MzumO bringt Erfahrungen aus Palästina auf den Punkt
Moritz Haegi macht Musik als MzumO und forscht gleichzeitig zu Palästina und Israel. Diese Verbindung prägt auch sein aktuelles Album „Sizzoush“, das Ende März erschienen ist. Im Zentrum stehen persönliche Erfahrungen, politische Realität und die Frage, wie sich beides in Musik übersetzen lässt. Besonders sein Jahr in Palästina habe seinen Blick geschärft, als Mensch, als Forscher und als Rapper.
Der Name MzumO begleitet Moritz Haegi schon seit seinen ersten musikalischen Gehversuchen. Aus seinem Spitznamen „Mo“ entstand früh eine Wortspiel-Form, die irgendwann einfach blieb. Für ihn sei ein Künstlername etwas, das man einmal wählt und dann mit sich trägt, fast wie eine zweite Identität.
Musik macht MzumO seit 2017. Damals begann er, erste Songs aufzunehmen, während er an seiner Bachelorarbeit schrieb und zugleich eine schwierige persönliche Phase durchlebte. Rap sei für ihn in diesem Moment zu einem Ort geworden, an dem er sich neu sortieren und ausdrücken konnte. Was zunächst sehr persönlich war, wurde mit der Zeit zunehmend politisch.
Palästina als prägende Erfahrung
Besonders prägend war für MzumO ein Forschungsaufenthalt in Palästina, genauer im besetzten Westjordanland. Das Gebiet gehört steht seit Jahrzehnten unter völkerrechtswidriger israelischer Besatzung. Dort leben Palästinenser*innen, zugleich gibt es israelische Siedlungen, die gemäss den Genfer Konventionen eigentlich verboten sind. Gemeint sind Wohngebiete, die von israelischen Siedlerinnen mithilfe des israelischen Staates in besetztem palästinensischem Gebiet errichtet wurden. Diese Siedlungen und die militärische Kontrolle prägen den Alltag der Palästinenser*innen vor Ort und führen immer wieder zu Gewalt, Vertreibung und massiven Einschränkungen.

MzumO beschreibt den Alltag in Palästina als allumfassend kontrolliert. Checkpoints, Strassensperren und eingeschränkte Bewegungsfreiheit gehörten für viele Palästinenser*innen zum täglichen Leben. Besonders eindrücklich sei für ihn gewesen, dass diese Realität nicht aus einzelnen spektakulären Ereignissen bestehe, sondern als dauerhafte Struktur wirke.
Er habe erlebt, wie palästinensischen Familien Land entzogen oder unzugänglich gemacht werde, wie Dörfer unter Druck gerieten und wie bewaffnete Siedler in den Alltag eingriffen. Gerade diese permanente, langsame Form der Gewalt habe ihn nachhaltig verändert. Sie habe ihn nicht radikaler gemacht, sagt er, sondern klarer.
Musik als direkter Ausdruck
Diese Erfahrungen fliessen direkt in seine Musik ein. Während seine akademische Arbeit analytisch, differenziert und wissenschaftlich belegt sein muss, gibt ihm Rap die Möglichkeit, unmittelbarer und persönlicher zu sprechen. Musik ist für ihn ein Weg, Erlebtes zu verarbeiten, ohne es in die Sprache akademischer Texte übersetzen zu müssen.
Besonders eng mit dieser Zeit verbunden ist das neue Album „Sizzoush“. Der Titel leitet sich aus einem alten Spitznamen ab und verweist auf eine intime, ungefilterte Seite seiner Person. Das Album solle festhalten, wie sich diese Zeit angefühlt habe für ihn selbst, aber auch für Menschen, die es später hören.
Ein sehr persönlicher Song des Albums ist „10am in Hebron“. Darin verbindet MzumO politische Realität in Palästina mit einer persönlichen Krise: einer Fernbeziehung, die während seines Aufenthalts zu zerbrechen begann. Gerade diese Gleichzeitigkeit von struktureller Gewalt im Aussen und privater Verletzlichkeit im Inneren mache den Song für ihn zum Herzstück der Platte.
Zwischen Haltung und Bühne
MzumO betont, dass Musik allein die Welt nicht verändere. Sie könne aber sichtbar machen, was sonst verdrängt werde, und Menschen emotional erreichen. Genau darin liege ihre Kraft. Künstler*innen hätten aus seiner Sicht nicht automatisch eine besondere politische Pflicht wohl aber die Verantwortung, ehrlich und authentisch zu erzählen, was sie bewegt.
Mit seiner Musik tut MzumO genau das: Er verbindet persönliche Geschichten mit einer politischen Realität, die oft abstrakt bleibt. So entsteht ein Album, das nicht nur Haltung zeigt, sondern auch Nähe schafft und versucht, Erfahrungen aus Palästina in eine Sprache zu übersetzen, die direkt trifft.
MzumO's Playlist:
Pashanim - Minimum Prozente
Débikatesse - Zeitbomben
Ceren - Synergie
Eto - Squads
Joje - mayfair
LV und Keemani Jazz - duran duran_(MM)
Jamal - V.I.G
Faszie und SMOKAHOLIC - Salam
LV und Zaien - Nuits Blanches
Mahou und Zaien - Manesseplatz
Lorde - Liability
Pashanim - Mittelmeer
Mac Miller - 2009
BendoCD - BLACK FRIDAY
Splendid - Nimm Mi
BSEARL und CA$PAR - BELIEVE ME
Kidwild und Blanco - Remontada
Apsilon - Sommermärchen