Festivalsaison

3FACH am Full of Lava 2025


Das Festival Full Of Lava präsentiert dir Musik aus den Nischen dieser Welt. Pop, welcher ausserhalb der Charts seine Runden dreht. Am verschneiten Wochenende standen Künstler*innen auf der Bühne, welche anecken - politisch oder musikalisch. Von Drone über Bedroomwave findest du in der Dampfzentrale alles, was nicht der Norm angehört. 3FACH war drei Tage vor Ort, hier geht's zu den Interviews.



"You gotta wash La Monte Young's dishes to learn about this stuff!": Kali Malone im Interview

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass sie in der Schweiz ist. Weite Teile ihres letztjährigen Albums All Life Long nahm die amerikanische Klangkünstlerin Kali Malone auf der historischen Orgel der Église Saint François in Lausanne auf. Nirgends fände man auf so kleinem Raum so viele alte Orgeln mit unterschiedlichen Stimmungssystemen wie in der Schweiz. Vergleichbare Instrumente fielen häufig den beiden Weltkriegen zum Opfer oder wurden über die Jahre auf modernere Temperamente umgestimmt. Mehr Orgelnerd-Talk gibt's im vollen Inti:

Unweit von Lausanne in La Tour-de-Peilz hat sie zusammen mit der französischen Cellistin Leila Bordreuil an Aufnahmen gearbeitet. Dafür stand ihr die Orgel des Temple de La Tour-de-Peilz von Gaël Liardon zur Verfügung. Ein Instrument, das sich von Hand stimmen lässt.

Auf den Aufnahmen, die laut Malone irgendwann nächstes Jahr erscheinen sollen, arbeitet sie mit einer «septimal just intonation», einer Form der reinen Stimmung, bei der neben den Primzahlen zwei, drei und fünf auch die sieben in den Frequenzverhältnissen verwendet wird, sodass charakteristische Intervalle wie 7/4 oder 7/6 entstehen. (Eigentlich ganz logisch, oder?)

Kali Malone | Bild: 3FACH

Auch für ihren Gig in der Dampfzentrale arbeitet Kali Malone mit dieser Intonation, nur verwendet sie für ihr Spiel keine Orgeln, sondern einen Modularsynth und die Software SuperCollider. Dazu verwebt sie Aufnahmen der Cellistin Lucy Railton und des Kontrabassisten Zach Rowden. Eine Komposition, die Malone vor über sechs Jahren geschrieben hat und nur live aufführt, da sie das Stück nicht für eine Aufnahme geeignet erachtet. Das Stück muss im Raum erlebt werden. Es spielt mit komplexen Interferenzmustern. Töne mit ähnlichen Frequenzen überlagern sich, verstärken sich, löschen sich aber auch teilweise aus. Ein Erlebnis, das fasziniert, erschüttert und auch körperlich eindrücklich wahrnehmbar ist – jede Schwingung ist spürbar. Für das Stück brauche es, so Kali Malone, viele Subwoofer und viel Lautstärke, dann gehe es vor allem darum, «das PA zu tunen» – das Beschallungssystem auf die Raumakustik anzupassen.

Kali Malone live in der Dampfzentrale | Bild: 3FACH

Nachdem sie eine Aufnahme abgeschlossen hat, muss sie diese zuerst etwas liegenlassen. Fermentation nennt Kali Malone diesen Prozess. Er hilft ihr, mit einer neuen Perspektive auf bereits Geschaffenes heranzugehen und ihre eigenen Werke mit einer besseren Objektivität fertigzustellen. So ist auch ihre Kollaboration mit Industrial-Pionier Drew McDowall entstanden. Aufgenommen an einem einzigen Tag fermentierte Magnetism über drei Jahre vor sich hin, bis das Album schliesslich fertiggestellt wurde. So wundert es auch nicht, dass Kali Malone bereits etwa zehn neue Platten in Planung hat. Wir bleiben gespannt!


Das erste Mal: Evicshen & MiMi At Capricious

Evicshen & MiMi At Capricious im Interview (Bild: 3FACH)

Eine Weltpremiere: Evicshen MiMi At Capricious treffen sich zum ersten Mal bei uns im Interview. Aufgrund eines glücklichen Zufalls (ein Künstler hat fürs Full of Lava 2025 abgesagt) haben die Organisator*innen des Festivals die beiden für eine Performance angefragt – ohne, dass sich die beiden vorher je trafen:

Gerne hätten wir noch mehr über ihre (un)geplante Performance erfahren – doch aufgrund eines Stromausfalls in unserem mobilen Studio mussten wir das Interview leider vorzeitig abbrechen. Unerwartet passt zu Evicshen & MiMi At Capricious, die keinesfalls Musik für den Mainstream machen. Sondern für die, die sich Musik wünschen, die wie ein Feuerwerk explodiert.


19 Jahre Musikproduktion: These New Puritans

Jack von These New Puritans (Bild: 3FACH)

Die Zwillinge George und Jack Barnett gründeten vor rund 19 Jahren These New Puritans. Sie fingen aber nicht erst 2006 mit Musikmachen an – bereits als Kinder produzierten sie «imaginäre» Musik. Mittlerweile sind fünf Alben draussen. Jack besuchte uns im Studiobus:

Jack von These New Puritans hat uns über die Produktion ihres neusten Albums Crooked Wing erzählt, was ein Hydrolophon (Wasser-Keyboard) damit zu tun hat, wieso er früher immer einen kleinen Audiorekorder dabei hatte und wie George und Jack mit dem sogenannten «Editors Veto» zusammenarbeiten.


Emotionen und Authentizität: Circuit des Yeux im Interview

Alle Arme und Beine von sich strecken, um den Körper mit Energie und Selbstvertrauen zu pumpen. Vor jedem Auftritt macht die Künstlerin Circuit des Yeux und ihre Crew die „Star-Pose“.

Vermutlich kennen alle dieses Gefühl, dieser Gedanke, einmal zu viel von sich geteilt zu haben. Musiker*innen bauen oft ihren Lebensunterhalt darauf auf. "Es ist unangenehm und gefährlich Musik zu schreiben, die bedeutungsvoll und persönlich ist", sagt Circuit des Yeux. Ihre Musik behandelt oft ihre dunklen Emotionen und schwere Lebensabschnitte. Schlussendlich sei es aber das Risiko wert. 

Wie es sich anfühlt, so viel von sich in der Musik und auf der Bühne preiszugeben, erfährst du im Interview:

The Sleepy Friendship Tour

Mit dem Auftritt am Full of Lava Festival 2025 beendet Circuit des Yeux ihre Tour zum Album Halo On The Inside. Eine ganz besondere Tour, denn seit Beginn der Tour spielt sie ihre Konzerte während ihrer Schwangerschaft. Sie schlief viel und sie tanzte viel. Die Tour hat sie mit grosser Unterstützung ihrer Crew gespielt und freut sich jetzt nach Hause zu gehen. Die nächste Challenge wird sein herauszufinden, wie sie eine Tour mit einem Baby spielen wird. Denn Musik und Konzerte wird sie immer machen.


Zwischen Risiko und Ritual - Tapiwa Svosve

Der Zürcher Saxofonist, Klangforscher und Dozent Tapiwa Svosve hinterfragt in seiner Arbeit bestehende Strukturen. Seine Auftritte, ob im Kollektiv oder solo, zeichnen sich durch eine Liebe zu riskanten Improvisationen und räumlichen Experimenten aus. Für seine einzigartige künstlerische Vision erhielt er 2024 den Schweizer Musikpreis. Wir haben einige Minuten nach seinem Auftritt am Full Of Lava mit Tapiwa gesprochen.

Es ist eine ereignisreiche Woche für den Schweizer Ausnahmekünstler Tapiwa Svosve. Nur zwei Tage nach seinem Auftritt in der Dampfzentrale ist er mit Solist:innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra mit dem Programm «Woodworks» im KKL zu sehen. Im Vergleich zu Soloperformances nimmt Tapiwa den Auftritt im Kollektiv als angenehmer wahr. Das Brainstormen mit Mitmusiker:innen im Live-Setting dient als Absicherung und Auffangbecken, solo muss er alles alleine durchstehen, auch wenn es mal etwas schief läuft. Dass er das acht Kilo schwere Tape-Gerät umsonst nach Bern geschleppt hat, weil das dazugehörige Tonband während des Spielens gerissen ist, hat aber wohl niemand gemerkt. Spontaneität liegt im Zentrum von Tapiwas musikalischer Praxis. «Wenn ich ein Set geplant habe, hat sich das nie gut angefühlt.» Bei zu grosser Planung bauen sich immer wieder unrealistische Erwartungshaltungen auf, da ist es gut, offen zu bleiben und spontan auf das Publikum reagieren zu können.

Tapiwa und Gabriel | Bild: 3FACH

Es gibt vieles, auf das wir gespannt sein können. Bereits nächstes Jahr erwartet uns die vierte Platte von Tapiwas Band District Five. Zudem soll eine Labelgründung folgen und viel gute Musik von talentierten Menschen darauf erscheinen. We’re hooked!


Wut zur Kunst - Tot Onyx

Tot Onyx am Full of Lava | Bild: 3FACH

Mit viel Strobo, verzerrten, animalischen Klängen stand Tot Onyx auf der Bühne am Samstagabend und eröffnete damit die Nacht. Die Performerin Tot Onyx will Musik als kein richtig oder falsch denken. Ihre Musik entsteht aus Emotionen, die meist von einer Wut auf politische Missstände kommen. Es ist für die Ausdrucksform, ohne Worte diese Gefühle herauszulassen und dafür Raum zu schaffen. Das Performative ist für die Künstlerin von großer Bedeutung, so ist sie auch Teil von der Japanischen Experimental Performance Duo „Group A“. Im Interview mit ihr haben erzählt sie uns noch viel mehr über ihre Performance Art und wir kommen die Frage beantwortet, was es mit diesen Metal Objekten auf sich hat.



Dampfzentrale = Dampflok?

Dampzentrale von aussen während dem Full of Lava 2025 (Bild: 3FACH)

Im 19. Jahrhundert kamen die Berner*innen schon ins Marzili-Quartier zum Baden: Die Aare macht da für einmal keinen Bogen. So entstand dort das öffentliche Marzili-Bad. Rund 300 Jahre später findet seit Mitte 00er-Jahre das Full of Lava in der Dampfzentrale statt. Was diese mit dem Marzili und der Stadt Bern zu tun hat, und ob Dampfloks in der Dampfzentrale pfiffen, das hörst du in folgendem Beitrag:






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