Ob durch den Gotthard nach Italien oder doch nur über den Brünig ins Berner Oberland, die Schweizer Bevölkerung entscheidet sich zur Mehrheit für Reisen mit dem Auto, vor allem in ihrer Freizeit. Warum das so ist und welche Faktoren es verhindern, dass mehr Leute den Zug nehmen, hat eine neue Studie der HSLU in Zusammenarbeit mit der Rapp AG im Auftrag des Bundesamtes für Strassen ASTRA ergeben.
Widar von Arx, Professor an der Hochschule Luzern Wirtschaft, erklärt im Interview, worum es genau geht. Er ist Projektleiter und Leiter Kompetenzzentrum Mobilität an der Hochschule Luzern, genauer gesagt bei der Wirtschaft am Institut für Tourismus und Mobilität. In der Ende August herausgegebenen Studie der HSLU geht es darum, herauszufinden, wie mehr Menschen dazu bewegt werden können, in ihrer Freizeit den ÖV zu nutzen. Zum Freizeitverkehr gehören Tagesausflüge, Wochenendtrips und Ferienreisen. Dabei stellt sich zuerst die Frage, wieso 70 % der Bevölkerung in diesen Fällen bisher das Auto bevorzugen. Intuitiv könnte angenommen werden, dass es vor allem eine Preisfrage ist. Die Studie zeigt: Dem ist nicht so.
Umsteigen ist eine Hürde
Reisen und Ausflüge sind etwas Besonderes. Du musstest vielleicht frei nehmen oder verwendest einen Ferientag. Dann muss aber auch wirklich alles gut laufen. Lange Wartezeiten, Verspätungen und anstrengende Anreisen passen nicht ins Programm. Auch das Umsteigen, was bei Zügen üblich ist, gefällt vielen nicht. Die Studie hat ergeben, dass bereits ein Umstieg auf einen Tagesausflug die Wahrscheinlichkeit, dass der öffentliche Verkehr gewählt wird um 31 Prozent senkt. Doch auch Gepäck ist mit einem Personenwagen leichter zu transportieren. Widar von Arx betont zudem, eine Sicherheit über den Tagesablauf sei von grosser Bedeutung. Die Menschen seien bereit ihr Verhalten zu ändern, wenn sie im Gegenzug eine Garantie auf einen Parkplatz oder zum Beispiel eine Sitzmöglichkeit im Zug erhalten.
Wie gelingt das Umsetzen?
Auf die Frage, wie die Erkenntnisse der Studie nun genutzt werden können, um genügend Antrieb zur Veränderung zu schaffen, antwortet von Arx zuerst mit Bedenken. Der ÖV ist in der Schweiz keine Einheit. Es gibt verschiedene Bahn- und Bus-Unternehmen, private Gondel- und Bergbahnen. Dass diese alle zu einer gemeinsamen Lösung kommen, sieht der Wirtschaftswissenschaftler als eine Schwierigkeit. Vor allem auch, weil sie sich teilweise konkurrieren. Nun gelte es, zusammenzuspannen und grossräumig zu denken. Massnahmen müssen für ganze Regionen gelten, damit eine einheitliche Lösung entsteht.