Zwischen Ukraine und Schweiz: Die Suche nach Heimat
Heimat. Ein Wort das oft gebraucht wird, aber schwer zu erklären ist. Für die einen ist es ein Ort, für andere eine Sprache, eine Familie oder ein Gefühl. Aber was passiert mit dem Gefühl von Heimat, wenn man sein Land plötzlich verlassen muss?
Dasha und Timur, zwei Junge Menschen aus der Ukraine die seit vier Jahren in der Schweiz leben berichten uns von ihrer Suche nach der Heimat. Sie sind vor dem Krieg geflüchtet und haben sich in der Schweiz ein neues Leben aufgebaut. In der Schweiz und in ganz Europa wird immer mehr über Zuwanderung diskutiert, doch wir haben uns etwas anderes gefragt:
Wo oder wie fühlt sich Heimat für sie jetzt eigentlich an?
In sehr jungem Alter das Heimatland zu verlassen und in einem komplett anderen Land erwachsen zu werden, wie fühlt sich das an? Wo fühlt man sich zugehörig, wo fühlt man sich zuhause?
Als Anfang berichteten Dasha und Timur von ihrem ersten Eindruck der Schweiz. Dasha erzählt, das die Schweiz für sie bei der Ankunft sehr grau und trist gewirkt hatte. Dennoch war ihr die Schweiz nicht fremd, sie war sogar schonmal in den Ferien in der Schweiz. Timurs erster Eindruck war dagegen sehr positiv, er fand alles sehr schön, als er mit dreizehn Jahren in die Schweiz kam.
Trotz unterschiedlicher erster Eindrücke, haben sich beide sehr gut eingelebt. Timur macht eine Lehre als Automechaniker und Dasha als Dentalassistentin. Natürlich gäbe es auch Vieles, was sie aus der Ukraine vermissen. Timur ist ehrlich mit uns und erklärt, dass er seine Familie und seine Stadt Odessa vermisst. Auch Dasha vermisst ihre Familie, ihr Vater und die Grosseltern sind in der Ukraine. Wenn nicht nur die Identität, sondern auch die Familie zwischen zwei Ländern liegt, macht das die Frage um die Heimat noch schwieriger, als sie sowieso schon wäre.
Odessa, Ukraine | Quelle: Bild TimurBei der Frage, wo denn jetzt seine Heimat sei, muss Timur zuerst überlegen, nach kurzer Zeit erzählt er uns, dass er sich inzwischen in der Schweiz mehr zuhause fühlt. Auch Dasha sagt, dass sie sich nicht mehr "richtig" fühlt in der Ukraine.
Wenn der Krieg zuende wäre, würden beide lieber in der Schweiz bleiben, solange das möglich sei. Momentan wird in ganz Europa immer mehr über Migraton diskutiert, auch in der Schweiz ist das ein heisses Thema. Wie es in Zukunft mid dem Aufenthaltstitel für die Ukrainer*innen in der Schweiz ausieht, ist noch nicht klar geregelt.
Dasha erzählt uns, dass sie sich in der Schweiz immer akzeptiert gefühlt hat. Auch Timur kann mit den aktuellen Dikussionen gut umgehen. Er fühlt sich davon nicht betroffen, er sei sicher in sich selbst, weil er auf dem richtigen Weg sei. Man sollte den Leuten, die in die Schweiz kommen und sich integrieren und arbeiten aber mit Respekt begegnen.
Während in Europa immer mehr über Migration, Grenzen und Zuwanderung diskutiert wird, zeigt das Gespräch mit den beiden vor allem eines: Hinter all den politischen Debatten stehen immer Menschen, die einfach versuchen irgendwo ein Zuhause zu finden.
Und vielleicht ist genau das Etwas, was in dieser ganzen Diskussion vergessen geht.