EVAL, mit bürgerlichem Namen Alaster, war zu Gast im AUX. Er gehört zu den angesagten Produzenten der Schweizer Underground-Hip-Hop- , Alternative- und Pop-Szene. Den Grossteil seiner Zeit verbringt er im Studio – abseits anderer Jobs – wo er Beats, Songs oder gleich ganze Konzeptalben erschafft. Der 31-Jährige will genau das so lange weitermachen, bis er irgendwann eine Handvoll Grammys in den Händen hält. Inspiration holt er sich vor allem bei Kendrick Lamar. Seine Playlist hat er komplett von A bis Z durchgecheckt und extra für uns zusammengestellt – voller Künstler, die ihn pushen, anstehender Konzerte und natürlich Lyrics, die es ihm besonders angetan haben. Wir quatschen mit EVAL über sein Schaffen als Artist, seine Sicht auf die globale Musikindustrie und tauchen tief in den nerdigen Produzententalk ein.
Einfach machen, literally
Das ist der Rat, den EVAL an angehende Produzent:innen weitergeben würde: Am Anfang kann man schnell überfordert sein – sei es mit den unzähligen Möglichkeiten oder den ganzen Softwares. EVAL selbst hat seinen Weg in der Musikindustrie mit FL Studio begonnen. Vor allem für Hip-Hop-Produzent:innen empfiehlt er diese Software. Das Wichtigste sei einfach anzufangen – alles andere kommt mit der Zeit.
Aktuell arbeitet EVAL zusammen mit Onyx Kayn an einem neuen Album, das zeitlos klingen soll. Ein kleiner Vorgeschmack darauf ist „Speedcat“, der dritte Track in EVALs Playlist.
"Ich versuche kein Ego zu haben. Ich bin hier, um der Musik zu dienen schlussendlich und nicht umgekehrt."
Wenn EVAL am Werk ist, hört man das sofort – vor allem bei den Schlagzeug-Parts in seinen Tracks. Kein Wunder, schließlich hat er zehn Jahre lang selbst Schlagzeug gespielt, was ihm beim Produzieren immer wieder zugutekommt. Grundsätzlich ist er aber sehr offen, wenn es um seine Produktionen geht. Ego? Fehlanzeige. Für EVAL dient die Musik ihm, nicht umgekehrt. Er arbeitet eng mit den Künstler:innen zusammen, um den richtigen Vibe zu finden, zu entscheiden, ob ein Song sofort sitzt oder noch reifen muss. Und wenn ihm etwas nicht gefällt, sagt er auch klar seine Meinung.
Kendrick Lamar bedeutet ihm alles
Eine seiner größten Inspirationen ist Kendrick Lamar. Aufgewachsen mit seiner Musik, konnte EVAL hautnah beobachten, wie Kendrick sich entwickelt und immer größer wird. Genau so etwas hatte er sich immer erträumt: Headproducer eines Künstlers zu sein. Heute lebt er diesen Traum mit Onyx Kayn. Für EVAL ist das Geheimnis des Erfolgs, mit möglichst vielen Leuten zusammenzuarbeiten, Neues auszuprobieren – genau wie Kendrick es vormacht. Für ihn bleibt Kendrick Lamar schlichtweg der GOAT.
Nichts macht ihn so emotional wie Musik
EVAL war kürzlich elf Tage am Stück im Studio – für ihn ganz normal, schließlich produziert er auch im Januar teils ununterbrochen Musik. Selbst als er eine Woche Medienpause eingelegt hat – kein Internet, kein TV, nicht einmal lesen, also absolut keine Ablenkung – hat er sich nur ins Studio zurückgezogen. Und genau dort war er kreativer als je zuvor. Ein neues Projekt zu starten, dauert bei ihm kaum Zeit: Er öffnet die Session – und die Idee ist sofort da. Das macht die Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen unglaublich einfach. Schnell in den Flow zu kommen, sei inzwischen fast schon eine Selbstverständlichkeit für ihn, auch wenn andere das oft als außergewöhnlich empfinden. Für EVAL ist Musik aber nicht nur Arbeit – sie ist voller Erinnerungen und damit das Emotionalste in seinem Leben. Warum genau, kann er selbst nicht sagen. Es ist einfach das, was er am liebsten tut. Ausserdem betont er auch, dass jeder Künstler/jede Künstlerin mit denen er in den letzten 8 Jahren zusammengearbeitet hat, jederzeit wieder bei ihm Willkommen ist. Er hatte noch nie eine schlechte Session.
Dream Collab: The Big Three
Bei der Frage zu seinem Dream Collab zögert er nicht lange: Kendrick, Cole & Drake. Doch im selben Satz erwähnt er auch noch Künstler wie Denzel Curry, ASAP Rocky, ASAP Ferg und auch mit Joey Bezos würde er gerne zusammenarbeiten. Auf nationaler Ebene betrachtet erwähnt EVAL den Künstler EAZ und Zen.
Das klingt vielleicht Delulu, aber ich will mindestens eine Handvoll Grammys gewinnen.
Ein grosses Ziel von EVAL ist, zu 100 % von der Musik leben zu können – damit meint er, seine Rechnungen bezahlen, vielleicht mal Ferien machen und auch ein bisschen Geld zur Seite legen. Das wäre für ihn das erste echte „Life Goal“. Sein anderes Ziel – und ja, das klingt vielleicht ein bisschen delulu – ist, mindestens eine Handvoll Grammys zu gewinnen. Man kann über die Grammys denken, was man will, aber sie sind nun mal die höchste Auszeichnung in der Musikindustrie. Und das ist nicht nur ein Traum von Künstler:innen, sondern auch von Produzent:innen wie ihm.
EVAL's Playlist
Survival Tactics - Joey Bada$$, Capital Steez
Wake Me Up (feat. Justice) - The Weeknd, Justice
speedcat - Onyx Kayn
CANNIBALISM! - Slayyyter
Break Me In - Joyce Wrice
familie ties (with Kendrick Lamar) - Baby Keep, Kendrick Lamar
Huggy Les Bons Tuyaux - GRËJ, L'Don
Hard - FKA twigs
FREE THE YOUTH - Amaarae
STUD - Troye Sivan
P.Y.T (Pretty Young Thing) - Michael Jackson
Poor Thang - J.Cole
DEATH ROLL - Doechii
WE GO ON ll (feat. Denzel Curry) - BIA, A$ap Ferg, Denzel Curry
Nights - Frank Ocean
Thought I Was Dead - Tyler, The Creator, ScHoolboy Q, Santigold
King Kunta - Kendrick Lamar
Champagne Cork Prod. By Fleur - DeCana
Porcelana - ROSALIA, Dougie F
Ayo Technology - 50 Cent, Justin Timberlake, Timbaland
Rules - 6LACK
Nosetalgia - Pusha T, Kendrick Lamar
THat Part - Black Hippy Remix
Fly As Me - Bruno Mars, Anderson .Paak, Silk Sonic