Sprechstunde

Streaming: Bequem für uns, bitter für Künstler*innen?

Spotify, Apple Music, Tidal, Youtube Music – kaum jemand konsumiert Musik nicht über eine Streaming-Plattform. Die Sprechstunde dreht sich heute um die Musikschaffende Perspektive. Wie erleben selbstständige Künstler*innen das Streaming System? 

Nehmen wir den Song Restless Legs von Pixxie Dust als Beispiel – ausgezeichnet mit dem Kickass Award 2024. Seit der Veröffentlichung im Juni 2024 wurde der Song etwa 12'400 Mal gestreamt. Das Duo verdiente damit rund 50 Franken, also etwa 0,004 Franken pro Stream. Zum Vergleich: Der Spotify-CEO verdiente 2024 ungefähr 350 Millionen Franken. Um auf diese Summe zu kommen, müsste Restless Legs unglaubliche 87,5 Milliarden Mal gestreamt werden. 

Doch damit nicht genug: Wer selbst Musik veröffentlichen will, braucht in der Regel einen sogenannten Distributor, der die Songs an Plattformen wie Spotify oder Apple Music weiterleitet. Pixxie Dust nutzt dafür DistroKid, was jährlich 24 Franken kostet. Das heißt: Die Einnahmen aus Streams decken noch nicht einmal die Kosten für die Veröffentlichung. 

Nicht alle Plattformen sind gleich 

Künstler*innen wie Polygon Cove zeigen, wie stark sich verschiedene Plattformen unterscheiden. Während they über diverse Streaming-Plattformen über Jahre hinweg rund 80 US-Dollar verdient haben, brachte dasselbe Repertoire über Bandcamp 500 Dollar ein. Der Unterschied liegt darin, dass Bandcamp Künstlerinnen erlaubt, ihre Musik direkt zu verkaufen – zu selbst gewählten Preisen. Die Plattform behält dabei 15 Prozent der Einnahmen, der Rest geht direkt an die Musiker*innen. Anzumerken ist, dass Bandcamp nicht wirklich eine Streaming-Plattform ist.  

Was kann man als Hörer*in tun?  

Die scheinbar grenzenlose Bequemlichkeit des Streamings hat ihren Preis – den bezahlen allerdings nicht wir, sondern die Künstler*innen. Wer Musik liebt, kann etwas dagegen tun: 

  • Kauft Musik auf Bandcamp oder ähnlichen Plattformen. 

  • Besucht Konzerte und kauft Merch, direkt von den Bands. 

  • Unterstützt physische Tonträger – CDs und Vinyl können nicht plötzlich aus dem Regal verschwinden 

Denn eins wird stetig klarer: Streaming ist bequem, aber für die meisten Künstler*innen kein nachhaltiges Geschäftsmodell, auch wenn es ermöglicht von mehr Leuten entdeckt zu werden. Wer möchte, dass unabhängige Musik weiterlebt, sollte ihr mehr als nur ein Like oder einen Stream schenken. 

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