Sprechstunde

Täuschend echter Tarantino

13.12.2018

Zu einem Tarantino-Film gehört ein Soundtrack voller 70s-Hits, ausufernde Dialoge, skurrile Figuren, und nicht zuletzt, ästhetisierte Gewaltdarstellungen. All diese Eigenschaften vereinigt schon Tarantinos Debütfilm "Reservoir Dogs". Dieser kam 1992 in die Kinos. Momentan kann man diesen Kult-Klassiker aber auf der Bühne sehen. Der Regisseur Manuel Kühne hat mit seinem sechsköpfigen Ensemble die Theater-Adaption "Like a Virgin" geschaffen, die im Südpol aufgeführt wird. Wie Tarantino für seinen Film, bedient sich Manuel Kühne simplen Mitteln, um einen grossen Effekt zu erzielen. Seine Figuren, die eigentlich "Arschlöcher" sind, sollen cool aussehen. Ein Tänzchen aufzuführen, bevor man einen Polizisten anzündet, nicht schockieren. Funktioniert ein Tarantino-Streifen als Theater? Hat "Reservoir Dogs" auf der Bühne den gleichen Effekt wie auf der Leinwand? Die Ausgangslage des Stücks ist wie folgt: Vier Gangster haben gerade einen Diamanten-Laden überfallen, und treffen sich in einer Lagerhalle. Einer von ihnen ist durch einen Bauchschuss schwer verletzt, und wird ohne medizinische Hilfe sterben. Die anderen drei sind ausser sich. Doch nicht aus Mitleid mit ihrem Mitstreiter. Sie fragen sich, warum die Polizei am Tatort schon auf sie wartete? Es kann nur eine Antwort geben. Jemand von ihnen hat der Polizei einen Tipp gegeben. Bloss, wer?

Wer "Reservoir Dogs" gesehen hat, kennt die Antwort auf diese Frage schon. "Like a Virgin" weicht nur minimal von der Vorlage ab. Sei es in Kostümen, Dialogen, ja, der ganzen Handlung. Das Stück hält sich beeindruckend genau an die Vorlage. So führt das Stück Tarantino-Neulinge an sein Werk heran. Warum der Theaterabend doch nicht ganz befriedigt, gibt es im Podcast zu hören. Der Regisseur Manuel Kühne verrät zudem, was ihn an dieser Adaption gereizt hatte.

Bilder: © Ingo Hoehn

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