Intravinyl

Once Upon a Time in Cabo Verde - Part 1: Memória

Verankert in einer Geschichte, geprägt von kolonialer Ausbeutung und sozialer Misere, bildet die Morna weniger ein einheitliches Musikgenre als vielmehr eine Vielfalt an Ausdrucksformen, die sich alle auf eine geteilte traumatische Erfahrung beziehen. Ihre Ursprünge hat die Morna auf den Kapverden, einem Archipel aus zehn vulkanischen Inseln einige hundert Kilometer vor der Atlantikküste Afrikas. Aufgrund von teils erzwungener Migration ist die kapverdische Diaspora heute grösser als die Bevölkerung des seit 1975 unabhängigen Inselstaats. So hat auch die Morna längst ihren Platz in allen erdenklichen Winkeln der Erde gefunden. Mehr erfährst du in der ganzen Sendung:

Die Stimme eines verlorenen Zuhauses

Im 15. Jahrhundert entdecken europäische Seefahrer die damals noch unbewohnten Inseln von Kap Verde. Schnell entwickelt sich die Inselgruppe zum Schauplatz eines der grössten Verbrechen der Menschheitsgeschichte: dem transatlantischen Handel mit versklavten Menschen. Über die Jahrhunderte etabliert sich eine Gesellschaft, geprägt von einer strengen Hierarchie; an der Spitze stehen die europäischen Kolonialangehörigen, an der untersten Schicht teils versklavte westafrikanischstämmige Menschen. Gleichzeitig bildet sich durch den Kontakt zwischen portugiesischen und westafrikanischen Einflüssen eine einzigartige kreolische Kultur, die sich nicht nur in der Musik, sondern auch in einer neuen Sprache, dem kapverdischen Kreol, zeigt. Ein zentrales Element der kapverdischen Geschichte ist die Migration. Die Erfahrung von Trennung und Heimatverlust findet im Begriff Sodade Ausdruck, der gleichzeitig die treibende Kraft hinter den Morna-Klängen ist. Sodade beschreibt eine tiefe Sehnsucht nach etwas Verlorenem oder nicht mehr Anwesendem – sei das ein geliebter Mensch oder die weit entfernte Heimat.

Barfuss und furchtlos

Die zweifelsohne bedeutendste Interpretin der Morna ist Cesária Évora. Geboren als eines von sieben Kindern einer Köchin und eines Geigers, wächst sie in Armut auf. Nach dem Tod des Vaters wird die Mutter durch die prekären Umstände gezwungen, ihre Tochter in ein Waisenhaus zu schicken. Mit 16 singt Cesária Évora in den Bars ihrer Heimat, der Hafenstadt Mindelo. Sie geniesst schon bald lokales Ansehen und nimmt erste Songs fürs Radio auf. Ihr Privatleben ist turbulent: Sie heiratet dreimal und lässt sich ebenso oft scheiden; von ihren drei Kindern erlebt nur eines das Erwachsenenalter. Évora stürzt in den 70er-Jahren in eine tiefe Depression und verfällt dem Alkoholismus. Sie zieht zwischenzeitlich zurück zu ihrer Mutter, bis ein Anruf in den 80er-Jahren sie aus ihren – wie sie selbst sagt – dunklen Jahren befreit. Sie erhält eine Einladung, um in Lissabon an einer Compilation mitzuwirken. Dort wird sie, inzwischen über 40, von Musikproduzenten entdeckt. Ihre Alben feiern unerwartet grosse Erfolge. Cesária Évoras zarte, gefühlsgeladene, klagende Stimme wird weltbekannt. Auf der Bühne stets barfuss und oft mit einer Zigarette – den Alkohol gibt sie aus gesundheitlichen Gründen später im Leben auf – wird Évora neben „Queen of Morna“ auch „The Barefoot Diva“ genannt.

Playlist

Os Tubarões - Sombras di Distino

Cesária Evora - Cabo Verde

Ana Firmino - Chico Malandro

Bau - Raquel

Bau - Luz Dum Estrela

Cesária Evora - Sodade

Cesária Evora - Flôr di nha Esperança

Cesária Evora - Paraiso di Atlantico

Cesária Evora - Bia

Cesária Evora - Angola

Cesária Evora - Lua Nha Testemunha

Cesária Evora - Cabo Verde Mandá Mantenha

Cesária Evora - Mar Azul

Bau - Nha Morgadinha

Ana Firmino - Carta de Nha Cretcheu

Ana Firmino - Boa Viagem

Ana Firmino - Ó Bernardo

Tito Paris - Otilia/Otilio

Tito Paris - Mãe Querida

Tito Paris - Dança Ma Mi Criola

Os Tubarões - Stranger Ê Um Ilusão

Os Tubarões - Alto Cutelo

Os Tubarões - Labanta Braço


Weitere Beiträge

Alle Beiträge anzeigen →
Wir verwenden Cookies um die Performance unserer Website zu messen. Möchtest du diese Cookies akzeptieren?