Sphaíra

Musik im Zeichen der Proteste im Iran

Auslöser der Proteste im Iran war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini, die von der Sittenpolizei wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung festgenommen und darauf getötet wurde.  Seit dem 16. September ereignen sich täglich Proteste, die vor allem von Frauen und FINTA* initiiert sind. Die Protestbewegung zeigt sich auch aktiv in den sozialen Medien und hat zur Zeit eine grosse Reichweite. 

Was ist die Rolle der Musik in der iranischen Protestbewegung?


Inwiefern zeigen sich Musiker*innen im Iran solidarisch und wie klingt es wenn sie es tun? Ein Song, der in zahlreichen Protestvideos im Hintergrund läuft, heisst "Hashtadia", von Shahin Najafi. In Hashtadia bezieht sich  Shahin Najafi ganz eindeutig auf die Situation, seit 16. September: 

Ich habe Euch satt, ihr schlagt und beschuldigt mich, ich ziehe mich zu freizügig an? Was geht Dich das an?

Shahin Najafi selbst lebt seit 2005 nicht mehr im Iran, da seine Musik damals im Iran verboten wurde, schon zu früheren Protesten positionierte er sich aktiv und ist somit ebenfalls betroffen vom restriktiven Verhalten des Staates. 

Das Video zu Hashtadia hatte innert wenigen Tagen eine grosse Reichweite, es enthält zudem gewaltvolle Protestaufnahmen, TRIGGERWARNUNG an dieser Stelle!



Googoosh wird auch "Tochter des Iran" genannt

Sie ist eine immer wiederkehrende, wahnsinnig wichtige Person in der Geschichte der iranischen Musik. Ihr Blütezeit war in den 60er und 70er Jahren, wo sie grosse Berühmtheit im Land erlangte, bevor es 1979 zu einer Übernahme der Islamischen Republik kam, die jeglichen weiblich gelesenen Künstler*innen Auftritte im öffentlichen Raum verbot. Daraufhin wanderten die meisten Kunstschaffenden aus, nicht aber Googoosh, sie blieb für 21 Jahre im Iran, ohne ein einziges Konzert zu spielen. Im Jahr 2000 begab sie sich dann doch ins Exil, nach Deutschland und gab ein riesen-Comeback. Schon in den 60ern äusserte sich Googoosh Regime-kritisch und leider verloren ihre Texte bis heute nicht ihre Aktualität. Im Zeichen der Protestbewegung spielte die mittlerweile 72-Jährige wieder ein Konzert in Hamburg, sogar mit einer neuen Single (Cover, ursprünglich von Shakila).



Zudem gibt es zahlreiche Künstler*innen die ihr Solidarität mit den Protesten bekunden, indem sie ihr Tracks für Protest-Zwecke zur Verfügung stellen. Darunter viele, die ihren Fokus in der elektronischen Musik haben. Beispielsweise Rojin Sharafi, die in ihre heftigen, manchmal fast schon Techn-Tracks immer wieder traditionelle Klänge einfliessen lässt. Sie und viele andere  FINTA Künstler*innen (Sonic Liberation Front) drücken in einem gemeinsam erstellten Paper ihre Solidarität aus und veranstalten am 29. und 30. September ein Take-Over dreier Radiostationen in Teheran, Betlehem und London. 


Trackliste:

Marjan Farsad – Abrisham

Rojin Sharafi – Khesh

Rojin Sharafi – Jeeve

Nesa Azadikhah – Tasnif-e Eshgh

Googoosh – Geryeh Dar Ragbar

Googoosh – Do Panjereh

Shahin Najafi – 209

Shahin Najafi - Hashtadia

LiRaz – Azizam


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