Im Zeitalter des wilden, dreckigen und ungehemmten Grunge schufen die frühen Slowcore-Pioniere ein Paralleluniversum. Anstelle von punkigen, testosterongeladenen Bar-Hymnen und wilden Bühnenperformances sorgten sie – dem Namen entsprechend – für Entschleunigung. Nur ist die Genrebezeichnung Slowcore auch heute noch hoch umstritten. Nicht nur umfasst die Bezeichnung Bands, die in völlig unterschiedlichen Gegenden des Landes unterwegs waren, auch stilistisch sind die Unterschiede teils gigantisch. Was diese Bands vereint und warum Slowcore gerade bei Gen Z so gut ankommt, erfährst du in der vollen Sendung.
Conan's Drums
Und wieder haben wir es mit einem Rockgenre zu tun, dessen Wurzeln zu den altbekannten Gottheiten des frühen Alternative Rock führen: The Velvet Underground. Auf ihrem zweiten Album setzten die New Yorker Weirdos den Grundstein für das, was zwanzig Jahre später Slowcore werden sollte. In Songs wie "Jesus" oder "Pale Blue Eyes" arbeitet die Band mit heruntergeschraubten Tempi und melancholischem, leisem Gesang. Das Arrangement ist minimal, der Mix lässt den verschiedenen Instrumenten viel Raum. Fasziniert von diesen Klängen gründen drei Harvard-Student*innen 1987 die Band Galaxie 500. Die Gitarren werden von einem reichen Freund gesponsert, das Schlagzeug von Mitstudent und späterem Comedy-Superstar Conan O’Brien ausgeliehen. Über ein paar Jahre entstehen drei Alben. Virtuose Gitarrensoli sucht man vergeblich, dafür trieft die Musik von Galaxie 500 vor rohen Emotionen. Zerbrechliche Vocals treffen auf hypnotische Rhythmen und Gitarrenmelodien voller Reverb.
Kodein und Bettkopf
Die Musik war zwar langsamer als das meiste, was in der damaligen Rockszene existierte, aber nicht immer ruhiger. Codeine aus New York zum Beispiel überzeugen mit überwältigenden Gitarrenwellen, die immer wieder aufs Neue in sich zusammenkrachen. Der Bandname verleiht den Themen hinter den Songs Ausdruck. Depressionen, Einsamkeit und Herzschmerz dominieren die Lyrics. Kein Wunder, dass gerade Bands wie Codeine heute auch als Sadcore kategorisiert werden. Ähnlich bedrückend sind auch die Songs von Bedhead. Gegründet von den beiden Brüdern Matt und Bubba Kadane war Musik für sie eine Form der Realitätsbewältigung. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters verpackten sie ihre Trauer und ihren Frust in ihr erstes Album *WhatFunLifeWas*.
Playlist
Codeine - Sea
Mazzy Star - Take Everything
Galaxie 500 - Snowstorm
Galaxie 500 - Blue Thunder
Codeine - D
Codeine - Loss Leader
Bedhead - Liferaft
Bedhead - Bedside Table
Duster - Topical Solution
Duster - The Queen of Hearts
Low - Words
Low - Lazy
Ida - 95 North
Ida - Back Burner
Cat Power - Moonshiner
Cat Power - Metal Heart
Lisa Germano - Geek The Girl
Lisa Germano - Cry Wolf
The American Analog Set - Diana Slowburner II
Slint - Washer