Mit Hawalat präsentiert der libanesische Komponist und Multiinstrumentalist Charif Megarbane sein ungefähr 110. Werk! Ein neues Album, das eine musikalische Weltreise anmutet und doch tief in der eigenen Herkunft verwurzelt bleibt. Während sein letztes Album Marzipan (Habibi Funk 023) ein introspektiver Blick ins Innere des Libanon war, richtet Hawalat (Habibi Funk 030) den Fokus nach aussen: auf Diaspora, Exil und den kreativen Austausch über Grenzen hinweg.
Der Albumtitel bezieht sich auf das Prinzip der Hawala, ein informelles, nicht-bankenbasiertes System von Geldüberweisung, das in Ländern mit wirtschaftlicher oder politischer Instabilität genutzt wird. Megarbane spielt jedoch nicht auf den finanziellen Mechanismus an, sondern deutet „Hawalat“ als poetisches Bild für künstlerische und kulturelle Verbindungen zwischen Orten, Menschen und Generationen. Eine Metapher für Vertrauen, Austausch und für die Frage, wie Menschen in Zeiten von Unsicherheit und Umbrüchen miteinander verbunden bleiben.
Hawalat (Habibi Funk 030) wurde am 11. April 2025 veröffentlicht.
Atmosphärisch ist das Album eine Reise durch Zwischenräume: zwischen Kontinenten und Zeiten, Traditionen und Experimenten, Intimität und Weite. Hawalat wirkt wie eine stimmhafte Geografie, die stetig in Bewegung ist. Der Opener Hanadi setzt sofort diesen nomadischen, sonnendurchtränkten Ton an. Somalisch inspirierte Perkussion, schwebende wordless vocals, ein Saxofon, das wie ein Ruf aus der Ferne klingt. Die Tracks Al Dollarji und Al Bahriye verweben mediterrane Psychedelia mit Jazz und subtilen Hip-Hop-Anlehnungen. Ein Sound, der typisch für Megarbanes Stil ist, aber hier noch offener und weltumspannender klingt. Wiederum hebt Helia mit seinen Streichern, die Weite erzeugen und den Harmonien, die sich langsam entfalten, das Album auf eine filmische und visuelle Ebene. Charif Megarbane zeigt hier also seine leidenschaftliche Liebe zu Film und Kino, während Jana eine Hommage an den verstorbenen malischen Kora-Meister Toumani Diabaté ist und Charif seine Gitarre in ein fast koraähnliches Instrument verwandelt.
Helia ft. Sven Wunder wurde am 11. April 2025 veröffentlicht.
Charif bezeichnet seinen Stil selbst als “Lebrary Music”, die sich durch eine mediterran geerdete, grenzenlose Verschmelzung von Library Music (Musik für Medienproduktionen), Afrobeat, Jazz und Hip-Hop definiert. Eine Fantasie um sein Heimatland Libanon und den Mittelmeerraum, die sich als ein Gemisch der Klänge darstellt. Hawalat scheint dabei aber eine Weiterentwicklung dieses Stils zu sein. Die Stimmung des Albums ist gleichzeitig nostalgiefrei und zeitlos und konzentriert sich auf frei schwebende Elemente, die global und trotzdem zutiefst persönlich sind. Nach über zwanzig Jahren kreativer Anstrengung, hunderten veröffentlichten Projekten und einer Vielzahl musikalischer Identitäten zeigt Hawalat stets, dass Charif Megarbane ein Geschichtenerzähler bleibt, der Klang als bewegliches, lebendiges Material versteht.
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Die besten Tracks findest du in dieser Playlist:
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Playlist:
Charif Megarbane – Hawalat (Habibi Funk 030)
Hanadi (Habibi Funk 030)
Dreams of an Insomniac
Al Dollarji
Les Vents Dominants
Al Bahriye
Miramar
The Invisible Cut
Helia (Habibi Funk 030) ft. Sven Wunder
East of What
La Calypso
Hawalat
Sfiha
La Virgule Suspendue
Preamble to the Conclusion
Chou Ostak
What Happened Next
Jana
Bil Fey – Bonus Track
Ni Vu Ni Inconnu – Bonus track
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