Für ein Gespräch in die Bibliothek zu gehen, ist keine alltägliche Sache. In der Bibliothek Zug ist das aber einmal im Jahr, im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus, üblich. In der «Living Library» stellen sich «lebende Bücher» zur Ausleihe zur Verfügung. Aufgrund ihrer Sprache, Herkunft oder Religion haben sie Diskriminierung erlebt. Den Besucher*innen beantworten sie in 30-minütigen Gesprächen jegliche Fragen zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen. Ziel davon: Vorurteile zu brechen und sich durch direkte Begegnungen eine persönliche Meinung bilden zu können.
Als lebendes Buch hat sich unter anderem Herve zur Verfügung gestellt. Der 22-jährige ist mit seinen Eltern für eine bessere Zukunft in die Schweiz gezogen. Er habe in der Schweiz wenig Rassismus erfahren, eher das Gegenteil davon erlebt. «Meine Freunde waren eher neugierig auf unsere Kultur», schrieb er auf der Website der Living Library. Im Gespräch erzählte er uns, wieso er Teil der «Living Library» war und was die Aktionswoche gegen Rassismus für ihn im besten Fall bewirken soll.
Wie wird vor Ort die Sicherheit der lebenden Bücher gewährleistet? Werden sie auf schwierige Gespräche vorbereitet? Können durch das «ausleihen» bestehende Ungleichheiten oder Stereotypen unbeabsichtigt reproduziert werden? Wie wird gemessen, ob die «Living Library» etwas bewirkt? Diese Fragen hat uns Stephanie Curjel, Verantwortliche für das Integrationsprogramm des Kanton Zugs (KIP), im Interview beantwortet.
Die Projektleiterin Gudrun Sachse stellte sich ebenfalls für ein kurzes Gespräch zur Verfügung. Seit über 10 Jahren gibt es die «Living Library» in der Bibliothek Zug bereits. Gudrun organisiert solche Events aber nicht nur für die Bibliothek Zug oder im Zusammenhang mit der Aktionswoche gegen Rassismus. Auf ihrer Website bringt sie Menschen für offene Gespräche zusammen, bspw. für Schulklassen. Darunter können Sexualtherapeut*innen, Oberärzt*innen, Bewährungshelfer*innen, Trader*innen usw. sein. Sie möchte damit Menschen zusammenbringen.
"Menschen Fragen stellen, die du immer schon mal fragen wolltest. Menschen, denen du vielleicht nie begegnet wärst"