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Erster antikapitalistischer CSD in Luzern

Demo für queere Rechte

"The first pride was a riot". Damit gemeint ist der historische Aufstand von queeren Personen 1969 bei den Stonewall Riots. Dort haben sie sich gegen die Gewalt der Polizei gewehrt. In dieser Tradition findet sich die queere Community bis heute in der ganzen Welt  zusammen und demonstriert an Prides und Christopher Street Days (CSD) für ihre Rechte. Seit 2022 fand auch in Luzern jährlich eine Demonstration vom Verein Pride Zentralschweiz statt. Da diese Pride dieses Jahr aufgrund fehlender Ressourcen nicht stattfindet, entstand die Idee für einen antikapitalistischen CSD. Organisiert von der JUSO und den Jungen Grünen Luzern findet dieser am 22. August, als erster antikapitalistischer CSD in Luzern statt.

Finn Krummenacher, Co-Präsident der Jungen Grünen und Mitorganisator des CSD, erzählt über die Sicherheit, die aktuelle Lage für queere Personen und weshalb die Demonstration antikapitalistisch ausgerichtet ist: 

CSD als Ersatz?

Der Verein Pride Zentralschweiz organisiert dieses Jahr kein klassisches Festival. Sie organisieren dieses Jahr dafür eine Party und Events für queere Personen. Für die Juso und die Jungen Grünen war daraufhin klar, dass sie eine Demonstration für queere Rechte organisieren wollen. Innert einem Monat stellten sie also die bewilligte Demo auf die Beine: Der erste antikapitalistische CSD in Luzern. 

"Wir sind nicht per se ein Ersatz für die Pride Zentralschweiz. Wir haben andere Prioritäten, auch weil wir klar antikapitalistisch organisiert sind."

Der grösste Unterschied zur Pride Zentralschweiz ist der klar politische Charakter der Demonstration, nämlich antikapitalistisch, erzählt Finn Krummenacher. Die Organisator*innen des CSD sind der Meinung, dass die Diskriminierung von queeren Personen, zu einem wichtigen Teil dem Kapitalismus zuzurechnen ist. Eine tatsächliche Gleichstellung und Freiheit der queeren Community ist laut ihnen nur möglich, wenn das kapitalistische System überwunden wird. Dazu sind sie mit dem CSD klar Anti-Establishment und kritisieren auch den "Rainbow-Capitalism" der häufig an kommerziellen Prides präsent ist.

Krummenacher betont aber, dass sie der Pride Zentralschweiz dankbar sind. Sie haben mit ihren jährlichen Prides Türen geöffnet für die queere Community in der Zentralschweiz und für mehr Sichtbarkeit gesorgt.

Rolle der Polizei

Die Sicherheit an Demonstrationen ist immer ein grosses Thema, besonders aktuell nach dem Anschlag auf den Berliner CSD am 25. Juli. Auch für den Luzerner CSD wurde mittels Sicherheitskonzept und Risikoanalyse verschiedene Gefahren abgeschätzt. Für den Schutz der Teilnehmenden an Demonstrationen sorgt die Polizei. Das birgt gerade beim antikapitalistischen CSD in Luzern Konfliktpotenzial, meint auch Krummenacher

"Wir lehnen die Strukturen der Polizei als Instrument, dass die Staatsgewalt durchsetzt ab. Gerade auch, weil diese Strukturen häufig extrem rassistisch, sexistisch und homophob geprägt sind."

Die Präsenz der Polizei an der Demonstration ist ein schmaler Grat, spricht er im Gespräch an. Es ist dennoch der gesetzliche Auftrag der Polizei die freie Meinungsäusserung und damit ihre Demo zu schützen und das nehmen sie als Organisator*innen des CSD in Anspruch. Eine Gegendemonstration wurde nicht angekündigt und wird auch nicht erwartet.

Hintergrund: Die Zentralschweizer Pride ist 2024 von Zentralschweizer Juso-Sektionen stark kritisiert worden, aufgrund der starken Präsenz von Polizei und Militär und der fehlenden politischen Ausrichtung der Pride. Bis Redaktionsschluss hat der Verein Pride Zentralschweiz nicht auf unsere Interviewanfrage reagiert.

Der antikapitalistische CSD Luzern beginnt am 22. August um 13:30 beim Theaterplatz. Die Demonstration ist bewilligt.

Das Pride Zentralschweiz Sommerfest findet am 22. August von 14:00-22:00 im Südpol statt.

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