Stooszyt

"Geboren werden" - Reden wir über Geburt

Eine Geburt ist das Natürlichste überhaupt. Trotzdem redet man in der Gesellschaft kaum darüber. 

Wir haben die Ausstellung "Geboren werden" im Haus zum Dolder in Beromünster besucht. Dabei konnten wir auch mit der Kuratorin der Ausstellung, Laura Stoffel reden. Sie erzählte uns, wie sie auf die Idee kam, eine Ausstellung über das Thema Geburt zu machen. Bei der Geburt ihrer zweiten Tochter war eine Hebamme anwesend, die die Geburt fotografierte. Als Laura Stoffel die Bilder danach ansah, war sie überrascht:

"Ech han de Blick vo dere Hebamme uf die Geburt so faszinierend gfunde, die Rohheit... was die alles fotografiert hed.."

Die Rohheit, mit welcher die Hebamme die Geburt betrachtete, hat Laura beeindruckt. Diese Bilder hätten ihr Verständnis vom Prozess der Geburt stark geprägt. Denn die Bilder waren so anders, als was man im Internet sieht, wenn man nach Bildern einer Geburt sucht. Nach dieser Erfahrung hat sie begonnen an ihrer Idee zu arbeiten - mittlerweile ist die Ausstellung schon viel grösser als eigentlich erwartet. Das Thema beinhalte so viele Diskurse die gehört werden sollten - und gehört werden wollten. 

Frauenthema

Eine Geburt sei das alltäglichste Thema, trotzdem wird es an den Rand unserer Aufmerksamkeit gedrängt. Wie werden wir geboren? Wo werden wir geboren? Das sind Themen die man besprechen sollte - und nicht erst im Moment, in dem man schon mittendrin ist. Auf die Frage, wieso denn nicht darüber gesprochen wird, meint Laura; es sei ein Frauenthema. 

Wie gestalten wir Geburt heute? Was stellt man sich unter einer "guten Geburt" genau vor? Welche Rollen spielen Selbstbestimmung, Sicherheit und gesellschaftliche Erwartungen? Die Ausstellung macht neue Perspektiven Sichtbar und regt zum Nachdenken an. Neben Geschichten und Bildern gibt es auch interaktive Elemente, wie zum Beispiel einen Schwangerschaftsbauch, den man anziehen kann.

Das geschichtsträchtige Haus

Die Ausstellung befindet sich momentan im Haus zum Dolder in Beromünster. Ab 1900 wohnten drei Generationen von Ärzten im Haus. Als dritter Arzt wirkte Dr. Edmund Müller jun. von 1930 bis zu seinem Tod 1976 als Gynäkologe. In den oberen Stöcken des Hauses sieht man die alte Arztpraxis - als wäre sie all die Jahre nicht mehr berührt worden. Wie man das Thema Gebären in der Gesellschaft anschaut, verändert sich jedoch konstant. Bis ins 19. Jahrhundert war es üblich, das man zu Hause gebärt. Ab dann erlebte die Geburtshilfe einen radikalen Wandel: Die Geburt entwickelte sich von einem traditionellen Ergebnis zu Hause hin zu einer akademisch und medizinisch kontrollierten Disziplin. Doch momentan gibt es immer mehr Menschen, die sich wieder für eine Hausgeburt entscheiden.

Laura Stoffel erklärt uns, das sie eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen möchten mit der Ausstellung. Für junge Frauen und auch Männer ist es sicher interessant, auch für Familien, oder Paare die Kinder erwarten - aber auch für ältere Menschen, die vielleicht genau in den 70er Jahren geboren haben und den Wandel des Gebärens in der momentanen Zeit erfahren möchten. Das Thema betrifft schlussendlich auch jede einzelne Person - ob man nun selbst gebärt oder nicht - geboren worden sind wir schlussendlich alle. 

Die Ausstellung "Geboren werden" befindet sich noch bis am 29. November im Haus zum Dolder in Beromünster.

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