In den 1970er- und 1980er-Jahren, einer Zeit politischer Repression und massiver gesellschaftlicher Spannungen, erlebt die kongolesische Rumba ihre Blütezeit. Mit ihren warmen Melodien, tänzerischen Rhythmen und hypnotischen Gitarrenphrasen wird das Genre zum kulturellen Aushängeschild des noch jungen afrikanischen Staates. Die Musik wird zum Symbol nationaler Identität, gleichzeitig aber auch ausserhalb der Landesgrenzen gefeiert und nachgeahmt. Mehr erfährst du in der ganzen Sendung.
Zwischen Kolonialgeschichte und kultureller Emanzipation
Obwohl die kongolesische Rumba später als Musik der Unabhängigkeit gefeiert wird, reichen ihre Wurzeln weit in die Kolonialzeit zurück. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelangen kubanische Schallplatten in den damaligen Belgisch-Kongo und inspirieren eine neue Generation kongolesischer Musiker*innen. Die ursprüngliche kubanische Rumba ist wiederum selbst ein Produkt westafrikanischer Musiktraditionen, die durch den transatlantischen Handel mit versklavten Menschen nach Amerika gelangten. Die neu entstandene kongolesische Rumba entwickelt sich noch vor dem Abzug der belgischen Kolonialmacht zu einem Ausdruck kultureller Identität und eines wachsenden afrikanischen Selbstbewusstseins. Nach der Ermordung des Revolutionärs und Freiheitskämpfers Patrice Lumumba übernimmt General Mobutu Sese Seko die Macht im neu unabhängigen Land. Als Teil der staatlich geförderten Politik der „Authenticité“, welche das Land von kolonialen Strukturen befreien und afrikanische Traditionen stärken soll, unterstützt er auch die Rumba. Musikalisch zeichnet sich das Genre durch komplexe, synkopierte Rhythmen, vielschichtige Perkussion sowie melodische Bass- und Gitarrenlinien aus. Charakteristisch sind zudem Call-and-Response-Muster zwischen Solostimme und Chor.
Feministische Perspektiven
Obwohl Frauen im kongolesischen Rumba eher die Ausnahme als die Regel darstellen, prägen sie das Genre schon früh mit. Mbilia Bel wird Anfang der 1980er-Jahre als Sängerin der Band Afrisa International bekannt. Mit ihrer eleganten, zugleich kraftvollen und zarten Stimme erhält sie den Beinamen „Queen of Rumba“. Ihre Lieder behandeln Liebesbeziehungen, erzählt aus einer starken und selbstbewussten weiblichen Perspektive. Ein Beispiel dafür ist der Song „Eswi Yo Wapi“, in dem sie einen ehemaligen Partner zurückweist. Im Stück „Lisanga Bambanda“ kehrt sie traditionelle Geschlechterrollen vollständig um. Sie singt darüber, wie sie das Herz eines Mannes erobert hat und sich gegenüber zahlreichen anderen Frauen im Kampf um seine Gunst durchsetzt. Der Mann wird dabei zum Objekt weiblicher Begierde.
Playlist
Mbilia Bel - Eswi yo wapi
M'Pongo Love - Bakake
Tshala Muana - Nasi-Nabali
Sam Mangwana - Transberos
Tshala Muana - Seli Pere
Les Pionniers De La Musique Congolaise De Leopoldville À Kinshasa - Bolingo Y'a La Joie
Les Pionniers De La Musique Congolaise De Leopoldville À Kinshasa - Youyou
Les Pionniers De La Musique Congolaise De Leopoldville À Kinshasa - Nabanzaki
Mbilia Bel - Lisanga bambanda
Mbilia Bel - Kelhia
M'Pongo Love - Basongueur
M'Pongo Love - Déception d'amour
Tshala Muana - Man wenu
Tshala Muana - Sitambili
Yondo Sister - Bazo
Yondo Sister - Duniya
Sam Mangwana - Toujours ok