Stooszyt

Stadttauben - Einst geliebt, heute ignoriert

Für einige sind Tauben ein Symbol des Friendens, für die meisten jedoch ein Störfaktor in den Städten. Jemand, der das nicht so sieht, ist Sonja Lingchungtsang. Sonja kommt aus der Ostschweiz und lebt seit 15 Jahren in Luzern. Sie war sofort in die Stadt verliebt, für sie ist es die schönste der Welt. Doch diese Liebe erhielt einen Dämpfer als Sonja bemerkte, wie schlecht es den Tauben hier geht. Sie findet, die Stadt sehe sich nicht in der Pflicht die Situation der Stadttauben zu verbessern. 

Engagement im Verein

Um den Stadttauben zu helfen engagiert sie sich seit 2025 im Verein Stadttauben Schweiz. Der Verein besteht schweizweit und setzt sich für tierschutzgerechte Stadttauben-Konzepte ein. Unter anderem beraten sie auch zu diesem Thema. Konkret geht es dem Verein Stadttauben Schweiz darum, sich für ein besseres Zusammenleben der Menschen und der Tauben in schweizer Städten einzusetzen.

Stadttauben gelten heute als Verwilderte Haustauben. Das bedeutet, dass sie einst aus der Felsentaube domestiziert wurden und heute freilebend sind. Im Kanton Luzern gelten sie als Wildtiere. Sonja sieht darin einen fatalen Fehler. Denn, auch wenn die Tauben von den Menschen nicht mehr gebraucht werden, haben sie grundlegend andere Bedürfnisse und Lebensformen als Wildtiere wie beispielsweise Rehe oder Füchse. Wir haben ein Tier nach unseren Bedürfnissen geschaffen und überlassen es nun sich selbst. Nur weil Stadttauben freilebend sind, heisst das nicht, dass sie auch Wildtiere sind. 

"Ursprünglich haben wir Tauben geliebt!"

Die Geschichte der Domestizierung der Tauben geht schon ungefähr 6000 Jahre zurück. Im heutigen Ägypten und Mesopotamien wurden sie zunächst für ihren Kot gehalten. Was heute als störend gilt, wurde damals als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. Später dienten Tauben als Fleisch- und Eierlieferanten sowie als Brieftauben
Als sich im 18. und 19. Jahrhundert die Industrialisierung verbreitete, verloren die Tauben ihre wirtschaftliche Bedeutung. Sie wurden als Nahrungsquelle durch Hühner ersetzt, und mit dem technologischen Fortschritt brauchte man sie auch als Nachrichtenüberbringer nicht mehr. Dass die Tauben auf einmal wirtschaftlich nicht mehr relevant waren, heisst aber keineswegs, dass sie einfach verschwanden.

Neue Umstände

Vielmehr wurden die Tauben ausgesetzt. Diese ausgesetzten oder entflogenen Vögel sammelten sich in den Städten und waren plötzlich auf sich allein gestellt. Für bisher domestizierte Tiere ist das eine Herausforderung. Die Menschen waren diejenigen, die ihnen zu Nahrung verhalfen und ihnen ein Zuhause gaben. Geblieben sind die Tauben in den Städten, wo es immer irgendwo Nistplätze und Futter gab.
Stadttauben, deren Urform die Felsentaube ist, kommen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und sind sogenannte Höhlenbrüter. Das heisst, sie leben nicht wie andere Vögel in Bäumen, sondern brüten ihre Eier in Nischen von Felsen. In den Städten gibt es keine solchen Höhlen, daher bieten Gebäude den Tieren Brutplätze. Allerdings wird das mit verschiedenen Massnahmen durch die Städte immer wieder unterbunden. Spikes, Netze und schräge Flächen machen den urbanen Raum für die Tauben zum Albtraum.

Das Augsburger Modell

So muss es aber nicht sein. Sonja und der Verein Stadttauben Schweiz wünschen sich ein Modell wie in Augsburg. Dort wurden sogenannte Taubenschläge eingerichtet. Das sind betreute Unterkünfte, die den Tauben ein Zuhause bieten. Die Tiere werden gefüttert, ihr Kot wird beseitigt. Die Tiere verbringen rund 80% der Zeit im Schlag. Mit einem solchen Konzept müssen sie nicht den ganzen Tag in der Stadt nach Futter. Das Reduziert die Verschmutzung und Belästigungen im öffentlichen Raum und den Tieren geht es gut. Ausserdem ist es so möglich, die Population nachhaltig und tierfreundlich zu kontrollieren, indem die Gelege durch Attrappeneier aus Kunststoff oder Gips ersetzt werden.
Das Modell ermöglicht den Vögeln ein würdevolles Leben und hält zugleich die Strassen sauber.

https://stadttauben.ch/der-verein/

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