Bereits zum sechsten Mal ging das Echolot letzte Woche über die Bühne. Ein Festival, das sein Publikum nicht nur an ungewohnte Orte in der Luzerner Neustadt lotzt, sondern auch ein Licht auf Unbekanntes, Spannendes aus der Musikwelt leuchtet. Ein Programm, das durch seine Vielfalt überzeugt. Über 40 Programmpunkte, verteilt auf über ein Dutzend Standorte. Die prägendsten Konzerterlebnisse zusammengefasst, findest du in der ganzen Sendung zum Nachhören.
Luzern brilliert!
Ein besonderes Augenmerk wirft das Echolot-Programm auf das hiesige Musikschaffen. Zum Beispiel mit der Formation Personne, das Trio rund um die Luzerner Pianistin und Sängerin Anna Girsberger, auch unter dem Namen Anna Rey als Solo-Künstlerin unterwegs, den Drummer Basil Schreyer (Via Fucina, Gans Sauvage) und den Bassisten Paul Studer, der bis vor kurzem noch mit der Indie-Band Fräulein Luise zu hören war. In einer Garage im Tribschen präsentiert die Band sorgfältig ausgestaltete Pop-Tunes, die sich in der Hektik des digitalen Zeitalters nach Entschleunigung sehnen. Einfühlsame Stücke im Spannungsfeld zwischen Entfremdung und Selbstfindung. Material der im März veröffentlichten Debut-EP „attention economy“ erscheint Seite an Seite mit Unveröffentlichtem und Unfertigem. So sind es gerade diese Stücke, in denen der suchende Charakter der Musik besonders überzeugt.
Mit Spellwork präsentierte der Willisauer Künstler Elischa Heller Anfang des Jahres seine zweite Langspielplatte „Spellwork“. Der Sound wirkt archaischer, wärmer, ohne aber den abstrakten, zerbrechlichen Charakter seiner Debutplatte zu verlieren. Vermehrt weichen akustische Instrumente wie Streicher oder Flöten den überlagerten digitalen Klangmauern Hellers. Passend auch, dass die Bühne für die Live-Umsetzung von Spellwork von einer gleichnamigen fünfköpfigen Band gefüllt wird. Dass Fabian Mösch, Leoni Leoni, Catia Lanfranchi und Jonas Albrecht nicht nur auf künstlerischer Ebene eine grosse Verbundenschaft zu Elischa Heller aufweisen, sondern auch durch Freundschaft mit dem Klangalchemisten verbunden sind, ist hörbar. Unerzwungen organisch hört sich dieser Klangkörper an: Er schreit, lacht und weint. Ekstase und Verletzlichkeit existieren in diesen Tracks nahe beieinander.
Elischa Heller und Catia Lanfranchi im Neubad-Club | Bild: 3FACH
Zwei etablierte Namen im Luzerner Musikschaffen stehen mit Yoko Yolo in (pun intended) einem völlig neuen Gewand auf der Bühne. Die Bühnenoutfits sind bunt, auf dem Kopf tragen Valeria Zangger (Schlagzeug, Vocals) und Timo Keller (Synth, Vocals) ein flauschiges Fell und auch die Musik ist geprägt von einer kindlichen Roheit. Spielerisch navigieren die beiden durch pulsierende Grooves und psychedelische Synthlandschaften, irgendwo zwischen Rave-Energie und Krautrock-Psychose. Dass die Texte dabei etwas untergehen, scheint für das Duo nicht weiter schlimm zu sein. Schliesslich vergessen sie selbst immer wieder die Worte zu ihren Tracks und stehen auch in der Industriestrasse 9 mit Lyric-Sheets auf der Bühne.
Eine neue Empfindsamkeit
Während die schottischen Cowboy Hunters eher durch wilde Punk-Allüren und weniger durch die Musik selbst in Erinnerung bleiben und die Londoner Schwestern hinter dem Projekt Sistra sich etwas zu stark auf Vorbilder wie Oklou oder Caroline Polachek lehnen, sind es vor allem die Schweizer Acts, die am Echolot 2026 überzeugen. Zum Beispiel die Genferin Kay Yōko. Ihre Tracks entstehen vom Songwriting bis zum Mastering in Eigenregie im Schlafzimmer. Intim auch der Charakter ihrer Performance. Mitten in den Büroräumlichkeiten der IG-Arbeit mit dicken Kopfhörern auf den Ohren scheint die Sängerin all die Zuschauer:innen um sie herum zu vergessen. Aufs feinste Detail geschliffene vernebelte RnB-Tracks, gespickt mit verspielten Lyrics über ferne Traumwelten.
Auch wenn mit "Blue Rider, Blue Faced" erst dieses Jahr die erste Solo-EP der Bündner Künstlerin erschienen ist, ist Fiona Fiasco schon lange kein neuer Name in der Schweizer Musikwelt mehr (I'm looking at you, Luzerner Zeitung <3). Zu einem veganen Süssgebäck und einem Chai-Latte mit Hafermilch wirken diese berührenden Folk-Balladen noch ein Stück wohliger. Auch den traurigsten Songs vermag die Singer-Songwriterin mit ihrer sanften Stimme eine bekömmliche Wärme zu verleihen. In der Backstube der Bakery Bakery war Fiona Fiasco zu sehen mit Lucien Badoux (Bass), Lucas Zibulski (Drums) und Selma Aerni (Cello).
Fiona Fiasco und Selma Aerni in der Bakery Bakery | Bild: 3FACH
Playlist
KatzPascale - GBTC
KatzPascale - SINK WHERE YOU SLEEP
Schnellertollermeier – Epoxide
Fiona Fiasco - Garden
Fiona Fiasco - Stacy
Fiona Fiasco – Wasteland
Cowboy Hunters - Punched In The Head
Cowboy Hunters - Perfect (Exceeder)
Cowboy Hunters - Shag Slags Not Flags
personne - mad girl
personne - coffee grounds
personne - changing choosing winning losing
Elischa Heller - Crumble Towards a Centre
Elischa Heller - Guesswork
Elischa Heller - Cocoon
Elischa Heller - Contain / Belong feat. Junge Eko & Paul Amereller
MEAN - Echo Of Appetite
MEAN - Hollow Heights
MEAN - S.o.t.s.
Yoko Yolo - No Time Left
Yoko Yolo - Hey You
Kay Yōko - Blue Greenhouse
Kay Yōko - Do Not Disturb
Kay Yōko - Des Rêves Sous La Couette
7EMA - BLA 7ESS
7EMA - HASSAN
7EMA - DANSE DE FOU
SISTRA - things I really meant (feat. Anatole Muster)
SISTRA - Double Edged Sword