reissen. KJADE aus Phoenix verarbeitet persönliche Traumata in atmosphärischen Tracks zwischen Schönheit und Zerfall, während in der Westschweiz Kay Yokō in ihrem Schlafzimmer Verletzlichkeit in minimalistischer Zurückhaltung findet und beka glitchig und übersteuert das Genre komplett dekonstruiert. Drei vielfältige Ansätze, die vor Augen führen, wie offen, fragil und radikal Hip-Hop 2026 klingen kann.

Zerfall und Selbstbehauptung

Auf ihrem neusten Album navigiert die amerikanische Rapperin KJADE durch eine Welt aus nostalgischen, gefühlsgeladenen Samples und basslastiger, zurückgelehnter Perkussion. Die Hip-Hop-Idylle kracht aber immer wieder durch Störgeräusche und abrupte Switch-ups in sich zusammen. Schon ab dem ersten Track wird klar: Das ist keine federleichte Kopfnickermusik. In ihren Texten verarbeitet KJADE traumatische Erlebnisse, mit einer Selbststärke, die jedoch die Dunkelheit der Erinnerung stets zu bekämpfen weiss. Das Cover, ein Nacktporträt der Rapperin mit den Pupillen ins Gesicht gedreht, unterstreicht die Dringlichkeit des Projekts: Sounds zwischen Verletzlichkeit und innerer Reflexion. Geboren in Oakland gehört KJADE inzwischen zu den prägendsten Stimmen in der kriminell unterbeleuchteten Rap-Szene von Phoenix, Arizona.

Klänge aus der Schwebe

Eingeschlossen in ihrem Schlafzimmer kreiert die Genfer Künstlerin Kay Yōko träumerische Klanglandschaften irgendwo zwischen Lo-Fi-Pop, RnB und Hip-Hop. Alles beginnt mit einer Melodie und türmt sich dann auf ihrem Laptop zu einem reich geschichteten Sound auf, der sich anfühlt wie ein Spaziergang durch den Wald. Künstlerische Selbstständigkeit ist für Kay Yōko das A und O. Vom ersten Inspirationsfunken übers Songwriting bis zum letzten Feinschliff im Mixing und Mastering macht sie alles selbst. Grosse Emotionsausbrüche findet man in der Musik der Genfer Künstlerin keine, die Intensität entsteht in der Ruhe, die klangliche Zurückhaltung legt Verletzlichkeit offen.

Glitch und Grössenwahn

Seit Jahren steht das Lausanner Kollektiv 247 an der Speerspitze der Schweizer Hip-Hop-Avantgarde. Die Beats glitchen wie ein halb kaputter Kopfhörerstecker, die Stimmen sind durch zahlreiche Effekte verzerrt, hören sich dadurch aber paradoxerweise gerade noch ein Stückchen zerbrechlicher und nahbarer an. Gerade einmal 15 Minuten dauert das neuste Projekt der Maison 247. Der Sound auf poésie dans la trap 2 ist aber alles andere als flüchtig. Die sieben Tracks fühlen sich wie ein Fiebertraum aus Videospielvisionen und bis zur Parodie überspieltem Hip-Hop-Machismus an. Als würde man ein Gangsta-Grillz-Mixtape auf doppelter Geschwindigkeit durch ein übersteuertes Soundsystem hören. So klingt Rap im Hyperpop-Zeitalter!

Playlist

zizii – Acapella 3Slalum – Aktionær

ZAVET – Bank sprengen

SGB – MDSF

StarrLight/Classic Der Dicke – Downs Went Up

KJADE - LIVE BY THE SWORD

KJADE - I'D RATHER SOFTEN

KJADE - SPILLED MILK

KJADE - STRANGER THAN FICTION

KJADE - SUPERJAIL

KJADE - VIRGINIA IS FOR LOVERS

KJADE - SHE'S SO HEAVY

KJADE - boys are afraid of the dark

KJADE - REDBONE

KJADE - PAY ME IN PAIN

KJADE - ESTRELLA

KJADE - DOUGLAS

KJADE - MORE FRUIT - REMIX

Kay Yōko - Do Not Disturb

Kay Yōko - Des Rêves Sous La Couette

Kay Yōko - Pixie

Kay Yōko - Haru 春

Kay Yōko - Blue Greenhouse

beka - pas dans l'mood

beka - sosa

beka - de gauche et chargée en bas

beka - mon stylist

beka - magasin

beka - où ça mène

beka - finilorage

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