Vier Stimmen, viele Ideen und eine Playlist, die so divers ist wie ihre Musik selbst: Hallbach geben im AUX einen Einblick in ihre musikalische Welt. Zwischen lokalen Acts aus Luzern, belgischen Lieblingsartists und persönlichen Erinnerungen wird schnell klar, dass diese Band sich nur ungern auf einen Stil festlegen lässt. Genau das hört man auch auf ihrem neuen Album «Uhrwerk», sagen sie selbst.
Von Luzern nach Sanremo
Ein grosser Teil der Bandgeschichte ist eng mit ihrem ersten Album verbunden. «Uhrwerk» ist für Hallbach ein richtiges Herzensprojekt, an dem sie während rund zwei Jahren gearbeitet haben. Aufgenommen wurde das Album nicht nur im eigenen Studio in Luzern, sondern auch während eines ganzen Monats in Sanremo. Mit einem fast fertig reparierten Bus, viel Equipment und einer grossen Vision reiste die Band nach Italien, um dort konzentriert an ihrer Musik zu arbeiten.
Diese Zeit scheint die Band stark geprägt zu haben. Mehrere Songs aus ihrer AUX-Playlist verbinden sie direkt mit dieser Reise. Musik, Autofahrten, Erinnerungen und das gemeinsame Arbeiten als Band verschmelzen bei Hallbach immer wieder zu etwas Neuem.
«Uhrwerk» als Konzeptalbum
Dass das Album «Uhrwerk» heisst, sei kein Zufall. Hallbach wollten von Anfang an ein Konzeptalbum machen. Relativ schnell habe sich gezeigt, dass das Thema Zeit viele ihrer Songs verbindet. Zeit taucht in ihren Texten immer wieder auf, aber auch musikalisch passt das Motiv: Der Takt, das Tickgeräusch, Rhythmus, Wiederholung. Der Name sei darum sehr früh klar gewesen.
Passend dazu bleibt auch die Band selbst nicht leicht greifbar. Auf die Frage, was «Hallbach» eigentlich sei, geben sie keine eindeutige Antwort. Gerade das mögen sie aber am Namen. Er klingt für sie klar, edel und irgendwie offen genug, damit man selbst etwas hineinlegen kann.
Eine Band, die aus Begegnungen entstanden ist
Die heutige Besetzung von Hallbach ist nicht von Anfang an dieselbe gewesen. Ursprünglich starteten Tom und Till in jüngeren Jahren in einer kleineren Formation. Mit der Zeit merkten sie aber, dass sie die Band weiterentwickeln und vergrössern wollten. Dazu kamen später Vivian und Ayla.
Besonders schön: Vieles entstand über Zufall, gemeinsame Kreise und persönliche Begegnungen. Mehrfach fällt im Gespräch das Wort Pfadi. Dort haben sich Verbindungen ergeben, die später musikalisch wichtig wurden. Was heute wie eine eingespielte Band wirkt, begann also eher spontan und entwickelte sich mit der Zeit zu einer festen Konstellation.
Dass Ayla und Vivian zunächst gar nicht mit genau jenen Instrumenten in die Band kamen, die sie heute spielen, macht die Geschichte noch spannender. Ayla spielte zuvor Klavier und lernte für Hallbach Bass. Vivian kam mit Klarinetten-Background dazu und entwickelte sich in der Band weiter an Gitarre und im Songwriting. Genau dieses gemeinsame Lernen und Wachsen scheint Hallbach besonders wichtig zu sein.
Warum Hallbach eine Band bleiben wollen
Im AUX sprechen Hallbach auch darüber, warum für sie immer klar war, dass sie als Band existieren wollen und nicht als Soloprojekt. Obwohl sich heute viele Acts eher in Richtung Solokarriere bewegen, können sie sich das für sich selbst kaum vorstellen.
Der Grund dafür liegt vor allem in der Zusammenarbeit. Unterschiedliche Meinungen, Diskussionen und neue Perspektiven seien kein Hindernis, sondern Teil ihres Prozesses. Ideen werden bei Hallbach nicht einfach übernommen, sondern weitergedacht, hinterfragt und oft noch grösser gemacht. Gerade daraus entsteht offenbar der Sound der Band.
Sie beschreiben sich selbst als Menschen mit vielen Ideen, die sich schnell in etwas hineinsteigern. Das könne manchmal herausfordernd sein, führe aber oft genau dorthin, wo es spannend werde.
Kreative Prozesse zwischen Chaos und Vertrauen
Wenn Hallbach über ihre Zusammenarbeit reden, wird deutlich, wie wichtig Vertrauen für sie ist. Auch wenn viel diskutiert wird, scheinen sie als Gruppe gut zu funktionieren. Kritik, kreative Differenzen und verschiedene Vorstellungen gehören dazu, aber genauso auch das Wissen, wie die anderen etwas meinen.
Gerade weil Musik und Kreativität etwas sehr Persönliches sind, brauche es Zeit, um offen miteinander umzugehen. Hallbach sagen, dass sie das über die Jahre immer besser gelernt haben. Man kenne sich mittlerweile sehr gut und könne Situationen besser einordnen. Das helfe sowohl beim Songwriting als auch bei Videoprojekten, Liveshows oder organisatorischen Aufgaben.
Hallbach live: eher halbes Musical als klassisches Konzert
Wer Hallbach live sieht, bekommt offenbar nicht einfach ein normales Bandset. Die Gruppe beschreibt ihre Liveshows selbst als «halbes Musical». Ihre Songs seien oft gross gedacht, theatralisch, pompös und mit vielen Ebenen produziert. Genau diesen Anspruch wollen sie auch live auf die Bühne bringen.
Für ihre Albumtaufe im Treibhaus am 8. Mai arbeitet die Band deshalb mit erweiterten Arrangements, zusätzlichen Musikerinnen und Musikern und einer Show, die deutlich über ein klassisches Konzert hinausgehen soll. Mit Sängerinnen, Kontrabass, Geige und weiteren Elementen wächst die Vision nach und nach zu dem Klang heran, den sie sich vorgestellt haben.
Theater, Videos und Kunst in allen Formen
Neben der Bandarbeit schreibt Hallbach auch Musik für Theaterproduktionen im VorAlpentheater Luzern. Dort entwickeln sie gemeinsam mit einem inklusiven Ensemble und dem Regisseur neue Klangwelten für ein Theaterstück. Diese Arbeit inspiriert sie stark, sagen sie, gerade weil sie musikalisch nochmals in ganz andere Richtungen führt.
Auch visuell scheinen Hallbach stark zu denken. Das Musikvideo zu «Overdue» mit der Kiesgrube, dem Schwarzweiss-Look und den Tänzerinnen und Tänzern sei aus einem grossen visuellen Konzept entstanden. Die Band arbeitet also nicht nur an Songs, sondern immer auch an Bildern, Atmosphären und ganzen Welten.
Zwischen DIY, Förderung und eigener Vision
Wie viele unabhängige Acts müssen auch Hallbach ihre Projekte gut organisieren und finanzieren. Im AUX sprechen sie offen darüber, dass viel Eigeninitiative nötig ist. Einnahmen aus Theaterarbeit, Konzerten, Merch und Unterstützung durch Luzerner Stiftungen helfen ihnen dabei, ihre Musik umzusetzen.
Ein grosser Vorteil sei ihr eigenes Studio. Dadurch können sie viele Prozesse selbst stemmen und müssen nicht dieselben Studiokosten tragen wie andere Bands. Gleichzeitig wird im Gespräch klar, wie viel Arbeit hinter einem Album steckt, das nach aussen vielleicht ganz leicht wirkt.
Hallbach und die Schweizer Musikszene
Auch über die Schweizer Musikszene sprechen Hallbach im AUX. Für sie war das m4music Festival ein spannender Einblick in eine Szene, die einerseits klein, andererseits aber auch offen und vernetzt ist. Gerade in Luzern könne man schnell mit anderen Kulturschaffenden in Kontakt kommen.
Trotzdem bleibe es schwierig, überregional oder international wirklich sichtbar zu werden. Die Schweiz sei klein, und das merke man auch in der Musik. Gleichzeitig sehen Hallbach aber auch Vorteile darin: Wer einmal Teil dieser Szene ist, findet viele gute Menschen, Orte und Plattformen, die etwas möglich machen.
Viel Kunst, viele Zukunftspläne
Auch abseits der Musik scheint für Hallbach klar zu sein: Kreativität wird immer eine Rolle spielen. Im Gespräch tauchen Träume von Schreiben, Malen, Meeresbiologie, Betonkunst und anderen Projekten auf. Musik ist für alle vier sehr zentral, aber sie ist nicht die einzige Ausdrucksform.
Wo Hallbach in fünf Jahren stehen, wissen sie selbst nicht genau. Vielleicht auf einer grossen Festivalbühne, vielleicht in neuen Kunstprojekten, vielleicht irgendwo dazwischen. Sicher scheint nur: Die Lust, gemeinsam etwas zu erschaffen, wird so schnell nicht verschwinden.