Sprechstunde

Age of design - Genmanipulation als Normalität

Genmanipulation, eine umstrittene Thematik, aber eine, mit der wir uns als Gesellschaft früher oder später auseinandersetzen müssen. Die beiden Künstlerinnen Ilaria Rabagliati und Joana Hermes setzten sich über ein Jahr lang damit auseinander und schufen das Projekt "Age of Design". Mit ihrer selbst gegründeten Company Never Mind gaben sie am 19. Februar ein Sharing ihrer Performance im Südpol und der Sprechstunde im Vorhinein einen Einblick in ihre Arbeit.

"Age of Design" stellt eine Zukunft dar, in der Genmanipulation an Menschen zur Normalität geworden ist. Ilaria und Joana schlüpfen in die Rollen zweier genetisch manipulierter und beinahe identisch aussehender Charaktere. Inspiriert haben sie sich von DNA-Strängen, welche sie durch verschlungene Bewegungen darstellen. Ihre Bewegungssprache drückt verschiedene Aspekte der Genmanipulation aus, auch, wie und ob sich zwei identische Wesen voneinander trennen können. Sie nehmen die Zuschauer*innen mit auf eine Reise durch das Innen- und Aussenleben der beiden Figuren und zeigen deren Individualität und Konformität. 

Kennengelernt haben sich die beiden in ihrem Studium Contemporary Dance an der ZHdK und 2023 erstmals zusammen gearbeitet. Ihre Company Never Mind haben sie 2025 gegründet und arbeiten seither an der Performance "Age of Design". Dabei erhielten sie tatkräftige Unterstützung von folgenden Personen:

Musik: Milan Slick

Kostüm: Nadine Räber

Produktion: Nina Maria Richard 

Foto: Clara Keilbach

Ethische Verantwortung

Die Vorstellung genmanipulierter Menschen ist für viele absurd und löst Unverständnis und teilweise sogar Wut aus. Doch so weit weg ist diese Realität nicht mehr. 2018 wurden die ersten genmanipulierten Babies in China geboren. Lulu und Nana sollen gegen HI-Viren resistent sein, was ein Crispr/Cas9-Verfahren ermöglichte. Der Eingriff löste eine weltweite Debatte aus.

Was als Schutz vor Krankheiten beginnt, weitet sich schnell aus. Wenn genetische Eingriffe möglich und zugänglich werden, um Leid zu verhindern, können auch Gene verändert werden, um Fähigkeiten zu steigern, das Aussehen zu beeinflussen oder vermeintliche Defizite zu korrigieren? Genau hier entsteht ein enormes Spannungsfeld: Wer entscheidet, welche Eigenschaften "verbessert" werden sollen? Wer definiert, was überhaupt als Verbesserung gilt? Die Gefahr einer neuen Diskriminierung kommt auf. Menschen ohne genetische Optimierung könnten dabei benachteiligt werden, während genetisch veränderte Personen als "unecht" stigmatisiert werden könnten. Zwischen Fortschritt und ethischer Verantwortung entsteht eine Spannung, welche uns als Gesellschaft auf die Probe stellen wird, oder bereits tut. 

Am 28. März findet die Premiere von "Age of Design" in der Grossen Halle in Bern statt. Weitere Infos dazu findest du auf dem Instagram Account @companynevermind

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