Luzern ist eine überschaubare Stadt. Die kleine Grösse und die Naturnähe machen die Stadt attraktiv fürs Velofahren. An der Infrastruktur fehlt es jedoch. Viele Strassen bieten keine Sicherheit für alternative Verkehrsmittel wie Fahrräder. Kinder und Jugendliche sieht man kaum auf den Radwegen. Till Hofstetter von Pro Velo Luzern will Veränderung.
Bei der Bushaltestell Unterlöchli bei Ebikon ist eine Velospur einfach verschwunden. Das ist in Luzern kein Einzelfall. Die wenigen Spuren, die es gibt bieten kaum Sicherheit vor dem Strassenverkehr und verschwinden teilweise. Im Vergleich zu anderen schweizer Städten sieht Till Hofstetter vom Verband Pro Velo in Luzern noch Verbesserungspotential. Er findet, die Stadt bewege sich in Sachen Fahrradfreundlichkeit eher unter dem Durchschnitt. Das liege aber nicht an mangelndem Wille. Till sieht in Luzern ein starkes Bedürfnis nach Mobilität mit dem Velo. Laut Studien sind rund 60% der Bevölkerung daran interessiert, vermehrt das Fahrrad zu nehmen. Aber nur etwa acht Prozent trauen sich dazu regelmässig.
Ein Vorhaben mit Grundlage
Die Grundlage für eine besser Förderung des Veloverkehrs ist gelegt. 2018 hat die schweizer Stimmbevölkerung mit 74% für den "Bundesbeschluss Velo" gestimmt. Dieser setzt den Grundstein für das nationale Veloweggesetz, dass Anfang 2023 in Kraft trat. Das Veloweggesetz verpflichtet den Bund und die Kantone zur stärkeren Berücksichtigung des Veloverkehrs. Das auch im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Klimakrise.
Die Kantone müssen laut Gesetz Pläne zu Velowegnetzten erarbeiten, das innerhalb von fünf Jahren. Und dass diese Arbeit fristgerecht gemacht wird, will Pro Velo in Luzern sicherstellen. Gerade in der Innenstadt stellen unter anderem die Seebrücke eine Gefahrenzone dar.
"Kinder müssen selbständig Velofahren können"
Für Till Hofstetter, der in Zürich Verhekrsingenieurswesen studiert hat, war das Velofahren schon immer seine liebste Art der Fortbewegung. Er will aber nicht alleine auf den Strasse unterwegs sein. Till würde auch gerne mehr Kinder und Jugendliche velofahren sehen. Der Luzerner sei in seiner Jugend immer mit dem Fahrrad in die Kantonsschule gefahren. Er verstehe aber, dass es gerade für Kinder oftmals einfach zu gefährlich sei, auf den luzerner Strassen.
Sichere Velowege bedürfen einer baulichen Abtrennung. Ab 15'000 motorisierten Fahrzeugen pro Tag, die auf einer Strasse verkehren, besagen das die Kantonalen Standards. Diese Zahl ist in Luzern vielerorts längst erreicht, oder sogar weit übertroffen. Auf befahrenen Kantonsstrassen reicht eine einfache Markierung zur Kennzeichnung also nicht aus.
Vorbild Niederlande
Pro Velo arbeitet in Luzern motiviert daran, dass mehr Menschen sich für das Velo entscheiden können. Vorbild dabei ist immer die Niederlande, wo der Veloverkehr bereits so etabliert ist, dass Radfahrer:innen sogar Vortritt geniessen. Ob wir jemals bei diesem Level ankommen, ist für Till nicht fraglich. Jedoch hat das Vorerst auch nicht Priorität. Die über 3000 Mitglieder von Pro Velo Luzern engagieren sich tatkräftig und verschaffen den Wünschen der Bevölkerung Gehör. Till Hofstetter sieht Potential in der Masse. Je mehr engagierte Velofahrer:innen es gibt, desto schneller passiert ein Fortschritt.