Mode die Fehler zulässt
Selbstbedruckte Stoffe, kleine Auflagen und bewusst unperfekte Designs: Immer mehr junge Modelabels setzen auf Individualität statt auf Massenproduktion. Eines davon ist Clair Clothing. Seit Juni 2025 baut Gründerin Cassie ihr eigenes Label auf, das neben Studium und Job. Was als Frustreaktion begann, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einer klaren Vision von Mode, die persönlich und nahbar ist.
Die Idee für ein eigenes Label begleitete Cassie schon länger. Den entscheidenden Anstoss gab jedoch eine Phase der Unzufriedenheit im Job. Sie wusste, dass sie kündigen wollte, gleichzeitig hatte sie aber noch keine Alternative. Genau dieser Moment hat sie dazu gebracht, ihr eigenes Projekt umzusetzen.
Kleine Drops statt Massenware
Was Clair Clothing von vielen anderen Labels unterscheidet, ist das Prinzip der limitierten Kollektionen. Statt grosse Mengen zu produzieren, setzt Cassie auf kleine Drops mit meist nur zwei Designs. Pro Design entstehen rund 50 Stück, sind diese ausverkauft, folgen neue.
Dieses Konzept schafft nicht nur Exklusivität, sondern reduziert auch Überproduktion. Einzelne Designs können zwar zurückkehren, grundsätzlich bleibt das Sortiment aber bewusst klein und wechselnd.

Ein zentrales Element von Clair Clothing ist der Siebdruck. Lange hat Cassie alle Stücke selbst bedruckt. Mit wachsender Erfahrung verbesserten sich Technik und Resultate, kleine Fehler gehören jedoch weiterhin dazu. Für die neueste Kollektion, die anfangs Juni erscheint, arbeitet sie neu mit einer kleinen Druckerei aus Zürich zusammen. Auch dort erfolgt die Produktion von Hand in einem familiären Umfeld.
„Unique Pieces“
Aus kleinen Produktionsfehlern entstand eine eigene Kategorie im Online-Shop: die „Unique Pieces“. Stücke mit minimalen Makeln werden dort zu einem reduzierten Preis angeboten.
Die Idee dahinter ist pragmatisch und nachhaltig zugleich. Statt fehlerhafte Kleidung zu entsorgen, erhalten die Teile eine zweite Chance. Gleichzeitig profitieren Kund*innen mit kleinerem Budget. Dass die kleinen Unregelmässigkeiten viele kaum stören, bestätigt den Ansatz zusätzlich.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Labels ist der direkte Austausch mit der Community. Cassie bezieht ihre Kund*innen aktiv in den kreativen Prozess ein, etwa durch Umfragen zu neuen Designs.
Dieser Dialog hilft ihr nicht nur bei der Planung neuer Kollektionen, sondern stärkt auch die Verbindung zur Marke. Die Balance zwischen eigenem Geschmack und den Wünschen der Community spielt dabei eine zentrale Rolle.