Nicht die schreiende Hexe. Nicht der Grund für das Ende der Beatles. Sondern Yoko Ono: Avantgarde-Künstlerin, Songwriterin, Filmmacherin, Performancekünstlerin und Aktivistin. In der heutigen Intravinyl-Sendung gibt es eine neue Gruppendynamik. Gabriel und Victoria nehmen sich gemeinsam die Geschichte von Yoko Ono vor und wollen sie einmal nicht durch die runde Brille von John Lennon erzählen.
Bevor sie "Mrs. Lennon" wurde
Yoko Onos Geschichte beginnt nicht in einem Tonstudio neben John Lennon, sondern in der New Yorker Kunstszene der 1960er-Jahre. Dort experimentiert sie mit allem, was Kunst sein kann: mit Sprache, Zufall, Bewegung, Stille und dem Publikum selbst. In ihrem Künstlerbuch Grapefruit werden aus kurzen Anweisungen kleine Kunstwerke, bei Cut Piece wird das Publikum selbst Teil einer Performance. Ono will nicht einfach etwas zeigen, sie will etwas auslösen.
Diese Lust am Experimentieren nimmt sie auch mit in ihre Musik. Radikale Klangexperimente, ungewöhnliche Stimmperformances und später immer zugänglichere Songs zeigen, wie vielseitig Ono als Musikerin ist.
Eine Stimme, die bleibt
Auch wenn John Lennon später zu einem wichtigen Teil von Yoko Onos Geschichte wird, darf man dabei nicht vergessen, dass sich hier zwei bereits etablierte Künstler begegnen. Beide bewundern die Arbeit des anderen und beeinflussen sich gegenseitig. In der öffentlichen Wahrnehmung wird diese Beziehung allerdings schnell auf eine ganz andere Geschichte reduziert, und Ono steht plötzlich stärker im Schatten ihres berühmten Partners.
Gemeinsam arbeiten sie an Musik, Kunst und Performances und veröffentlichen 1980 das Album Double Fantasy. Das Besondere: Die Songs sind 50/50 zwischen den beiden aufgeteilt und wechseln sich konstant ab: Auf einen Song von John folgt einer von Yoko. So entsteht fast ein musikalisches Gespräch zwischen zwei eigenständigen Stimmen.
Doch Yoko Onos Geschichte endet nicht mit Lennons Tod. Sie bleibt nicht stehen und wird nicht einfach zur trauernden Witze eines berühmten Musikers. Im Gegenteil: Sie macht weiter. Der Song "Walking on Thin Ice", an dem sie und Lennon noch am Tag seiner Ermordung gearbeitet hatten, wird 1981 veröffentlicht. Danach folgt Milk and Honey, das die gemeinsame Arbeit von 1980 weiterführt. Yoko Ono bleibt nach Lennons Tod nicht einfach stehen, sondern macht in den folgenden Jahrzehnten als Musikerin, Künstlerin und Aktivistin immer weiter.
Gerade darin liegt vielleicht eine der beeindruckendsten Seiten ihrer Geschichte: Trotz Verlust, öffentlichem Druck und jahrelangem Hass bleibt sie ihrer Vision treu und lässt sich nicht auf eine Rolle festlegen. Yoko Ono war nie nur Mrs. Lennon. Sie war immer Yoko Ono.
Playlist
Yoko Ono - Mrs. Lennon
Yoko Ono - Why
Yoko Ono - Greenfield Morning I Pushed an Empty Baby Carriage All Over the City
Yoko Ono - Mindtrain
Yoko Ono - Don’t Worry Kyoko (Mummy’s Only Looking for a Hand in the Snow)
Yoko Ono - Midsummer New York
Yoko Ono - Touch Me
Yoko Ono - Death of Samantha
Yoko Ono - Woman Power
Yoko Ono - Yang Yang
Yoko Ono - We're All Water - Remastered 2010
Yoko Ono - Sisters, O Sisters - Remastered 2010
Yoko Ono - Kiss Kiss Kiss - Remastered 2010
John Lennon - I'm Losing You - Remastered 2010
Yoko Ono - I'm Moving On - Remastered 2010
Yoko Ono - Sleepless Night - Remastered 2010
Yoko Ono - Don't Be Scared - Remastered 2010
Yoko Ono - Walking on Thin Ice
Lolita - Sarandonga