Queertopia

"nightcore should make you feel like you're in space"

Je länger du dich mit Nightcore auseinandersetzt, desto weniger kommst du am Namen gasoiid vorbei. Mit Edits und Remixes auf Soundcloud und Bandcamp bespielt gasoiid seit Jahren das Internet mit verschiedensten Nightcores. Hinter diesem Namen steckt aber noch mehr: Vor fünf Jahren hat dey ausserdem das Label WEIRD NXC® gegründet, was bis zu zwei Mal im Jahr mit einer neuen Compilation mit Nightcores von Artists rund um den Globus aufwartet.

Im Interview erzählt gasoiid, was Nightcore für dey bedeutet, wie die Nightcore-Labels von heute zusammenarbeiten und wie der Artist das eigene Musikschaffen einschätzt – Denn: kann hier von Nightcore überhaupt noch die Rede sein?

gasoiid: "nightcore is anything, it's really just a feeling, it's anything you want it to be. it doesn't have to just be sped up music per se"

Eine grosse Inspiration für gasoiid sind die 00er-Jahre: Deren meisten Nightcores basieren auf ein Sample aus dieser Zeit. Darunter wirst du aber nicht die bekanntesten Songs finden, wie es in vielen anderen Remixes und Edits der Szene der Fall ist. Und trotzdem ist der Ton und das Gefühl der Milleniumswende klar spürbar.

Für gasoiid sind die weitaus optimistischeren Zukunftsvisionen der damaligen Zeit ein wichtiges Augenmerk und dieses versucht dey in das Jetzt mitzunehmen und gleichzeitig zu rekontextualisieren.

Aber die Welt besteht nicht nur aus Remixes: gasoiid produziert auch Songs, die weniger auf Älteres verweisen und mehr aus eigenem/neuem/selbstgemachtem bestehen. Aber können Originale auch Nightcore sein? Schliesslich ist das Genre bekannt dafür, bereits bestehende Songs zu beschleunigen und höher zu pitchen.


Dey sieht das alles jedoch nicht so eng: Nightcore sei eher ein energetisches Gefühl, als eine Liste voller Regeln. Dennoch müsse ein Track wenigstens auf einem Sample basieren, damit er als Nightcore gelte. Die eigenen originalen Songs beschreibt gasoiid als Post-Nightcore.

Während viele Artists auf der Suche nach dem ganz eigenen Sound sind und manchmal sogar versuchen jeden Ton in ihrer Musik selbst zu produzieren, geht gasoiid den gegengesetzten Weg. Am Musikmachen mag dey besonders, wenn dey zeigen kann, welchen Sound dey liebt. Darum sind Samples, Melodien und Effekte aus alten (favorisierten) Songs Pflicht. gasoiids Musik ist eine Diskographie voller Hinweise auf das, was dey liebt.

WEIRD NXC®: "i love community-based music [and] bolstering one idea/scene through the lense of other people"

Mit bisher fünf Compilations und mehreren Kollaborationen mit anderen Nightcore-Labels schafft WEIRD NXC® einen Raum für Nightcore-Artists rund um die Welt. Mit siebzehn hat gasoiid das Label während der Highscool gegründet und ist seitdem mit zig Leuten aus der Szene in Kontakt gekommen. Damals litt Nightcore laut gasoiid unter einem schlechteren Ruf als heute. Dem wollte dey etwas entgegensetzen – und gleichzeitig eine Plattform für die Musik deren Freund*innen und der eigenen schaffen.

Mit WEIRD NXC® ist gasoiids Traum ein eigenes Label zu gründen und weiterzuführen schliesslich wahr geworden. Bis heute lesen sich bedeutende Namen auf den Compilations, wie z.B. Alice Gas und Fallen Shrine. Die Tracks auf diesen Alben sind übrigens nicht zufällig zusammengewürfelt. Hinter jeder Compilation steckt eine Idee, die sich am Ende als eine bestimmte Ästhetik über die gesamte Platte ergiessen soll.

"there aren't a lot [nightcore labels] around anymore"

Nightcore sei nicht nur verschnellerte Musik, meint gasoiid. Wie mit dem Genre umgegangen wird bestimmen die Artists selbst. Was Genres aber prägen, sind oftmals nicht Einsiedler, sondern Communities, Freund*innen und Labels. Von Letzteren gibt es im Nightcore heutzutage weniger als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Die Labels, die noch aktiv sind, arbeiten dementsprechend häufig miteinander zusammen. Im Falle von WEIRD NXC® ist das einerseits nightcore4totalsluts aus Grossbritannien oder NON STOP NXC® aus Kanada.

Das Gespräch mit gasoiid ist Teil des dreistündigen Nightcore-Specials zwischen Queertopia und Monde Sonore.

Die Geschichte des Genres und das ganze Sendung wartet auf dich -> nämlich hier!

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