Dass die J-Pop-Idol-Welt hart und an viel Druck gebunden ist, wird mittlerweile vielen bewusst sein. "Love On Trial" gibt dem ganzen jedoch eine neue Tiefe und zeigt hautnah welche Ausmasse die Verträge der sogenannten Idols annehmen können.
Tausende Fans, perfekt einstudierte Choreografien und strahlende Gesichter. Von aussen wirkt das Leben der J-Pop-Idol-Gruppe «Happy Fanfare» wie ein Traum. Regisseur Koji Fukada zeigt jedoch, was hinter dieser Fassade steckt. Die jungen Frauen trainieren täglich bis an ihre Grenzen, ihr Auftreten wird bis ins kleinste Detail geplant und selbst ihre Persönlichkeiten werden vom Management vermarktet. Wer auf Plakaten in der Mitte steht oder auf Fanartikeln am prominentesten platziert wird, entscheidet allein die aktuelle Beliebtheit.
Und an dieses Geschäftsmodell sind völlig absurde Grundsätze gebunden. Die Idols dürfen keine Beziehungen führen. Sie sollen für ihre Fans möglichst unschuldig, nahbar und gleichzeitig unerreichbar bleiben.
"Aber ich bin nicht wie du Mai, ich bin ein Idol", muss Mai sich von ihren Gruppenmitgliedern anhören.
Plötzlich scheint diese Schein-Unschuld gefährdet, als sich Mai völlig unerwartet (wie es mit der Liebe nun mal so ist) in ihren ehemaligen Mitschüler Kei verliebt. Das nicht ohne Konsequenzen, denn daraus entwickelt sich plötzlich ein Rechtsstreit.
Vom perfekten Leben als Idol, in den Gerichtssaal
Zu Beginn lebt der Film von der farbenfrohen, energiegeladenen Welt des J-Pop. Wir begleiten «Happy Fanfare» an ihre Auftritte und werden mitgerissen in eine perfekt einstudierte Welt. Nach und nach bricht diese glänzende Oberfläche jedoch auf. An ihre Stelle tritt eine nervenaufreibende Gerichtsverhandlung und emotionale wie auch finanzielle Sorgen.
Bild: Ausschnitt aus "Love On Trial"
«Love on Trial» stellt nebst der Idol-Industrie, auch gesellschaftliche Rollenbilder infrage. Koji Fukada greift dabei einen realen Gerichtsfall auf und kritisiert die unterschiedlichen Erwartungen an Frauen und Männer in der Unterhaltungsbranche. Weibliche Idols sollen ihre «Reinheit» bewahren und für ihre Fans verfügbar wirken. Eine Beziehung würde dem nur in die Quere kommen. Für männliche Stars gelten diese Erwartungen nicht. Der mehrmals ausgezeichnete Film zeigt damit auf, dass hinter diesem Idealbild der J-Pop-Word junge Frauen kontrolliert und in ihrer persönlichen Freiheit massiv eingeschränkt werden.
Genau das macht den Film auch so sehenswert. Was die Zuschauer*innen durch farbenfrohe Szenen einnimmt, entwickelt sich zu einem gesellschaftskritischen Drama. Auch nach dem Ende des Films, regt dieser noch zum Nachdenken an.
Der Film wird im japanischen Original mit deutschen und französischen Untertiteln gezeigt und ist ab diesem Freitag im Stattkino zu sehen. Trailer und Spieldaten findest du hier.