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Jordana LeSesne - Jungle, Identität und Widerstand

Von Wendy Carlos über Sophie bis zu Arca. Die Liste der Namen wegweisender Transkünstlerinnen im Bereich der elektronischen Musik ist lang. Eine Person, die in solchen Diskussionen oft unterzugehen droht, ist Jordana LeSesne. In den 90er-Jahren wird sie zu einer prägenden Figur der amerikanischen Drum-&-Bass-Szene. Ihr persönlicher Kampf gegen Rassismus und Transfeindlichkeit widerspiegelt sich nicht zuletzt auch in ihren teils ätherisch-träumerischen, teils konfrontativ radikalen Klanglandschaften. Hör rein!

Ein Alien ist gelandet

Mit der Wahl Bill Clintons 1992 entwickelt sich in vielen Teilen der USA ein vorsichtiger gesellschaftlicher Optimismus. Es ist das Zeitalter des aufkommenden Internets und einer neuen global agierenden Musikbewegung, welche sich nirgends so klar zeigt wie in der Rave- und Clubkultur. Techno gibt in den 80er-Jahren aus Detroit die ersten Impulse, in Berlin entsteht Trance und in Grossbritannien feilen Jugendliche aus der afro-karibischen Diaspora an einer neuen, schnelleren und vor allem energetischeren Musik: dem Jungle, aus welchem sich später Drum & Bass entwickelt. Die Klänge von Goldie, A Guy Called Gerald und Co. schaffen es dann auch in die Hörkanäle einer jungen schwarzen Frau aus Pittsburgh.

Jordana LeSesne hat eine schwierige Jugend. Schon früh ist sie sich ihrer Transidentität bewusst. Heimlich beginnt sie mit ihrer Geschlechtsangleichung, immer wieder gerät sie in familiäre Konflikte. In der Rave-Szene findet sie zunächst einen kreativen Freiraum, in dem sie ihre Identität aushandeln kann. 1997 veröffentlicht sie ihr erstes Album When Worlds Collide unter dem Namen 1.8.7. Die Songs erzählen vom Aufeinandertreffen von Menschen mit Aliens, eine Allegorie über die Ausgrenzung, die sie selbst als schwarze Transperson erfährt.

Aus der Dunkelheit... 

Mit ihrem zweiten Album Quality Rolls erreicht Jordana 1998 ihren grössten Erfolg. Angetrieben auch durch das Musikvideo zum Song We Are Not Alone, welches vor der Jahrtausendwende auch auf MTV gezeigt wird – eine Premiere für eine Transfrau. Magazine wie Rolling Stone, Spin oder Mixmag schreiben über sie. Das liegt nicht zuletzt auch am etwas tanzorientierteren und clubtauglicheren Sound. Die Platte gilt als wegweisend für die amerikanische Drum-&-Bass-Szene. Jordana wird von der Musikpresse als erste US-Künstlerin bezeichnet, die den ursprünglich britischen Jungle-Sound vollständig meistert. Jordana ist auch heute noch als DJ und Aktivistin unterwegs. Up to date bleibst du auf ihrem Insta-Account!

Playlist

1.8.7 - Worlds Apart

1.8.7 - Wake Up

1.8.7 - Defcon 1

1.8.7 - When Worlds Collide

1.8.7 - Atmosphere

1.8.7 - Dragonfly

1.8.7 - Blue Shift

1.8.7 - Ghetto Style

1.8.7 - Synthetik

1.8.7 - Ghetto Style (West Philly Mix)

1.8.7 - Distant Storm Approaching

1.8.7 - 5am Rinse (Live From Steel City Jungle)

1.8.7 - Blue Nile

1.8.7 - Get Amped (215 Remix)

1.8.7 - Relax Your Mind

1.8.7 - Deep Stealth

1.8.7 - Rock The Party

1.8.7 - Unite

1.8.7 - Cross The Line

1.8.7 - Quality Rolls

1.8.7 - Stigma

1.8.7 - Reboot

1.8.7 - Jerusalem


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