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Postjugoslawische Generationen im Gespräch

Anders als unsere Eltern: Die postjugoslawische Generation in der Schweizer Politik

Menschen mit postjugoslawischen Wurzeln machen einen enormen und unverzichtbaren Teil der Schweizer Bevölkerung aus. Dennoch bleibt ein Thema im öffentlichen Diskurs oft auf der Strecke: Wie prägt das historische Erbe der Elterngeneration das heutige politische Selbstverständnis der Jungen? Wie politisch ist diese junge Generation in der Schweiz heute wirklich?

Um genau diese Fragen zu diskutieren, trafen sich am vergangenen Freitag in Luzern zahlreiche Menschen zur Veranstaltung „Anders als unsere Eltern? Generationen im Gespräch“. Dort zeigte sich: Während die erste Generation in den 1990er- und 2000er-Jahren in die Schweiz kam und sich oft unter extremem Druck ein neues Leben aufbauen musste, wächst die zweite und dritte Generation in einer völlig anderen politischen Realität auf.

Generationen im Gespräch

Zwischen Anpassungsdruck und institutionellem Vertrauen

Die Generation der Eltern war stark vom Zerfall Jugoslawiens, von Krieg, Flucht und Traumata geprägt. In der Schweiz trafen sie nicht selten auf Stigmatisierung – von hartnäckigen Balkan-Klischees in den Medien bis hin zu ausländerfeindlichen politischen Kampagnen. Die Reaktion der ersten Generation war meist pragmatisch und defensiv: hart arbeiten, sich anpassen und bloss nicht negativ auffallen. Das Vertrauen in den Staat war aufgrund der prägenden Erfahrungen im Herkunftsland oft tiefgreifend erschüttert.

Die jüngere Generation wächst hingegen in der direkten Demokratie der Schweiz auf. Sie kennt ein hohes Mass an Vertrauen in staatliche Institutionen, geniesst andere Privilegien und blickt mit einer gewissen Distanz, aber auch mit scharfer Reflexion auf die komplexe Geschichte des Balkans zurück. Eine Vertreterin dieser neuen Perspektive ist Nataša, eine junge Frau mit bosnischen Wurzeln, die in der Schweiz aufgewachsen ist. Für sie geht es stark um einen Wandel der Perspektive: Man vergisst die Geschichte nicht, reflektiert sie aber anders.

Lauter, politischer und fordernder

Das Selbstverständnis der Jungen hat sich radikal gewandelt. Im Gegensatz zu ihren Eltern reagieren junge Menschen mit postjugoslawischem Hintergrund heute deutlich lauter auf Diskriminierung. Sie nehmen Stigmatisierungen nicht mehr schweigend hin, sondern fordern ihre gesellschaftlichen und politischen Rechte aktiv ein. Die politische Heimat liegt für viele primär in der Schweiz. Das schliesst jedoch nicht aus, die Geschehnisse in den Herkunftsländern der Familie aufmerksam zu verfolgen, diese doppelte Perspektive wird zunehmend als Bereicherung und nicht als Widerspruch gelebt.

Die Repräsentationslücke in Bern und den Kantonen

Obwohl diese Community die Schweiz gesellschaftlich und wirtschaftlich längst massgeblich prägt, hinkt die politische Sichtbarkeit stark hinterher. In den Parlamenten und Parteispitzen der Schweiz fehlen entsprechende Namen nach wie vor weitgehend. Damit sich dies ändert, braucht es strukturelle Anpassungen in der Parteienlandschaft, aber auch das gezielte Empowerment innerhalb der eigenen Community: genau wie es Events wie „Anders als unsere Eltern?“ vormachen. Die junge, postjugoslawische Generation ist längst politisiert – jetzt geht es darum, die formellen Räume der Macht zu betreten, die ihre Eltern oft noch meiden mussten.


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