Stooszyt

Kommunikation für alle Sprachen - Diaspora TV

04.05.2020

Der Bund gibt jede Woche Informationen zur aktuellen Situation heraus. Für die Meisten von uns sind diese gut verständlich. Was aber, wenn ein Mensch keine der offiziellen Landessprachen oder Englisch spricht? Der Bund kommuniziert auch auf verschiedenen Sprachen auf seinen Kanälen. Um die Leute zu erreichen schaffen hier die Medien Abhilfe. So zum Beispiel auch Diaspora TV.

 

Vorab: In der Schweiz haben rund 25% der Bevölkerung Migrationshintergrund (Stand: 31.12.2018).  Nicht alle sprechen die gängigen Sprachen. In einer Krisensituation ist es wichtig, dass alle Menschen Zugang zu korrekten Informationen haben. Im Fall Corona gibt der Bund die Kampagnen-Flyer in über 20 Sprachen heraus.  Ausserdem gibt es ein Telefon-Angebot in 10 Sprachen. Wie aber kommen die Menschen an diese Informationen? Das BAG schreibt auf Anfrage:

"Die Informationen wurden (und werden auch in Zukunft) über einen Mailverteiler an die Integrationsfachleute in den Kantonen und Gemeinden sowie weitere wichtige MultiplikatorInnen, wie Arbeitsintegrationsstellen, Gewerkschaften etc.) geschickt, damit diese sie auch in ihren (lokalen) Netzwerken an die Migrationsgemeinschaften weiterleiten können. Auch für den Asylbereich wurden - in Zusammenarbeit mit dem SEM und der SODK- spezifische Infoblätter erarbeitet und übersetzt.(...)

Wichtig sind einerseits die Integrationsfachstellen in den Kantonen und Gemeinden, sowie weitere MultiplikatorInnen (wie Arbeitsintegration, Sozialberatungen, Gewerkschaften, religiöse Gemeinschaften), die die Migrationsbevölkerung oft besser erreichen können als das BAG. 

Ein wichtiger Kommunikationsweg sind auch die Medien der Migrationsbevölkerung. Das BAG hat mit dem SRK/migesMedia einen Vertrag abgeschlossen. In unserem Auftrag koordiniert migesMedia die Produktion und Verbreitung zentraler Botschaften des Bundes zur Pandemie via Medien der Migrationsbevölkerung. Produzierte Beiträge werden sowohl über die Kanäle dieser Medien verbreitet..."

 

Eines dieser Medien ist Diaspora TV. Wir haben mit dem Direktor Mark Bamidele Emmanuel gesprochen. Diaspora TV ist ein Medium von Menschen mit Migrationshintergrund für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Arbeit basiert auf freiwilliger Basis mit Entschädigungen, etwa für Transportkosten. Normalerweise übersetzen sie Informationen in acht Sprachen, jetzt, in Zeiten von Corona, verdoppeln sie auf sechzehn Sprachen. Ihre Informationen präsentieren sie in Form von Audiovisuellen-Beiträgen. Ihr Ziel ist es Menschen mit Migrationshintergrund, die keine der offiziellen oder gängigen Sprachen sprechen, zu erreichen und Sie über die aktuelle Situation aufzuklären. Im Moment liegt der Fokus vor allem auf den Informationen über Covid-19 und den Massnahmen des Bundes. Neben dem klären sie die Menschen über die Gegebenheiten der gesamtgesellschaftlichen Landschaft der Schweiz auf. Diaspora-TV erläutert wie das politische System der Schweiz funktioniert, wie die Asylpolitik der Schweiz funktioniert, Änderungen an wichtigen Gesetzen aber auch Bildungsthematiken wie der Lehrplan 21.

Mark Bamidele Emmanuel spricht in hohen Tönen  über Diaspora TV. So soll die Infektionswelle dank dem Netzwerk eine kleinere Kurve gemacht haben. Beweisbar ist das nicht. Trotzdem ist die Plattform für viele Menschen eine wichtige Informationsquelle. Die Plattform hat von Ende März bis Ende April über 2 Millionen Menschen auf Facebook erreicht.

Mark Bamidele Emmanuel kritisiert den Bund für die fehlende Unterstützung. Die zuständigen Departements würden ihre Arbeit nicht genug ernst nehmen. Ausserdem hebt er hervor, dass Leute, die sowieso schon marginalisiert werden, auch in der Medienwelt im Abseits stehen. Mark sagt:

"Don't forget, this group of people, they are already been marginalised from the radio and television fee. These are people who pay radio and TV fee, but today, what are they getting for this. Close to nothing."

 

Hier muss betont werden, dass das Bundesamt für Gesundheit und das Staatssekretariat Beiträge an Diaspora TV geleistet haben. Sie haben der Plattform ermöglicht mehrere Videos aufzunehmen. Ausserdem gibt es auf der Website des BAGs einen Link zu der Webpage von Diaspora TV. Der Kanton Basel-Land gab ebenfalls finanzielle Unterstützung frei. Und mit dem Kanton Basel-Stadt arbeitete das Medium bereits vor der Krise zusammen. Diaspora TV wird auch von diversen Stiftungen unterstützt.

 

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