Stooszyt

Schwimmen, um Mauern einzureissen!

Viele Sportarten sind heute männerdominiert. Nicht aber das Synchronschwimmen. Beim Kunstschwimmen, wie es heute genannt wird, bewegen sich vor allem die Frauen im Wasser. Francesco Cosentino ist einer der wenigen Männer weltweit, die den Sport ausüben. Und er ist der einzige Mann, der für die Schweiz im Kader antritt. Eva Hirschi und Christof Schürpf haben seine Geschichte im Dokumentarfilm "Contro Corrente" erzählt.

Kunstschwimmen hat eine lange Geschichte. Schon 900 vor Christus finden sich Hinweise auf die Darbietung einer Art Tanz im Wasser bei den Griechen. Damals war der Sport jedoch nur Männern vorenthalten. Lange blieb das auch so und Frauen mussten der Tätigkeit im Geheimen nachgehen. Bei den ersten Kunstschwimm-Wettkämpfen Anfang der 1890er Jahre waren Frauen nicht zugelassen. Als sich der Sport im 20. Jahrhundert veränderte, gab es dann immer mehr Frauen im Kunstschwimmen. Das lag auch daran, dass sie durch ihren Körperbau eine günstigere Wasserlage haben. Schlussendlich führte dieser Erfolg zu einem Ausschluss der Männer aus dem Sport.
1984 Wurde das Kunstschwimmen olympisch. Zu diesem Zeitpunkt gab es kaum männliche Athleten, weshalb es für diese von Beginn an keinen Zugang zu den Olympischen Spielen gab.

Eine ungewöhnliche Geschichte

Einige Jahrzehnte später gibt es in der Schweiz einen jungen Athleten, der auf Kader-Niveau kunstschwimmt: Francesco Cosentino. Als er vor ein paar Jahren auf dem Campus Sursee an einem Wettkampf teilnimmt, wird der Luzerner Fotograf und Filmemacher Christof Schürpf auf den 17-Jährigen aufmerksam. Im Interview erzählt er, dass er es spannend fand, einmal eine Geschichte zu hören, bei der einem Mann Zugang verwehrt wird. Schürpf nennt es eine umgekehrte Gender-Geschichte. Auch Eva Hirschi war es wichtig, Francescos Geschichte zu erzählen. Es geht ihr unter anderem darum, zu beleuchten, dass so ein Ausschluss auch einen Mann betreffen kann. Gleichberechtigung und fehlende Inklusion müssen eben in vielen Bereichen thematisiert werden, meint Hirschi.
2024 waren Männer zum ersten Mal zugelassen, an den Olympischen Spielen im Kunstschwimmen teilzunehmen. Ein Durchbruch, für den Sportler wie Francescos Vorbild Giorgio Minisini so lange gekämpft hatten. Doch die Enttäuschung kam schnell: kein einziger Mann wurde nominiert.

Soziale Ausgrenzung

Francesco hat bereits als Kind mit dem Kunstschwimmen begonnen. Damals hatte sogar sein eigener Vater Vorurteile gegenüber dem Sport. Er erzählt im Film, dass er das Hobby seines Sohnes zuerst für unanstrengend und einfach hielt. Diese Meinung warf er aber schnell über Bord, als er bei den Wettkämpfen von Francesco eines Besseren belehrt wurde. Francescos Vater ist jedoch nicht der Einzige, der Vorurteile gegenüber männlichen Kunstschwimmern hat. Eva Hirschi und Christof Schürpf sprechen im Interview auch über die soziale Ausgrenzung, die der 17-Jährige erfährt. Er hat es in seinem Team schwerer, sich zu integrieren, und auch von aussen erfährt er immer wieder Ablehnung. Trotzdem bleibt Francesco Cosentino aber seinem Traum treu und tut alles, um seine Ziele zu erreichen.

Der ganze Film ist jetzt auf Play SRF verfügbar. 

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