Schon im Mutterleib hören wir Stimmen, vertraute Klänge begleiten uns ins Leben und vielleicht auch darüber hinaus. Diese Idee des Hörens als existenzielle Praxis bildet das poetische Fundament von Awakening, ein Album von Àbáse, dem ungarischen Produzenten und Multiinstrumentalisten Szabolcs Bognár.
Bognárs vergangenen Jahre waren geprägt von tiefgreifenden Veränderungen: die Verwirklichung des Àbáse-Projekts, seine Hinwendung zum Candomblé-Glauben (afrobrasilianische Naturreligion), der Umzug von Ungarn nach Berlin, Heirat, Vaterwerden und die Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen. All diese Erfahrungen fliessen in Awakening ein. Es ist ein Album über biologische Zyklen sowohl als auch spirituell und musikalisch.
Awakening wurde am 05. Juli 2024 via Oshu Records veröffentlicht.
Inspiriert von der spirituellen Intensität des klassischen Quartetts von John Coltrane, entschied er sich für eine nahezu vollständige analoge und live eingespielte Produktion. Awakening entstand in nur vier Tagen mit minimalen Overdubs, meist in den ersten oder zweiten Takes.
Awakening ist quasi eine Klang gewordene Kontinuität, denn es bündelt Àbáses vielfältige Einflüsse: klassischen Afrobeat aus Lagos, ungarische Volksmusik, Yoruba-Rhythmen, House und Hip-Hop. Doch trotz dieser stilistischen Breite wirkt das Album geschlossen. Getragen von modaler Improvisation und einer tiefen, introspektiven Grundhaltung.
Die musikalische und konzeptuelle Kontinuität zieht sich als roter Faden durch das Werk. Besonders eindrucksvoll gelingt dies in „Gyászba Borult Isten Csillagvára“, einer berührenden Interpretation eines traditionellen ungarischen Volkslieds. Über Ernö Hocks warmem Kontrabass entfalten sich Piano, Schlagzeug und Saxophon in einem Dialog zwischen Intensität und Zartheit. Die wahre Stärke von Awakening liegt in seinen Momenten am Rand des Hörbaren. In „Menidaso (My Hope)“ verklingt eine afro-inspirierte Invocation (Aufruf/Bittgebet) in Twi, bis nur noch das leise Brummen eines Verstärkers bleibt. Eine Erinnerung daran, dass Stille Teil der Musik ist.
Destruction Everywhere wurde am 05. Juli 2024 via Oshu Records veröffentlicht.
Für Àbáse ist das Erwachen kein einzelner Moment, sondern ein Prozess. Ein ständiges Lauschen auf das, was war, was ist und was kommt. Awakening ist eine Meditation über das Hören selbst. Über das Vertrauen darauf, dass wir, wenn wir aufmerksam genug sind, den nächsten Schritt vielleicht nicht denken, sondern fühlen können. Und dass das, was uns erwartet, womöglich längst zurückhört.
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Die besten Tracks findest du in dieser Playlist:
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Playlist:
Modha, Àbáse, Fanni Zahár - River
Àbáse - Awakening
Shining ft. Ori Jacobson
Menidaso (My Hope) ft. King Owusu, Fanni Zahár, Ori Jacobson
Destruction Everywehre ft. Fanni Zahár, Ori Jacobson
Orbit Sirius (Sunmo Mi Ee) ft. King Owusu, Fanni Zahár
Gyászba Borult Isten Csillagvára (God’s Star Castle Has Fallen to Grief) ft. Ernö Hock
Sun Is Away ft. Knoel Scott, Cecil Brooks, Ori Jacobson, Fanni Zahár
Shango (Chant to the God of Thunder) ft. King Owusu
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