Queertopia

SOPHIE 1986 – 2021

SOPHIE war eine der grössten Musiker*innen ihrer Zeit. Sie hat den Pop substantiell weiterentwickelt und vielleicht sogar revolutioniert. Sie hat mit so vielen Artists zusammengearbeitet und bei einer grossen Anzahl von Künstler*innen einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen, dass sie das Genre nachhaltig beeinflusst hat und ihre Abwesenheit immer noch spürbar ist: Vor fast einem Jahr ist SOPHIE wegen eines Kletterunglücks in Athen verstorben. Diesen traurigen Tag wollen wir feiern.

“I think all pop music should be about who can make the loudest, brightest thing. I think that’s just as valid as who can be the most raw emotionally.”

SOPHIE griff bei ihren Produktionen nie auf Instrumente oder Samples zurück, sondern erschuf jeden Klang und jeden Beat vom Reissbrett. Sie arbeitete bloss mit Computerprogrammen. Ihre Musik war also komplett synthetisch (abseits den Vocals) und trotzdem schaffte sie es einen Sound zu kreieren, der nur so vor Emotionen triefte. Ihre Songs fühlen sich an, wie ein Stoff: Als würdest du mit deiner Hand drüber fahren und jede Faser spüren.

Mit den Künstler*innen hinter dem Label PC MUSIC hatte SOPHIE schliesslich gleichgesinnte gefunden, welche – wie sie – das volle Potenzial aus dem Pop holen wollten. Zusammen produzierten sie mehrere Pop-Hymnen wie Hey QT und When I Rule The World. Während dieser Zeit veröffentlichte SOPHIE im Jahr 2015 ebenfalls ihr erstes Album PRODUCT, das sich bis heute sein Alter nicht anmerken lässt. 2018 folgte schliesslich ihr zweites und letztes Album Oil of Every Pearl's Un-Insides, welches insbesondere mit Faceshopping und Immaterial unvergessliche Produktionen enthält. 

Kurz davor gab SOPHIE einen grossen Teil ihrer Anonymität auf und zeigte im Musikvideo zu It's Okay To Cry zum ersten Mal ihr Gesicht und ihre unbearbeitete Stimme. Gleichzeitig war das ihr Coming-Out als trans Frau oder als queer oder als nichtbinär. (Klar spezifizieren wollte SOPHIE ihre Identität nie.)


“Initially I was quite alright with letting the music speak for itself, but then the problem is, people start filling in the gaps for you.”

 Wie viel geben wir von uns Preis? Wem vertrauen wir Informationen über uns selbst an? Diesen Fragen ging SOPHIE ständig nach. Je bekannter sie wurde, desto grösser wurde auch das öffentliche Interesse an ihrer Person – und ihrem Geschlecht. Dabei wollte sie ihre Musik für sich sprechen lassen und das binäre System von "normal" und "komisch", von "underground" und "mainstream" und schliesslich auch "Mann" und "Frau" brechen. Mit ihrer Musik hat sie das jedenfalls sicherlich geschafft. Denn auch nur einen ihrer Songs bloss einer Kategorie zuordnen zu wollen, käme ihrem Werk nicht gerecht.

Die ganze Sendung zu SOPHIE hörst du gleich hier. Wir sprachen über ihren Werdegang, ihre Zeit bei PC MUSIC, wie sie über ihre Musik und den Pop denkt und warum sie für die queere Community eine wichtige Persönlichkeit war und ist.

Mehr queere Musik von queeren Artist findest du wie immer in unserer Playlist auf Spotify. Jeden Donnerstag gibt es dort für dich frische Songs aus der queeren Welt.


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