Stooszyt

Unsichtbare Not - Frauen in der Obdachlosigkeit

Menschen auf der Strasse, du denkst auch nur an Männer? Das ist kein Zufall, denn Frauen welche in denselben Situationen sind, nehmen wir kaum wahr. Sie müssen sich besser verstecken und haben andere Probleme. Ich durfte mit Urs Schwab sprechen, er ist Betriebsleiter der Notschlafstelle in Luzern. Wie das in Luzern aussieht und warum die Not in Notschlafstelle ein grosses Gewicht hat, hörst du in dem Beitrag.

In der Schweiz sind rund 2'200 Menschen Obdachlos, davon 374 Frauen. Dies schätzt eine SNF Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz von 2022. Die Heilsarmee geht aber davon aus das die Anzahl der Frauen in Wirklichkeit höher ist.

Laut einem Beitrag der Heilsarmee nehmen viele Frauen häusliche Gewalt und Missbrauch in Kauf, um nicht auf der Strasse leben oder schlafen zu müssen. Dies nennt man verdeckte Wohnungslosigkeit. Dies Aufgrund der vielen Gefahren, welche sie auf der Strasse antreffen.

  • Sie sind einem hohen Risiko für körperliche und sexuelle Übergriffe, Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt.  Es gibt auch Situationen, in denen sie Geschlechtsverkehr für eine Unterkunft nutzen.
  • Viele Betroffenen haben eine vorgeschichte mit Gewalt oder Missbrauch, häufig schon in jungen Jahren. Die Obdachlosigkeit verschärft bestehende psychische Probleme. Hierbei fehlt es an psychiatrischen Hilfsangeboten.
  • Bestehende Notunterkünfte sind oft nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von Frauen, insbesondere Müttern mit Kindern, abgestimmt (z.B. fehlende Kinderbetreuung). Privatsphäre und spezifische Sicherheitsvorkehrungen fehlen weitgehend, deswegen möchten die Frauen deswegen die Hilfsangebote nicht nutzen.
  • Der Zugang zu guter Hygiene ist sehr schwer. Es gibt zu wenig Wasser, Duschen, Bäder und Periodenprodukte sind teuer und selten vorhanden.
  • Auch der Zugang zu geschlechterspezifische Gesundheitsangeboten wie Verhütungsmittel und Ärztliche Versorgung (auch spezifisch auf Schwangerschaft) sind sehr schwer.
  • Viele Betroffene fallen in ein Spirale. Die Obdachlosigkeit ist oft durch eine Trennung entstanden. Eine Trennung kann schwieriger sein für Frauen, da sie weniger finanzielle Mittel haben und für die Kinderbetreuung verantwortlich sind.

Spezielle Unterkünfte für Frauen

In Luzern gibt es die Notschlafstelle von Jobdach. Diese hat zwei Zimmer spezifisch für Frauen. Das spezielle an diesen Zimmern ist es, das man sie von innen abschliessen kann. Somit haben die Frauen zusätzliche Sicherheit und Privatsphäre. Weiter Massnahmen seien schwierig, so Urs im Interview. Vorstellbar sei jedoch spezifisch Angebote für Frauen zu gestalten, also zum Beispiel eine Notschlafstelle nur für Frauen. In Luzern gibt es bereits ein Frauenhaus, dies ist für Frauen welche häusliche Gewalt erleben. Die Struktur und der Aufbau dieses Hilfsangebot ist jedoch nicht für Frauen in der Obdachlosigkeit geeignet.

Aufenthalt in der Öffentlichkeit

In der Masterarbeit von Nathalie Warden mit dem Titel «Alltagsbewältigung von Frauen in Obdachlosigkeit» hat sie betroffene Frauen gefragt, was ihnen in dieser Lebenssituation helfen würde. Dabei sind verschiedene wünsche gefallen so wie Einzelzimmer, die Möglichkeit persönliche Gegenstände mitzunehmen oder einzulagern, die Bereitstellung von Hygieneprodukten und einen Aufenthaltsort während des Tages, welcher nicht in der Öffentlichkeit ist. Angebote wie die Notschlafstelle haben nur nachts geöffnet, das heisst Tagsüber müssen andere Orte gefunden werden.  In der SNF-Studie haben über die Hälfte der befragten Personen von Luzern gesagt, das es zu wenige Öffentliche Orte gebe, an denen sie sich wohlfühlen. Solche Orte sind schwierig zu finden. Für obdachlose Personen, welche eine Psychische Erkrankung haben gibt es Angebote, wo sie sich Tagsüber aufhalten können. Für Personen in einer Abhängigkeit gibt es die Gassenküche, doch für Personen, welche nicht in dieses Raster passen, für die ist es schwierig. «Nicht jedem ist es gegeben den ganzen Tag in der Bibliothek zu sitzen und Bücher zu lesen», erklärt mir Urs bei der Diskussion über Aufenthaltsorte in der Stadt.

Eine grosse Herausforderung ist es einen Schlafplatz in der Öffentlichkeit zu finden. Urs erklärt mir hier, dass es hauptsächlich Zwei Optionen gibt, verstecken oder im Mittelpunkt. Di Menschen überlegen sich, ob sie sich verstecken sollen, somit werden sie hoffentlich von niemandem gestört, es sieht aber auch niemand, falls ihnen was zustösst. Andererseits können sie sich dort aufhalten, wo sich viele Menschen aufhalten. Somit wäre jemand dort der ihnen helfen könnte, falls etwas passiert, andererseits werden sie aber auch als obdachlos gesehen, was Scham auslösen kann. Für solche Menschen gäbe es zu wenig Schutz im öffentlichen Raum.

Hilfsangebote

Wenn Menschen sich getrauen sich Hilfe zu holen und auch bei einer Notschlafstelle anzufragen, dann kann ihnen geholfen werden. Oft sei aber auch das Problem, das es en Mangel an Übergangsmöglichkeiten gibt, so die Heilsarmee. Ein weiteres Problem ist auch das Obdachlosigkeit sehr wenig erforscht ist, gerade auf die Bedürfnisse der Frauen ist nur wenig eingegangen worden. Es ist also schwierig passende Hilfsangebote zu schaffen wenn nicht ganz klar ist was gebraucht wird. Urs sagt am Schluss zu mir, es ist wichtig ein System zu schaffen in dem diesen Menschen geholfen werden kann, eine Notschlafstelle ist nur ein «Pflästerli» keine Lösung.

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