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Engel und Langweile: Sound aus Osaka

Im Gegensatz zur japanischen Hauptstadt und ihrem hektischen industriellen Treiben ist Osaka bekannt für eine gemächlichere Atmosphäre, ihre Einwohner*innen gelten als freundliche, kreative – wenn nicht manchmal etwas verrückte – Menschen. Eine Stadt, die den genau perfekten Nährboden für eine florierende experimentelle Musikszene bietet. Wir gehen zwei einzigartigen Bands auf die Spur: zwischen Noise-Ekstase und Kraut-Hypnose. Mehr erfährst du in der ganzen Sendung.

Himmlisch, kreisend

Bereits in der Vergangenheit beleuchteten wir den Einfluss des Krautrock auf das Musikschaffen in Osaka. Die Künstlerin Phew war nicht nur inspiriert von der Musik von Bands wie Tangerine Dream oder Faust, sie nahm ihr Debütalbum beim legendären Kraftwerk- und Neu!-Produzenten Conny Plank auf und arbeitete eng mit Holger Czukay und Jaki Liebezeit von Can zusammen. Gegründet 1990 von der Sängerin und Bassistin Mineko Itakura und der Gitarristin Mine Nakao, orientiert sich auch Angel’in Heavy Syrup an den geradlinigen, kreisförmigen Klangatmosphären des Krautrock. Die zarten, verträumten Gitarren und ätherischen, echolastigen Vocals passen erstaunlich gut in die vom polyrhythmischen Schlagzeug geprägte Klanglandschaft.

Super, What?

Mit ihrer engen Zusammenarbeit mit Musiker und Produzent Jojo Hiroshige hatten Angel’in Heavy Syrup stets einen Fuss in der Noise-Szene Osakas. Diese wurde in den 80er-Jahren von der Band Hanatarash heimgesucht. Ihre Auftritte sind weniger Konzert als Angriff. Frontmann Yamantaka Eye bewegt sich während Konzerten mit einer Motorsäge ins Publikum oder demoliert mit einem Bagger gleich die ganze Venue. Nach der Auflösung von Hanatarash gründet er Boredoms. Auch hier gilt: Die Musik ist weniger Genuss als intensive, beängstigende physische Erfahrung – unvorhersehbare und bewusst konfrontative Klangzerstörung. Im Laufe der Jahre beginnt sich jedoch der Stil der Band zu verändern. Rhythmus, Wiederholung und kollektive Strukturen rücken in den Vordergrund. Tranceartige Patterns werden von gleich mehreren Drummern in höchster Präzision bis zur Ekstase repetiert – ein Wandel, der 1998 im Album Super æ kulminiert.

Playlist

ANGEL'IN HEAVY SYRUP - Breath of Life

ANGEL'IN HEAVY SYRUP - 花と夢

ANGEL'IN HEAVY SYRUP - Thirsty Land

ANGEL'IN HEAVY SYRUP - 僕だけが・・・

ANGEL'IN HEAVY SYRUP - Water Mind

ANGEL'IN HEAVY SYRUP - 春爛漫(Live at Larry's Blake,Los Angeles,U.S.A.,September 3rd 1993)bonus track

Boredoms - Super You

Boredoms - Super Are

Boredoms - Super Going

Boredoms - Super Coming

Boredoms - Super Are You

Boredoms - Super Shine

Boredoms - Super Good

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