Wenn Musik dort entsteht, wo unterschiedliche Welten nicht nur aufeinandertreffen, sondern sich wirklich zuhören, entstehen nicht einfach nur Kollaborationen, sondern neue Klangsprachen. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich zwei aktuelle Veröffentlichungen, die auf unterschiedliche Weise zeigen, wie tief musikalische Begegnungen reichen können. Während auf der einen Seite des Atlantiks ein langjähriger Dialog zwischen Elektronik und westafrikanischer Griot-Tradition weiter verfeinert wird, entfaltet sich auf der anderen Seite ein neues musikalisches Flusssystem, das afro-kolumbianische Wurzeln mit zeitgenössischen Klangformen verbindet.
Bereits 2015 setzte ihr erstes gemeinsames Projekte Massstäbe für Khalab und Baba Sissoko: statt elektronische Musik und die westafrikansiche Griot-Traditionen lediglich nebeneinanderzustellen, gelang es ihnen, beide Ausdrucksformen zu einer neuen, eigenständigen Sprache zu verschmelzen. Nun elf Jahre später führen die beiden Künstler diesen Dialog konsequent weiter. Foli Bah ist dabei weniger eine Fortsetzung als vielmehr eine Vertiefung ihres gemeinsamen Ansatzes. In spiralförmigen Strukturen schafft Khalab dichte und sich wiederholende Klangarchitekturen, die sich mit jeder Wiederholung verändern und intensivieren. In diese Strukturen integriert Baba Sissoko traditionelle malische Instrumente wie das Tamani. Nicht als schmückendes Element, sondern als tragende Säule der Komposition.
Foli Bah wurde am 29. Mai 2026 via Hyperjazz Records veröffentlicht.
Die fünf relativ langen Stücke sind auf Bambara geschrieben und greifen universelle Themen auf: Selbstbestimmung, Schicksal, Koexistenz, Offenheit für Möglichkeiten und Vertrauen. Diese Themen werden nicht narrativ erzählt, sondern durch das Zusammenspiel von repetitiven Strukturen und improvisatorischer Freiheit erfahrbar gemacht. Die Beziehung zwischen den beiden Musikern wird dabei zum Sinnbild für gesellschaftlichen Zusammenhalt und kulturellen Austausch.
Denifurula wurde am 29. Mai 2026 via Hyperjazz Records veröffentlicht.
Der italienische DJ Khalab verfolgt seit eh und je das Ziel, musikalische Verbindungen zwischen verschiedenen Kulturen und Szenen zu schaffen, ohne deren Eigenheiten zu verwischen. Seine Arbeit ist geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit afrikanischen Klangtraditionen, die er mit elektronischen Mitteln neu interpretiert. Foli Bah kann hierbei vielleicht sogar als eines der klarsten Manifestationen dieser Vision verstanden werden. Der musikalische Dialog zwischen Khalab und Baba Sissoko, als einer der zentralen Vertreter der malischen Musiktradition, setzt sich zwischen akustischer Tiefe und elektronischer Weite fort.
The river always finds the sea
Während Foli Bah als tiefgehende Fortsetzung eines langjährigen musikalischen Dialogs zwischen Tradition und Elektronik verstanden werden kann, zeigt sich auf der anderen Seite des Atlantiks, wie kraftvoll solche Begegnungen klingen können. In den tropischen Regionen Kolumbiens, ist mit Nuevos Ríos ein Debüt entstanden, das ebenfalls aus der Verschmelzung kultureller Wurzeln und zeitgenössischer Klangsprachen hervorgeht und dabei eine ganz eigene musikalische Strömung formt.
Das Projekt entstand aus dem Zusammentreffen zweier unterschiedlicher, aber sich ergänzender musikalischer Welten: die kolumbianischen Traditionsgruppe Canalón de Timbiquí mit der prägenden Stimme von Nidia Góngora und dem in Toulouse ansässigen Trio Reco Reco, das sich auf tranceartige, global geprägte Rhythmen spezialisiert hat.
Nuevos Ríos wurde am 27. März 2026 via ZZK Records veröffentlicht.
Entlang des Río Timbiquí, fernab urbaner Zentren, trafen die Musiker*innen erstmals aufeinander. In improvisierten Sessions entwickelte sich eine musikalische Sprache, die sich aus dem gemeinsamen Erfahrungen entwickelte. Das Ergebnis ist kein kalkuliertes Crossover, sondern eine Verschmelzung von afro-kolumbianischer Tradition und zeitgenössischen elektronischen Ausdrucksformen.
Traditionelle Elemente wie die Marimba de Chonta, polyphone Gesänge und komplexe Perkussionsrhythmen bilden das Fundament. Diese werden durch elektronische Texturen, Basslinien, Gitarren und Keyboards erweitert. Die Musik bewegt sich dabei zwischen ritueller Intensität und clubtauglicher Energie und schlägt eine Brücke zwischen verschiedenen geografischen und kulturellen Räumen – von Westafrika über die Karibik bis hin zu europäischen Dancefloors.
La Vida es un Baile wurde am 27. März 2026 via ZZK Records veröffentlicht.
Nuevos Ríos feiert das afro-diasporische Erbe Kolumbiens und bleibt dabei stets eng mit der Natur verbunden. Der Fluss dient als zentrales Symbol für die Lebensader, als Ort des Austauschs und als Quelle kreativer Energie. Gleichzeitig werden die Herausforderungen einer Region, die von sozialen, ökologischen und sicherheitspolitischen Konflikten geprägt ist, thematisiert. Ein treibendes Album, welches ein lebendiger Ausdruck kultureller Kontinuität und Transformationen ist.
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Die besten Tracks findest du in dieser Playlist:
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Playlist:
Khalab & Baba Sissoko – Foli Bah
Filani Donkono
Hame
Denifurula
Nimamasa
Sebaya
Nuevos Ríos – Nuevos Ríos
Sumba Ale
Malvada
La Vida es un Baile
Si Yo Fuera
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