Er war vieles: eine Stimme für die Schwachen und Unterdrückten, ein Schriftsteller mit Ironie und Raffinesse, ein Musiker, der mit seinen Kompositionen ein neues Zeitalter der arabischen Musik einläutete. Letzten Sommer ist Ziad Rahbani verstorben, Anfang dieses Jahres hätte er seinen 70. Geburtstag gefeiert. Von den frühen Stücken im Stil des traditionellen libanesischen Musiktheaters über die ansteckenden Grooves der frühen 70er-Jahre bis zu den späteren herzzerbrechenden Balladen – mehr über Ziads Werk erfährst du in der ganzen Sendung unten.
Die Geburt des arabischen Pop
Es sind keine schlechten Voraussetzungen, in die Ziad hineingeboren wird. Sein Vater Assi Rahbani und sein Onkel Mansour Rahbani sind die erfolgreichsten Komponisten des Libanon. Seine Mutter Nouhad Haddad, genannt Fairuz, ist bis ins heutige stolze Alter von 90 Jahren die bedeutendste Sängerin des arabischen Sprachraums. Der spätere Kommunist wächst privilegiert in einem wohlhabenden Vorort Beiruts auf. Ermutigt von Onkel und Vater steuert er im Teenageralter erste Melodien zu deren Theaterstücken bei. Mit 16 erkrankt Assi Rahbani schwer, Ziad tritt immer mehr in seine Fußstapfen. Noch nicht volljährig debütiert er auf der legendären antiken Theaterbühne in Baalbek mit einem eigenen Theaterstück. Der Durchbruch kommt dann aber mit Nazl El Sourour (dt. Hotel Glück), das eine enorme lyrische Tiefe besitzt und die religiösen und politischen Spannungen im Libanon der frühen 70er-Jahre gekonnt karikiert. In einem kleinen Plattenladen in Westbeirut beginnen sich seine Ohren für ihm noch völlig unbekannte Ideen zu öffnen. Zu seiner eigenen musikalischen Sprache findet Ziad schließlich 1978 mit der Platte Abu Ali.
Die Neuerfindung einer Ikone
Die Arbeiten an Abu Ali sind kostenaufwendig. Aufgrund des damals bereits seit drei Jahren andauernden libanesischen Bürgerkriegs lässt Ziad Rahbani alle mitwirkenden Musiker*innen, darunter ein Streicher- und Bläserensemble sowie den Sänger Joseph Sakr, ausfliegen, der auf der Platte für ganze vier Worte zu hören ist. Arabische Viertonmelodien treffen auf unwiderstehlich treibende Funk-Rhythmen und Synth-Lines. Zurück im Libanon widmet sich Ziad den Arbeiten an einer Platte für seine Mutter. Mit Wahdon kleidet er Fairuz in ein neues, modernes, kosmopolitisches Klanggewand und macht die Grand Dame der arabischen Musik gleichzeitig einem jüngeren Publikum zugänglich.
Playlist
Fairuz - Rah Nebqa Sawa
Fairuz - Mukadimah '84
Ziad Rahbani - Sa'alouni El Nass
Ziad Rahbani - Moukadimat Sahriye
Ziad Rahbani - Prelude Theme From Mais Al Rim
Ziad Rahbani - Abu Ali
Fairuz - Ana Andy Haneen
Fairuz - Wahdon
Ziad Rahbani - Ana Moush Kafer - 2008 Remastered
Ziad Rahbani - Shou A’ada Ma Bada - 2008 Remastered
Ziad Rahbani - A’anitham - 2008 Remastered
Ziad Rahbani - Bala Wala Chi
Ziad Rahbani - Houdou Nisbi
Fairuz - Kifak Inta
Fairuz - Ma Kedert Neseet
Fairuz - Maarifti Feek
Fairuz - Oudak Rannan
Fairuz - Le Beirut
Ziad Rahbani - Shou Hal Ayyam - 2008 Remastered