Modertion & Redaktion: Maurício Martins Rodriguez
Moderation: Julia Sorrentino
Jeder kennt es. Man spricht im privaten Kreis über ein Produkt und kurz darauf erscheint die passende Anzeige auf Instagram oder TikTok. Doch hören uns diese Apps wie Meta oder Google tatsächlich heimlich über das Smartphone-Mikrofon ab?
Sowohl der Chaos Computer Club (CCC) als auch Experten der TU Berlin halten einen heimlichen Lauschangriff für Werbezwecke für höchst unwahrscheinlich. Die Gründe sind primär ein technisches Problem: Die Datenmenge, die durch eine permanente Audio-Überwachung von Millionen von Menschen entstehen würde, wäre gigantisch und nicht effizient filterbar. Zudem würde eine solche Aktivität den Akku des Smartphones massiv beeinflussen. Untersuchungen des Datenverkehrs konnten bisher keine verdächtigen Uploads von Audiomaterial nachweisen.
Warum passt die Werbung dann trotzdem? Naja, wenn wir uns mit Freunden treffen, registrieren manche Apps über GPS unsere Nähe zueinander. Sucht ein Freund in einen Zeitraum nach einem Produkt, wird dieses oft auch seinem restlichen Umfeld angezeigt. Eine Studie der Universität Stanford zeigte im Jahr 2015, dass ein Algorithmus nach etwa 300 Likes die Persönlichkeit eines Nutzers genauer einschätzen kann als dessen Lebenspartner. Die KI berechnet also unsere Bedürfnisse, bevor wir sie selbst haben.
Oft ist das Ganze auch einfach psychisch. Unter dem Begriff "kognitive Verzerrung" (oder Baader-Meinhof-Illusion) beschreibt man das Phänomen, dass wir Sachen erst dann bewusst wahrnehmen, wenn wir kürzlich darüber gesprochen haben. Die Werbung war möglicherweise schon Wochen lang in der App, wurde von uns aber erst nach einem Gespräch als relevant markiert.
Ein heimlicher Mikrofonzugriff durch Unternehmen ist rechtlich riskant und technisch nicht ganz nachweisbar. Die Apps kennen uns durch unsere Daten so gut, dass sie gar keine Tonaufnahmen brauchen.